Zukunftsinvestitionen statt Festgeldanlage: Die Lehren aus dem Greensill-Crash

Interview mit Dirk Oliver Haller, CEO der DFT Deutsche Finetrading AG

Interne Investition in eigene Wachstumswerte als Alternative zur Geldanlage?

Die betroffenen deutschen Gemeinden hatten ihre Mittel bei Greensill für einen geringfügig über dem Marktzins liegenden Zinssatz angelegt und sind dabei ein gefährliches, jetzt eingetretenes Risiko eingegangen. Und das obwohl es an Investitionsprojekten, für die das Geld hätte verwendet werden können, nie mangelte.

Für Unternehmen mit Eigenkapitalreserven stellt sich die Ausgangslage ähnlich dar. Dass Investitions- und Umstrukturierungsbedarf besteht, hat die Corona-Krise gezeigt. Im Produktionsgewerbe etwa mit seinen ausgedehnten Supply-Chains und Just-In-Time-Absprachen haben die staatlichen Infektionsschutzmaßnahmen zu Lieferengpässen und empfindlichen Umsatzeinbußen geführt.

Als präventives Gegenmittel wird für die Zukunft eine Aufstockung der Warenlager und die Diversifizierung von Partnerschaften diskutiert. Und natürlich steht nach wie vor das Thema Digitalisierung als weiteres finanzierungsintensives Zukunftsprojekt auf der Agenda vieler Betriebe. Sollten vor diesem Hintergrund nicht den internen Investitionen der Vorrang vor Festgeldanlagen bei Banken mit undurchsichtigen Geschäftsmodellen wie der Greensill Capital eingeräumt werden? Blickt man auf den niedrigen Marktzins und auf die Vorkommnisse rund um die Greensill Bank, lautet die Antwort: Ja.

Tagesgeschäft und Zukunftsinvestitionen: Neue Finanzierungsinstrumente versprechen Handlungsspielräume

Doch lassen sich Zukunftsprojekte überhaupt in Krisenzeiten wie von Corona langfristig und konstant verfolgen? Vielen kleinen und mittleren Unternehmen fehlt dafür schlicht die Sicherheit im Tagesgeschäft, um eine auf lange Zeit angelegte Umstrukturierung durchzuhalten.

Abhilfe verspricht ein Finanzierungskonzept namens Finetrading. Dabei tritt ein Finanzierungsdienstleister als Zwischenhändler in die Lieferkette zwischen Lieferant und Abnehmer. Der Abnehmer engagiert den Finetrader, der für diesen dann den Warenpreis umgehend begleicht. Das verlängerte Zahlungsziel für den Abnehmer ermöglicht diesem mit neuem Warenumsatz die Vorfinanzierung später zu begleichen. „Das geht bereits zu geringen Gebühren, teilweise zur Null-Finanzierung“, erklärt Dirk Oliver Haller, Geschäftsführer der Deutschen Finetrading AG. Grund ist der Skonto-Rabatt, der durch die schnelle Forderungsablösung entsteht.

Wer in turbulenten Zeiten trotzdem für die Zukunft planen will ohne auf vermeintlich profitable Festgeldanlagen wie bei der Greensill Bank zurückzugreifen, dem könnten die neuen Financing-Instrumente weiterhelfen.

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