„Der Wasserstoffmotor sichert eine wichtige Technologieführerschaft!“

Interview mit Thomas Korn, Geschäftsführer der Keyou GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Korn, mit Ihrem Unternehmen Keyou setzen Sie ganz auf den Wasserstoffmotor als Antriebstechnik der Zukunft – im Gegensatz zur Elektrifizierung und zur Brennstoffzelle, die heute in aller Munde sind.

Thomas Korn: Wir werden in Zukunft all diese Ansätze benötigen, denn das mehrgliedrige Energiesystem wird uns allein aus einer physikalischen Notwendigkeit heraus auch in der Zukunft erhalten bleiben. Die Energiegewinnung aus Erdgas und ölbasierten Kraft- und Brennstoffen ist schließlich überhaupt erst entstanden, weil die elektrische Energie keine ausreichende Speicherdichte aufweist, um in sämtlichen erforderlichen Anwendungsfeldern effizient eingesetzt werden zu können. Auch heute ist die elektrische Infrastruktur nahezu ausschließlich auf die Verteilung der erzeugten Energie und nicht auf ihre Speicherung ausgelegt. Deshalb muss im Hinblick auf viele Einsatzzwecke aus den Elektronen dann Wasserstoff erzeugt werden, der eine um den Faktor 15 höhere Energiespeicherdichte aufweist, woraus sich ein viel effizienteres System ergibt, das sich dann auch auf die Kostenstruktur durchschlägt. Für einen PKW im Stadtverkehr wird der Elektromotor bestimmt das Mittel der Wahl bleiben. Wenn jedoch erst einmal eine umfangreiche Skalierung der Wasserstofftechnologie erfolgt, wird sie im Nutzfahrzeug- und Schwerlastbereich aber ungefähr viermal weniger kosten als elektrische Energie. Den Rest erledigen dann die Gesetze des Marktes.

Wirtschaftsforum: Und wo liegen die Vorteile des Wasserstoffmotors im Vergleich zur Brennstoffzelle?

Thomas Korn: Die Brennstoffzelle ist eine hochinteressante Technologie, die sich jedoch noch in einer relativ frühen Entwicklungsphase befindet. Gleichzeitig wird auch unsere bestehende Infrastruktur nicht von heute auf morgen verschwinden – und die ist voll und ganz auf den Verbrennungsmotor ausgelegt. Noch immer rollen jedes Jahr etwa 70 Millionen Fahrzeuge mit Benzin- und Dieselantrieb vom Band, während laut der europäischen CO2-Gesetzgebung ab dem Jahr 2030 20% der verkauften Nutzfahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien ausgestattet sein müssen – das bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass auch ab 2030 noch 80% und damit die weit überwiegende Mehrheit der verkauften LKW einen Dieselantrieb aufweisen wird. Diese Fahrzeuge werden deshalb noch über Jahrzehnte hinweg unseren Straßenverkehr prägen. Als wir 2015 Keyou gegründet haben, war unsere Mission von Anfang an klar: Wir müssen eine Wasserstofflösung auf den Markt bringen, die so nahe wie möglich an die Infrastruktur angelegt ist, die wir heute schon kennen.

Wirtschaftsforum: Wo genau kommt Ihr Unternehmen schließlich ins Spiel?

Thomas Korn: Keyou setzt an zwei neuralgischen Stellen an: Zum einen haben wir ein Umrüstsystem für Dieselfahrzeuge entwickelt, mit dem sich die bestehende Flotte mit überschaubarem Aufwand für einen Wasserstoffantrieb ertüchtigen lässt. Dabei verändern wir den Motor nur zu ca. 15-20%, während die weiteren Komponenten des Fahrzeugs wie das Getriebe problemlos weiterverwendet werden können. Bei den verbauten Wasserstoffspeichern setzen wir bereits etablierte Modelle von bestehenden Produktlieferanten ein, entwickeln jedoch zusammen mit einem anderen Start-up gerade auch eine eigene Lösung, die wir in zwei bis drei Jahren im Markt anbieten möchten. Neben unseren Ingenieurdienstleistungen etablieren wir uns zudem als Mobility-as-a-Service-Anbieter. Dabei kaufen wir Dieselfahrzeuge ein, rüsten sie mit unserer Technologie um und vermieten sie dann an Betreiber von LKW-Flotten, denen wir durch einen Kraftstoffpartner zusätzlich den Wasserstoff sowie alle weiteren anfallenden Leistungen wie etwa die benötigte Versicherung anbieten können. Denn am Ende des Tages will der Kunde ja nicht primär den Wasserstoff oder überhaupt ein Fahrzeug, sondern schlicht und einfach eine nachhaltige Lösung seines Transportproblems – und das ist eben ein Dienstleistungsgeschäft.

