Das Morgen hat begonnen

Interview mit Richard Ongherth, CEO der KACO GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Ongherth, KACO ist heute führend bei Dichtungslösungen für die Automobil- und Maschinenbauindustrie, doch sie ruhen sich nicht auf dem Erreichten aus.

Richard Ongherth: Wir haben uns in unserer über 100-jährigen Geschichte ständig weiterentwickelt und sind immer am Puls des Marktes gewesen. So war es schon 1914, als wir als Fabrik für Motordichtungen unter dem Namen Kupfer-Asbest-Company gegründet wurden. Die Materialien gibt es schon lange nicht mehr bei uns, aber das Thema Dichtungen ist geblieben. Neben Wellendichtungen kam später die Gummiproduktion und dann die axial wirkende Dichtung, die auch bewegliche Wellen abdichtet. Wir haben hier ein extrem großes Know-how an dynamischen Dichtungen aufbauen können.

Wirtschaftsforum: Wie wurde aus KACO ein internationales Unternehmen?

Richard Ongherth: Das 1982 in Österreich erbaute Werk war der erste Schritt in Richtung Globalisierung. Mit diesem Werk machen wir heute noch mit Schaltkolben für automatische Getriebe einen Umsatz von 60 Millionen EUR. Heute haben wir insgesamt sechs Werke. Neben denen in Österreich, Ungarn und Deutschland gibt es zwei Produktionen in China und eine in den USA. Seit 2014 sind wir eine Tochter der chinesischen ZhongDing-Gruppe und erwarten für 2023 einen Umsatz von 250 bis 260 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Wie stellt sich KACO aktuell dar?

Richard Ongherth: Wir sind nach wie vor sehr stark im Automotive-Bereich, aber unsere Produkte können auch in Non-Automotive-Anwendungen eingesetzt werden. Und genau da wollen wir hin. Haushaltsgeräte, Industrie, das sind Felder, in denen wir aktiv geworden sind.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie als CEO Ihre Rolle bei dieser Transformation?

Richard Ongherth: Ich bin seit 1990 dabei und möchte heute den Wandel mit begleiten. Zwar werden unsere Produkte in Autos mit Verbrennungsmotoren bleiben, aber vor dem Hintergrund der weniger werdenden Anwendungen haben wir uns rechtzeitig neu orientiert, da der Verbrenner nicht mehr die Hauptrolle beim Antrieb von Fahrzeugen spielt.

Wirtschaftsforum: Was haben Sie der E-Mobilität zu bieten?

Richard Ongherth: Seit Jahren bieten wir bereits Teile für Elektrofahrzeuge an, was sich auch im Umsatz widerspiegelt. Hier sind dynamische Dichtungen und High-Speed-Dichtungen zu nennen. Letztere dichten bei 19.000 bis 20.000 Umdrehungen pro Minute ab, was ein enormer Sprung im Vergleich zu klassischen Dichtungen ist. Statische Dichtungen werden im E-Fahrzeug gebraucht, und für Batterien bieten wir Druckausgleichselemente und Schnellentlüftungselemente an. Insgesamt spielen Produkte eine Rolle, die stark in der elektrifizierten Welt sind.

Wirtschaftsforum: Ändern sich durch sich verändernde Märkte auch Ihre Zielgruppen?

Richard Ongherth: OEMs sowie TIER-1- und TIER-2-Unternehmen sind nach wie vor unsere Kunden, aber auch sie müssen sich wandeln. Hinzu kommen neue Anbieter wie Hersteller für Batterien und Batteriezellen und Hersteller von Haushaltsgeräten und die Industrie.

Wirtschaftsforum: Was sind letztlich Gründe für Ihren Erfolg?

Richard Ongherth: Wie gesagt, wir haben uns ständig weiterentwickelt. Und sind dorthin gegangen, wohin der Markt geht. Wir haben nach wie vor flache Strukturen und schnelle Entscheidungswege. Das hat sich auch durch die Zugehörigkeit zur ZhongDing-Gruppe nicht geändert, hinter der nebenbei bemerkt, ebenfalls ein Familienunternehmen in 2. Generation steht. Zudem gehen wir auf Kundenwünsche ein und lösen Probleme zusammen.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Branchenentwicklung?

Richard Ongherth: E-Mobilität beschäftigt uns natürlich, ebenso wie der Trend zur CO2-neutralen Fertigung. Hier muss man die gesamte Lieferkette betrachten, also vom Abbau der Rohstoffe bis zum fertigen Produkt. Da ist es eine große Herausforderung, das CO2-neutral hinzubekommen. In der Mikro-Mobilität sehen wir ebenfalls Chancen. Auch für E-Bikes braucht man Dichtungen, dynamische wie statische, und daran arbeiten wir. Noch nicht so weit entwickelt ist das Thema Wasserstoff, der in mechanische oder elektrische Energie umgewandelt wird.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihre Vision für das Unternehmen?

Richard Ongherth: Bis 2030 wollen wir unseren Umsatz auf 500 Millionen EUR steigern, der Non-Automotive-Bereich rückt zunehmend in unseren Fokus und wir haben die große Vision, die Transformation, in der wir gerade stecken, zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen. Wenn uns das gelingt, dann sind wir gewappnet für das, was kommt.

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