Kunststoff im Kreislauf – mit modernsten Maschinen

Interview mit Uwe Stark, Geschäftsführer der diamat Maschinenbau GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stark, als Maschinenbauunternehmen, was ist das Kerngeschäft von diamat?

Uwe Stark: Wir sind ein Maschinenbaubetrieb für kunststoffverarbeitende Unternehmen, meistens aus dem Extrusionsbereich. Unser Steckenpferd ist die Lebensmittelindustrie. Hier liegen unsere Wurzeln, und dieser Bereich macht auch heute noch unser größtes Geschäftsvolumen aus.

Wirtschaftsforum: Entwickeln Sie für Ihre Kunden individuelle Lösungen oder gibt es Standardmaschinen?

Uwe Stark: Mit 50 Mitarbeitern haben wir eine überschaubare Unternehmensgröße, die es uns ermöglicht, individuell auf Kundenwünsche einzugehen. Hier punkten wir gegenüber größeren Anbietern. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel eine sehr spezielle Anlage für Müllermilch entwickelt und gefertigt. Grundsätzlich sind bei uns Extrusionsanlagen für Flachfolien, mit denen Folien-Halbzeuge für das Thermo-Formen hergestellt werden, das Thema.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie diamat am Markt, im Vergleich zu anderen Anbietern?

Uwe Stark: Wir agieren in einer Nische, aber hier sind wir technologisch mit führend. Viele unserer Wettbewerber sind deutlich größer als wir. Tatsächlich aber haben wir in der Vergangenheit unsere Leistungsstärke kaum kommuniziert. Das werden wir in Zukunft ändern.

Wirtschaftsforum: Inwieweit ist die Digitalisierung ein Treiber für neue Entwicklungen und Innovationen bei diamat?

Uwe Stark: Wir haben die ruhigen Zeiten während der Pandemie genutzt, um unsere Digitalisierung konsequent voranzutreiben. Alle unsere Maschinen sind jetzt fernwartungsfähig und ermöglichen einen Remote-Zugriff bis auf die Sensor-Ebene. Auch digitale Diagnostik und somit auch Predictive Maintenance sind möglich. Wir können also schneller unterstützen und müssen auch weniger Reisen. Alle unsere Lösungen sind mit Standard Hard- & Software realisiert, keine proprietären Lösungen, das heißt, der Zugang und die Wartung für unsere Kunden sind einfach.

Wirtschaftsforum: Da Sie die kunststoffverarbeitende Branche fokussieren, welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Ihre Kunden und auch für diamat?

Uwe Stark: Rund um das Thema Nachhaltigkeit gibt es noch viel Nachhol- und Aufklärungsbedarf. Kunststoff ist auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten eine geeignete Verpackung, wenn man das Material artgerecht einsammelt und in einem Kreislauf hält. Gerade aus dem Food-Bereich ist Kunststoff, auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten, nicht wegzudenken. Für die Herstellung von Alternativverpackungen, zum Beispiel aus Metall oder Glas, braucht man ein Vielfaches an Energie. Zudem sind die Materialien schwerer, sodass sich die Transportkosten erhöhen. Papier ist zurzeit als Verpackungsmaterial in aller Munde, aber auch hier haben wir einen ökologischen Impact. Man muss Wälder abholzen und verbraucht viel Wasser. Wenn wir unseren Lebensstandard auch in Zukunft beibehalten wollen, ist eine Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff ein wichtiger Beitrag. Als Unternehmen sehen wir uns selbstverständlich auch in der Verantwortung, unseren Beitrag zu einer gesunden Umwelt zu leisten. Wir sind im Zuge der Energiekrise von Gas auf Fernwärme von einer benachbarten Biogas-Anlage umgestiegen.

Wirtschaftsforum: In welchen Ländern und Regionen sind Sie tätig?

Uwe Stark: Europa macht rund 30% unseres gesamten Geschäfts aus. Weitere 30% entfallen auf Nord-Amerika, USA und Mexico – vor allem das Thema Recycling nimmt hier Fahrt auf. Rund 20 bis 30% erwirtschaften wir in Südostasien und Lateinamerika. Hier sehen wir vielversprechende Wachstumsperspektiven, die Bevölkerung wächst und ihr Wohlstand nimmt zu.

Wirtschaftsforum: Was steht auf Ihrer Agenda 2023?

Uwe Stark: Wir möchten all das, was wir in den letzten Jahren entwickelt haben, vor allem die technischen Lösungen, gut im Markt platzieren und auch kommunizieren. Dazu werden wir konsequent an unserer Sichtbarkeit arbeiten. Darüber hinaus werden wir sehr genau unsere Wachstumspotenziale ausloten. Wir sind seit fast 50 Jahren am Markt und haben schon verschiedene Krisen überlebt. • Wir sind gut aufgestellt und freuen und darüber, was wir bislang erreicht haben. Für die Zukunft setzen wir weiterhin auf stetiges und solides Wachstum im Rahmen unserer Möglichkeiten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wie Unternehmen Millionen-Investitionen virtuell testen, bevor ein Cent verbaut wird

Wie Unternehmen Millionen-Investitionen virtuell testen, bevor ein Cent verbaut wird

Zwischen einer viralen CGI-Kampagne und einer neuen Fabrikhalle liegt auf den ersten Blick wenig Gemeinsames, tatsächlich folgen beide demselben wirtschaftlichen Prinzip. Immer mehr Unternehmen validieren Ideen heute vollständig virtuell, mit…

Wertschutz im Mittelstand — warum Unternehmen ihre physische Sicherheitsinfrastruktur hinterfragen sollten

Wertschutz im Mittelstand — warum Unternehmen ihre physische Sicherheitsinfrastruktur hinterfragen sollten

Mittelständische Unternehmen bewegen sich in einem regulatorischen Umfeld, das hohe Ansprüche an die Verwahrung sensibler Werte und Dokumente stellt. Bargeldbestände im Einzelhandel, Prototypen in der Fertigung, Personalakten in der Verwaltung,…

Traditionelle Wege zur Kundenbindung und Kundengewinnung

Traditionelle Wege zur Kundenbindung und Kundengewinnung

Zwischen KI-generierten Anzeigen und schnell wechselnden Social-Media-Trends wirken klassische Marketinginstrumente beinahe altmodisch. Genau darin liegt ihre Stärke. Ein persönliches Gespräch erreicht Menschen ohne Algorithmus, ein Brief landet sichtbar auf dem…

Aktuellste Interviews

„Meine Devise? Nicht meckern, sondern Lösungen finden!“

Interview mit Holger Vogel, Geschäftsführer der SUC Sächsische Umweltschutz-Consulting GmbH

„Meine Devise? Nicht meckern, sondern Lösungen finden!“

Verwertung, Entsorgung, Verantwortung: Mit diesem Dreiklang tritt SUC seit über drei Jahrzehnten als Spezialist für Industrieabfälle im mitteldeutschen Raum auf. Im Interview mit Wirtschaftsforum verriet Geschäftsführer Holger Vogel, warum er…

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Interview mit Bernd Eulitz, Geschäftsführer der Hotel Semlin GmbH

Zwischen Golf, Gastlichkeit und Zukunftssicherung

Golf, Hotel, Gastronomie und Naturerlebnis greifen in Semlin seit Jahrzehnten ineinander. Aus dem ersten Golfplatz Brandenburgs entwickelte sich eine weitläufige Anlage mit Hotel, mehreren Golfplätzen und rund 1.400 Mitgliedern. Geschäftsführer…

TOP