Marktschwankungen meistern: Finanzielle Agilität im Mittelstand

Volatilität und ihr Einfluss - auf Finanzielles ebenso wie die eigenen Emotionen

Im Fachjargon werden Marktschwankungen als Volatilität bezeichnet. Die gibt es an allen Märkten, dem klassischen Kapitalmarkt mit seinen Aktien ebenso wie am Rohstoff- oder Optionsmarkt. Überall da, wo mehrere Teilnehmer zusammenkommen, sich Angebot und Nachfrage bilden und Preise fortlaufend neu gebildet werden, entstehen automatisch auch Marktschwankungen und Volatilität. Diese können sich noch entsprechend der aktuellen Marktphase intensivieren.

An der Börse spricht man von einem "Bärenmarkt", wenn die Kurse über längere Zeit fallen, das Gegenstück dazu ist der "Bullenmarkt", der sich durch steigende Kurse charakterisiert - gekoppelt sind beide nicht selten an die aktuelle oder die zu erwartende wirtschaftliche Situation. Abgehen von dieser Sichtweise, die sich an der allgemeinen Markt- und wirtschaftlichen Situation orientiert, kann es natürlich auch bei einzelnen Unternehmen, von großen Konzernen bis hin zu börsennotierten kleinen und mittelständischen Unternehmen, zu Marktschwankungen kommen - und wird es auch. Insbesondere konjunkturabhängige Unternehmen sind typischerweise einer überdurchschnittlichen Volatilität ausgesetzt.

Mittelständer, die ihr Kapital privat wie gegebenenfalls auch im eigenen Unternehmen arbeiten lassen möchten, können sich Marktschwankungen zu Nutze machen. Dafür gibt es verschiedene Ansätze: Beispielsweise eine Buy and Hold Strategie, die aus langfristigem Zukaufen und Halten besteht, um den Effekt von Marktschwankungen zu reduzieren. Eine andere Option ist diese aktiv zu handeln - also Trading zu betreiben. Ein ausführlicher Guide auf Finanzradar verrät, wie das gelingt, worauf zu achten ist und welche Hürden es auf dem Weg zum erfolgreichen Kapitalmarktteilnehmer zu meistern gilt.

Welche Grundregeln sind bei einer Partizipation am Kapitalmarkt einzuhalten?

Auf den öffentlichen Kapitalmärkten, vom heimischen Leitindex DAX bis hin zu den US-amerikanischen Indizes S&P 500, Dow Jones und NASDAQ, tummeln sich unzählige und ganz verschiedene Teilnehmer: Darunter beispielsweise hochprofessionelle Trader, Institutionelle wie Banken und Hedgefonds, aber natürlich auch Privatleute - solche mit wenigen Kenntnissen und kaum Erfahrung ebenso wie solche, die bereits seit längerer Zeit eine Rendite mit Aktien, ETFs, Optionen, Rohstoffen, Futures und Co. erwirtschaften.

Das übergeordnete Ziel einer Teilnahme am Kapitalmarkt ist selbstverständlich eine Rendite. Idealerweise ist diese höher als die breitgefächerte Marktrendite angesiedelt, die beispielsweise ein Blick auf den MSCI World verrät. Gleichermaßen geht es darum das eigene übernommene Risiko zu navigieren. Eine Rendite gibt es immer nur durch eine Risikoübernahme - wie viel Risiko man übernimmt, ist aber jedem Anleger freigestellt.

Einige Grundregeln sollten eingehalten werden, um sowohl kurz- als auch langfristige Marktschwankungen meistern zu können:

- die Kapitalanlage sollte breitgestreut sein, über mehrere Branchen ebenso wie über verschiedene Länder und beispielsweise Währungen
- in volatile Anlageformen sollte nie kurzfristig benötigtes Kapital investiert werden, anderenfalls muss man unter Umständen in einer schlechten Phase verkaufen
- langfristig kannten die Kapitalmärkte in der Geschichte nur eine Richtung, nämlich die nach oben, weshalb Anleger mit einer starken Diversifizierung die meisten Marktschwankungen auch einfach aussitzen können
- es ist immer empfehlenswert über mehrere Anlageklassen hinweg zu investieren, beispielsweise sowohl in Aktien und ETFs als auch in Anleihen, Sichteinlagen oder Rohstoffe

Wer sich auf den Kapitalmarkt begibt, sollte sich außerdem bewusst sein, dass er fortan mit Profis konkurriert: Von US-amerikanischen Großbanken bis hin zu Hedgefonds mit riesigen, gutbezahlten Teams: Sie alle machen den Tag über nichts anderes, als Märkte zu beobachten und versuchen deren Bewegungen vorauszuahnen. Aus diesem Grund lautet die allgemeine Empfehlung für Privatanleger im Regelfall auch einfach am Marktwachstum zu partizipieren - zum Beispiel mit einem breitgestreuten ETF, der auf den MSCI World oder All World Index läuft und schlicht die durchschnittliche Marktrendite abbildet.

