Der Mittelstand steht unter Druck: Wie steigende Betriebskosten Investitionen bremsen

Steigende Energiepreise als Dauerthema

Energie zählt zu den größten Kostentreibern in der deutschen Wirtschaft. Industrie und Dienstleistungsunternehmen stehen dabei besonders unter Druck. Zwar entspannen sich die Großhandelsmärkte gerade, doch die Endkundenpreise bleiben mit Netzentgelten und Abgaben hoch. Unternehmen müssen langfristige Strategien entwickeln, wenn sie in diesem hart umkämpften Wettbewerb weiter betriebsfähig sein wollen. Nur wer kann, investiert in erneuerbare Energieversorgung und Energiesysteme wie Photovoltaik und Wärmepumpen. Denn diese Systeme haben oft hohe Anfangskosten, die sich viele Unternehmen nicht leisten können.

Lohnkosten und Arbeitskräftemangel verschärfen die Situation

Hinzu kommt der Arbeitskräftemangel, der schon seit einiger Zeit in aller Munde ist und besonders das Handwerk, die Logistik und die Dienstleistungen auf die Probe stellt. Um überhaupt an Personal zu gelangen, zahlen Arbeitgeber höhere Löhne, und auch gesetzliche Anpassungen erhöhen die Fixkosten deutlich. Unternehmen brauchen qualifizierte Mitarbeiter, können sie jedoch kaum finanzieren. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Gebäudereinigung. Die Gebäudereinigung in Essen, Hamburg, Köln und weiteren wichtigen deutschen Wirtschaftsstädten verrichtet eine essentielle Arbeit. Doch ihr Personal macht einen erheblichen Anteil der Gesamtkosten aus, weshalb sie unmittelbar vom Arbeitskräftemangel beeinflusst ist. Und viele dieser Firmen sind Teil des Mittelstands.

Material- und Beschaffungskosten bleiben volatil

Ob sich die weltweiten Lieferketten stabilisieren oder nicht, die Preise bleiben auf hohem Niveau. Rohstoffe, Baustoffe, Verpackungen, Chemikalien und IT-Hardware sind davon betroffen – also all die Elemente, die einen Mittelständler um seinen Profit bringen können, wenn sich ihre Kosten erhöhen. Die Volatilität selbst erschwert die Budgetplanung enorm, denn die Unternehmen müssen stets damit rechnen, dass die eigentlichen Preise vom einen Monat zum nächsten steigen. In Folge kalkulieren sie konservativer, kaufen nur das ein, was tatsächlich benötigt wird oder halten Rohstoffe länger im Lager. Beides bindet Kapital und sorgt für enorme Schwierigkeiten für die Mittelständler.

Hoffnung für die deutsche Wirtschaft

All diese Umstände gefährden ihre Wettbewerbsfähigkeit und führen – aufgrund verzögerter Investitionen – zu technologischen Rückständen. Sie sparen an Digitalisierung, Energieeffizienz und Automatisierung. Also genau an den zentralen Wettbewerbsfaktoren, die ihre Zukunft garantieren sollten. Was der Mittelstand braucht, sind langfristige Perspektiven, durch die sie neue Planungssicherheit gewinnen, sodass sie ihre Transformation fortführen und sich im Wettbewerb weiter durchsetzen können. Gleichzeitig zeigt sich allerdings, dass viele der Mittelständler trotz der prekären Lage bereit sind, strategisch weiter zu investieren und sich trotz der Umstände durchzusetzen. Sie sind schließlich ein anpassungsfähiger Teil der deutschen Wirtschaft und könnten letztlich sogar dazu beitragen, die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland neu zu beleben.

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