Wirtschaftsforum: Wie soll dabei in absehbarer Zeit eine hinreichend breit verfügbare Infrastruktur etabliert werden, um all diese wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge mit Energie zu versorgen?

Thomas Korn: Das ist die alte Frage nach der Henne und dem Ei – und dieses Problem kann man nur gemeinsam lösen. Nutzfahrzeugflotten, die sich von Depot zu Depot bewegen, stellen dabei eine verlässliche und planbare Einnahmequelle für Betreiber von Wasserstofftankstellen dar, die vor diesem Hintergrund bereits mit wirtschaftlich einträglichen Volumina kalkulieren können. Die Wasserstoffproduktion an sich kommt ebenfalls gut voran, weil in diesem Markt bereits ein hoher Wettbewerbsdruck herrscht – nicht nur zwischen einzelnen Unternehmen, sondern auch zwischen China, den USA und der Europäischen Union. Denn alle wissen: Das Land, das diese Infrastruktur am schnellsten aufbauen und bereitstellen kann, wird in vielen Industrien eine wertvolle Technologieführerschaft entwickeln können. Deshalb ist gerade in Europa eine politische Förderung des Wasserstoffmotors so wichtig – schließlich verfügt keine andere Weltregion in puncto Expertise und Erfahrung über eine ähnlich gute Ausgangsbasis bei dieser Technologie.

Keyou GmbH
Arnulfstraße 60
80335 München
Deutschland
+49 89 69314840
info(at)keyou.de
www.keyou.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany

Datensouveränität-as-a-Service für KRITIS - made in Germany

Anhand eines realen Recovery-Falls zeigt der Vortrag, was cyberresiliente, souveräne Backups in der Praxis für kritische Infrastrukturen 2026 leisten müssen – jenseits von NIS2-Compliance-Tabellen und den typischen Herausforderungen, die sich…

IBM Storage Defender 2.2.0

IBM Storage Defender 2.2.0

Von der Vision zur operationalen Cyber Recovery – Strategien für resiliente IT-Infrastrukturen 2026…

Welches IT-Kooperationsmodell entlastet am wirksamsten?

Welches IT-Kooperationsmodell entlastet am wirksamsten?

Nicht nur die Wahl des richtigen IT-Partners ist entscheidend, sondern auch das Modell der Zusammenarbeit. Denn oft geht es längst nicht mehr nur darum, kurzzeitig zusätzliche Unterstützung hinzuzuholen oder das…

Aktuellste Interviews

„95% der Fehler liegen nicht im Produkt – sondern im fehlenden Wissen“

Interview mit Michael Windecker, Geschäftsführer der DEKA Kleben & Dichten GmbH

„95% der Fehler liegen nicht im Produkt – sondern im fehlenden Wissen“

Wer an Klebstoffe denkt, denkt selten an Wissenstransfer. Für Michael Windecker gehört beides untrennbar zusammen. Der Geschäftsführer der DEKA Kleben & Dichten GmbH beschäftigt sich seit fast drei Jahrzehnten mit…

Energiekonzepte mit Langzeitwirkung

Interview mit Jürgen Gölz, Geschäftsführer der e3 Energieanlagen GmbH

Energiekonzepte mit Langzeitwirkung

Die Wärmeversorgung der Zukunft entsteht nicht in großen Kraftwerken, sondern zunehmend vor Ort. Die e3 Energieanlagen GmbH entwickelt und betreibt dezentrale Wärmenetze, die erneuerbare Energien, regionale Wertschöpfung und moderne Technik…

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Interview mit Jean Huby, CEO der Ocean Breeze Energy GmbH & Co. KG

Küstenwinde in Klimavorteile verwandeln

Der Betrieb des ersten kommerziellen Offshore-Windparks Deutschlands erforderte weit mehr als nur technisches Know-how: Gefragt waren und sind Einfallsreichtum, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, traditionelle Rollen in der Branche neu zu…

TOP