Der Dachstein ruft

Interview mit Rupert Schiefer, Vorstand und Geschäftsführer Bergbahnen Dachstein Salzkammergut

Wirtschaftsforum: Herr Schiefer, Sie sind seit zwei Jahren Vorstand der Dachstein Tourismus AG und Geschäftsführer der OÖ Seilbahnholding GmbH. Wo lag der besondere Reiz der neuen Tätigkeit?

Rupert Schiefer: Ich bin als Quereinsteiger in die Seilbahnenholding gekommen, habe vorher unter anderem für eine international tätige Gruppe im Bereich Sportartikel sowie für eine Baufirma gearbeitet. Heute schätze ich es, als begeisterter Skifahrer regelmäßig auf einem der sechs Berge im Dachstein-Gebirge unterwegs zu sein. Weil Bad Ischl Salzkammergut 2024 europäische Kulturhauptstadt wird, sind hunderte verschiedener Projekte in Planung, an denen wir intensiv mitarbeiten. Das ist ein Grund, warum wir uns entschieden haben, die Dachmarke Bergbahnen Dachstein Salzkammergut zu gründen.

Wirtschaftsforum: Wie kam es zu dem Namen?

Rupert Schiefer: Der Dachstein ist einer der fünf bekanntesten Berge Europas und das Salzkammergut hat internationale Strahlkraft. Der Name ist eine klare Zuspitzung unseres Themas. Gleichzeitig ist damit eine starke Fokussierung auf den Dienstleistungsgedanken verbunden. Wir wollen 365 Tage im Jahr für unsere Gäste da sein und betreiben für sie um die 50 Bahnen.

Wirtschaftsforum: Was genau verbirgt sich hinter dieser Dachmarke?

Rupert Schiefer: Die Marke umfasst die Marken Dachstein West, Dachstein Krippenstein, Feuerkogel und Grünberg. Dachstein West steht für die Skigebiete Annaberg, Rußbach und Gosau, Dachstein Krippenstein für die Gemeinde Obertraun. Jeder Ort, jede Region und jeder Berg bietet spezielle Attraktionen. Am Krippenstein gibt es zum Beispiel die Dachstein Eishöhle, für die wir Abenteuerführungen anbieten, sowie die spektakuläre 5fingers Aussichtsplattform mit fünf Stegen, die wie eine Hand in einen über 400 m tiefen Abgrund ragt und einen einzigartigen Blick auf den Hallstätter See und in das Salzkammergut bietet. Der Krippenstein ist nur fünf Kilometer von Hallstatt entfernt, das von Gästen aus aller Welt, vor allem von Chinesen, besucht wird; in China wurde Hallstatt sogar nachgebaut. Der Grünberg begeistert mit einem spannenden Baumwipfelpfad und verschiedensten Ausflugsmöglichkeiten für Sommergäste; am Feuerkogel gibt es eine Wetterstation. Unsere Aufgabe ist es, uns auf die Bedürfnisse der Gäste einzustellen; das spiegelt sich zum Beispiel im gastronomischen Angebot wider. Dachstein West begeistert ambitionierte Kletterer mit dem Klettersteig ‚Himmelsleiter‘; zudem ist es ein beliebter Fotopoint. Auch wenn jeder Ort einen anderen Schwerpunkt hat, steht der respektvolle Umgang mit der Natur immer im Vordergrund. Auf dem Baumwipfelpfad gibt es zum Beispiel einen Turm, der komplett aus Holz gefertigt ist und sich so harmonisch in die Umgebung einfügt.

Wirtschaftsforum: Wieviel Mitarbeiter stehen hinter diesen vielfältigen Angeboten?

Rupert Schiefer: Im Winter beschäftigen wir 320 Mitarbeiter, im Sommer 240. Der Umsatz der drei Gesellschaften liegt bei 30 Millionen EUR, 55% entfallen auf den Winter, 45% auf den Sommer. Damit haben wir eine gute Balance.

Wirtschaftsforum: Ist diese Balance von Sommer und Winter ein besonderes Charakteristikum des Unternehmens?

Rupert Schiefer: Ja. Und sie ist das Resultat eines neuen mindsets. Wir wollen 365 Tage im Jahr für die Gäste da sein; jeden Tag ist irgendeine Bahn geöffnet, was einzigartig ist. Diese strikte Dienstleistungsorientierung und der Fokus auf den Ganzjahrestourismus sind fest in unserer Philosophie verankert. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir die Organisationsstruktur komplett neu gestaltet. In der Vergangenheit waren Bahnen eher technisch orientiert; von dieser Ausrichtung sind wir inzwischen abgerückt. Heute gibt es neben dem Vorstand den operations Bereich, Vertrieb, Marketing, HR, Finanzen und IT; letztere wird immer wichtiger. Wir wollen Vorreiter für eine digitale Kundenjourney werden und die Digitalisierung forcieren. Ich persönlich definiere mich weniger über modernste Technik als über Kundenzufriedenheit, Convenience und Freundlichkeit. Wir rangieren heute unter den 30 größten Bergbahnen Österreichs und möchten eine der zehn größten Sommerbergbahnen werden. Um das zu erreichen, gibt es viele spannende Ideen und Ansätze, die vorangetrieben werden müssen. Neben der neuen Dachmarke haben wir neue Tickets eingeführt und den Dachstein plus Club gegründet, deren Mitglieder in den Genuss besonders attraktiver Angebote kommen und von uns betreut werden. Nicht zuletzt gibt es eine neue, kundenfreundlich gestaltete Website.

Wirtschaftsforum: Auch wenn immer mehr Sommergäste die Region für sich entdecken, spielt der Skitourismus nach wie vor eine große Rolle. Hat der Klimawandel Auswirkungen auf den Tourismusbetrieb?

Rupert Schiefer: Wir spüren den Klimawandel. Naturschnee wird in Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr sein, deshalb müssen Alternativen geschaffen werden. Für die Beschneiung benötigen wir nur kühlere Temperaturen und Wasser. Neben dem klassischen Skifahren kann man Schneeschuhwandern oder Winterwandern. Im Sommer gibt es stürmischere Winde, die kurzfristiger kommen. Darauf reagieren wir sehr früh, weil Sicherheit am Berg das A und O ist. Uns geht es um das Gesamterlebnis Berg und um Nachhaltigkeit. Als Schnittstelle zur Natur haben wir eine große Verantwortung und versuchen eine gewisse Lenkung der Tourismusströme vorzunehmen, um die Natur zu schützen.

OÖ Seilbahnholding GmbH
Toscanapark 6
4810 Gmunden
Österreich
+43 50 140
info(at)bbds.at
www.bbds.at

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