Emotionen sind die größte Stolperfalle während erheblichen Marktschwankungen

Während finanzielle Agilität ein erstrebenswerter Zustand ist, ist der Weg dahin nicht leicht - und ein gewisser Erfahrungsschatz ist zweifelsohne hilfreich. Insbesondere Marktteilnehmer ohne mehrjährige Erfahrungen neigen dazu, die eigenen Emotionen in Phasen von größeren Marktschwankungen nicht mehr im Griff zu haben. Wenn potenzielle Verluste im Depot einen um den eigenen Schlaf bringen oder man aus schierer Panik (oder Gier) heraus schlechte Entscheidungen trifft, wird man diese am Kapitalmarkt teuer bezahlen.

Absolut notwendig ist daher, sowohl für aktive Trader als auch passive ETF- und Buy-and-Hold-Anleger, die eigenen Emotionen im Griff zu halten. Märkte schwanken - und das nicht zu knapp. Noch dazu gibt es immer wieder Rufe nach Crashs, einige Marktakteure haben es sich sogar zum Beruf gemacht Crashs anzukündigen - mehrfach jährlich, ohne dass diese je eingetreten sind. Mit der Angst lässt sich ein gutes Geschäft machen, wie derartige Crashpropheten sich selbst und allen anderen bewiesen haben. Angst und generell Emotionen sollten aber nicht die eigenen Entscheidungen diktieren - besser ist auf Objektivität, einen konkreten Plan und Rationalität zu setzen.

Unterschiedliche Ansätze, um Marktschwankungen zu meistern

Ein Ansatz ist das aktive Trading - zum Beispiel über Charttechnik. Da werden Formationen aus dem Chart heraus gelesen, die dann eine Handlungsempfehlung abgeben. Trading ist eine aktive Aufgabe, die Zeit und Aufmerksamkeit erfordert, auch ist keinesfalls ein Erfolg garantiert.

Eine andere Möglichkeit ist das Aussitzen über die bereits erwähnte Buy and Hold Strategie. Marktschwankungen werden dann höchstens für weitere Zukäufe genutzt, wohlwissend dass die breiten Aktienmärkte in der Menschheitsgeschichte bisher immer langfristig gestiegen sind.

Auch eine Kombination aus beidem ist denkbar: Um ein Buy and Hold Portfolio und dessen Volatilität beispielsweise durch aktives Trading zu reduzieren, indem kurzfristige Gegenpositionen zu denen im langfristigen Portfolio aufgenommen werden. Das machen übrigens auch viele Unternehmen, deren Geschäft in schwankungsanfälligen Branchen Geld erwirtschaftet. Ein bekanntes Beispiel dafür sind Ölkonzerne, die einerseits zwar von steigenden Ölpreisen selbst direkt profitieren, sich gleichermaßen aber gegen zu starke Marktschwankungen absichern.

So können Unternehmen, deren Produkte und Waren eine hohe Preissensibilität haben, eine gewisse künstliche Preisstabilität erlangen. Das geht zwar auf Kosten des Reinprofits, da eine Absicherung natürlich immer Geld kostet, hilft aber enorm im operativen Alltag. Aus diesem Grund haben Ölkonzerne beispielsweise häufig Short-Positionen auf den Ölpreis: Diese würden dafür sorgen, dass sie von einem fallenden Ölpreis profitieren, während ihr eigentliches Geschäft, das Öl zu verkaufen, unter einem fallenden Ölpreis leidet.

Finanzielle Agilität als Mittelständer zu erlangen - das ist perspektivisch wichtig, denn die Welt bringt fortlaufend neue Herausforderungen mit, die mit einer soliden finanziellen Grundlage schlicht einfacher zu meistern sind. Wichtig ist dabei, dass stets ein konkreter Plan existiert und dieser eingehalten wird. Unter keinen Umständen sollte auf unvermeidbare Marktschwankungen mit Emotionalität reagiert werden - denn dann sind Entscheidungen nicht mehr objektiv, sondern fehleranfällig.

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