Gamescom 2026: Die Messe liefert, die Politik nicht

Dazu politische Prominenz in einer Dichte, die sonst kein Messetermin in Deutschland erreicht: der Bundespräsident, der Bundesfinanzminister, die Forschungsministerin, der NRW-Ministerpräsident, die Vizepräsidentin der EU-Kommission. Wer nur die Bilder aus Köln sieht, hält die deutsche Games-Branche für einen Wachstumsfall. Die Zahlen erzählen etwas anderes.

Die Messe wächst, der Markt schrumpft

2025 setzte die Branche in Deutschland mit Games, Hardware und Online-Services noch rund 9,4 Milliarden Euro um, ein Plus von vier Prozent. Deutschland bleibt damit größter Games-Markt Europas und fünftgrößter weltweit. Im ersten Halbjahr 2026 drehte das Vorzeichen: rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, vor allem wegen gestiegener Hardware-Preise. Schon zur Eröffnungsshow passte der Ton nicht ganz zur Feierlaune: Moderator Geoff Keighley sprach von einer Branche im Umbruch, geschlossenen Studios und einer Chipkrise, die Hardware so teuer macht wie nie.
Der wunde Punkt des Standorts steckt in einer einzigen Kennzahl: Nur etwa fünf Prozent der hierzulande für Spiele ausgegebenen Summen fließen in heimische Produktionen. Deutschland ist ein exzellenter Absatzmarkt und ein schwacher Produktionsstandort. Die Gamescom bildet genau dieses Missverhältnis ab: Zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland, Firmen aus Asien sind stark vertreten.

Steueranreize: Berlin vertagt, Düsseldorf wartet

An dieser Stelle wird die Messe politisch. CDU/CSU und SPD hatten 2025 im Koalitionsvertrag steuerliche Anreize für den Gamestandort angekündigt. Passiert ist seither nichts. Auf der Kölner Bühne verwies Finanzminister Lars Klingbeil auf schwierige Gespräche angesichts der Haushaltslage und sagte lediglich: „Wir wollen etwas hinbekommen, auch gemeinsam mit den Ländern." Festlegen wollte er sich nicht. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst signalisierte die Zustimmung seines Landes: „Wir machen da mit, wenn ihr Euren Koalitionsvertrag umsetzen wollt." Der Ball liegt also erkennbar in Berlin.
Game-Geschäftsführer Felix Falk hielt dagegen, dass Frankreich, Irland, Australien, Kanada und Großbritannien eine solche steuerliche Förderung längst haben.
Das Argument ist nicht neu, aber es trifft: Wer international um Studio-Ansiedlungen konkurriert, konkurriert um Standortkosten. Ein Tax-Credit-Modell würde Entwicklungskosten steuerlich anrechenbar machen.
Kurzfristig kostet das den Fiskus Einnahmen, langfristig setzen Befürworter auf Investitionen und Arbeitsplätze.

125 Millionen im Topf, 40 abgerufen

Dabei fehlt es nicht an Geld, sondern an Abfluss. Die Bundesförderung wurde von rund 88 Millionen Euro 2025 auf 125 Millionen Euro aufgestockt. Davon sind in diesem Jahr bislang nur etwa 40 Millionen bewilligt oder beantragt. Falk nennt das einen normalen Anlaufeffekt.
Man kann es auch anders lesen: Eine Branche, die im Standortwettbewerb auf Steueranreize drängt, schöpft den vorhandenen Zuschusstopf nicht aus. Klingbeil versprach immerhin, das Förderniveau in den kommenden Jahren zu halten, die Forschungsministerin bekräftigte das.

Was von Köln bleibt

Die Gamescom 2026 hat zwei Wahrheiten nebeneinander gestellt. Als Veranstaltung ist sie konkurrenzlos, als Schaufenster für Publisher aus aller Welt funktioniert sie besser denn je. Als Gradmesser für den Produktionsstandort Deutschland liefert sie das dritte Jahr in Folge denselben Befund: viel Publikum, wenig Wertschöpfung im Inland, eine Bundesregierung, die ihre eigene Koalitionsvereinbarung auf unbestimmte Zeit schiebt. Für Zulieferer, Dienstleister und Investoren aus dem Mittelstand heißt das konkret: Der deutsche Games-Markt bleibt als Absatzkanal attraktiv, als Produktionsökosystem aber ohne verlässliche Rahmenbedingungen. Wer hier Engagements plant, sollte weniger auf Messerekorde schauen als auf den Bundeshaushalt 2027 und die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern. Dort entscheidet sich, ob aus der größten Spielemesse der Welt irgendwann auch ein großer Spielestandort wird.

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