Diese Folgen werden uns alle betreffen

Demographischer Wandel

1. Das Rentenalter

Wer nüchtern in die Zukunft blickt, dem ist klar: Wir werden definitiv nicht mehr so früh und einheitlich in die Rente eintreten können, wie unsere Eltern. Die Rente mit 65, die seit Jahrzehnten in Deutschland Gang und Gebe war, ist unhaltbar – und deshalb schon seit Jahren Spielball der Politik. Aktuell liegen wir für alle, die nach 1963 geboren sind, bei 67 Jahren. Zudem diskutiert man in Berlin darüber, das Einstiegsalter flexibel zu handhaben – steigt die allgemeine Lebenserwartung um ein Jahr, soll das Rentenalter um ein halbes angehoben werden. Dass dabei auch diverse andere Personen aus Politik und Wirtschaft Vorschläge einreichen, verwundert nicht:

  • Die Bundesbank empfiehlt einen Eintritt mit 69
  • Wolfgang Schäuble peilt 70 Jahre an
  • Das Wirtschaftsinstitut IW hält 73 für passend

Dabei gilt: Es scheint offenbar kein Tabu mehr zu geben, was Erhöhungsvorschläge anbelangt – auch wenn sie regelmäßige Aufschreie nach sich ziehen. Ob es in der Zukunft überhaupt noch ein festes Eintrittsalter geben wird, steht in den Sternen. Fest steht nur: Jeder wird länger arbeiten müssen.

2. Die Rentenkosten

Wo das Eintrittsalter steigt, kann natürlich auch die Summe der Renten nicht mehr gehalten werden. Schon heute fürchten sich viele vor Altersarmut – bei einem noch gemäßigten Renteneinstiegsalter. Doch weil Deutschland immer älter wird und gleichzeitig so wenige Kinder geboren werden, steigt gleichsam die Summe der Abschläge, die Berufstätige für die Rente aufwenden müssen und es sinkt trotzdem die Geldmenge, die für die Renten zur Verfügung steht.

  • 2010 betrug der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung 19,9% und eine „Bruttostandardrente“ belief sich auf 1224 Euro
  • 2020 wird der Satz 20,4% betragen – dafür gibt es 1680 Euro
  • 2029 müssen Arbeitnehmer 21,5% des Gehalts an die GRV abgeben – damit die Rentner in jenem Jahr 1824 Euro bekommen

Allerdings: Dieser Plan funktioniert nur, wenn die Verteilung von Rentnern und Beitragszahlern gleich bleibt. Schon ein weiterer Geburtenrückgang oder eine Erhöhung der Rentnerzahlen zerlegt das Konstrukt – abgesehen davon, dass die Beiträge nicht unendlich lange steigen können.

Ergo: Mit ziemlicher Sicherheit werden wir künftig mehr bezahlen müssen und dennoch weniger Rente bekommen.

3. Die Pflege

Die Pflege wird schon heute überbeansprucht– allerdings noch „nur“ aus Personalmangel. Doch was in 20, 30 Jahren noch hinzukommt, wird dieses heutige Problem sehr harmlos aussehen lassen. Denn es ist zwar Fakt, dass die Lebenserwartung tatsächlich steigt – ebenso Fakt ist aber auch, dass die Pflegewahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter ebenfalls steigt. Je älter wir werden, desto mehr Pflegefälle wird es geben.

Die Folgen sind dann eine explosive Mischung aus heutigen Realitäten und denen der Zukunft:

  • Es kommen mehr Pflegefälle hinzu
  • Es leben weniger junge Menschen durch den Geburtenrückgang
  • Weniger Personal steht für die Pflege zur Verfügung
  • Die Kosten für die vermehrten Pflegefälle müssen durch weniger Beitragszahler getragen werden

4. Die Technik

Gehören Sie zur Gruppe von Menschen, die von ihren Rentner-Eltern gerufen wird, wenn an TV und Co. etwas nicht so läuft wie es soll? Keine Sorge, das wird sich, wenn wir zur Rentengeneration gehören, ziemlich durchgreifend geändert haben. Denn: Auch wenn die Werber sich noch hauptsächlich mit den 14- bis 49-jährigen befassen, bei den Herstellern geht es fixer. Noch ist die Liste wirklich seniorenfreundlicher Produkte zwar überschaubar, das wird sich in absehbarer Zeit aber ändern. Und dies aus mehreren Gründen:

  1. Wenn es mehr Rentner (im Vergleich zum restlichen Bevölkerungsalter) gibt, lohnt es sich für die Hersteller, mehr in spezialisierte Produkte zu investieren.
  2. Die heutige Generation junger Erwachsener ist von klein auf mit digitaler Elektronik aufgewachsen, sodass ein generell besseres Grundverständnis vorliegt
  3. Die Anwendungsbereiche verästeln sich immer weiter, Handys tätigen nicht nur Anrufe, sondern können beispielsweise im Smart-Home sogar die Heizungssteuerung übernehmen. Das macht es sowieso nötig, die Bedienung zu vereinfachen, damit auch Nicht-Ingenieure sie verstehen

Summa summarum ist es also wahrscheinlich, dass der Rentner des Jahres 2046 nicht zwingend den Enkel rufen muss, wenn er an seinem Fernseher einen Sendersuchlauf starten will, sondern sich einfach durch ein verhältnismäßig leicht verständliches Menü klicken kann.

Dabei muss aber auch wieder auf den Arbeitsmarkt geblickt werden. Denn: Wo es notwendig ist, jenseits der 69 noch zu arbeiten, müssen diese Leistungen auch erbracht werden können – ein 70-jähriger Maurer? Undenkbar – zumindest ohne technische Hilfen. Also wird es auch in diesem Gebiet eine technische Revolution geben müssen. Noch sind solche angetriebenen Exoskelette, die den Körper nicht nur stützen, sondern ihm auch Kraft verleihen, ein Fall für Uni-Labore und vor allem für den Soldaten der Zukunft sowie Querschnittsgelähmte gedacht. In 20 Jahren könnten sie jedoch ein gewohntes Bild sein: Am Körper von Altenpflegern, die damit Bettlägerige hochheben, als Kraftverstärker, der einem alten Lageristen Bärenkräfte verleiht oder als Stützkorsett, das es dem zum Weiterarbeiten verpflichteten 66-jährigen Dachdecker ermöglicht, seinen Arbeitstag auch trotz Abnutzungserscheinungen durchzuhalten.

Fazit

Der demografische Wandel ist weder ein Hirngespinst noch böswillige Ausrede von Politik und Wirtschaft, um uns noch mehr auszunehmen. Er ist eine Realität, die wir alle sehr bald zu spüren bekommen werden. Jeder von uns wird künftig mehr Abgaben zahlen und sich dennoch auch privat absichern müssen. Die Herausforderungen an die Politik sind gigantisch. Aber es gibt wenigstens ein Trostpflaster: Dank der Technik werden wir längere Lebensarbeitszeiten vielleicht nicht nur mit erschöpften Körpern und müden Geistern durchstehen müssen.

Bildquellen:
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3) fotolia.com © Peter Maszlen

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