Das einzige Bier, das ein Geräusch macht

Interview mit Jörn Schumann, Geschäftsführer Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG

Flensburger ist die nördlichsten Brauerei Deutschlands und Heimat der legendären Bügelverschlussflasche. Seit 1888 wird im Norden Schleswig-Holsteins an der deutsch-dänischen Grenze Bier gebraut. In all dieser Zeit sei man stets dem Bügelverschluss treu geblieben, wie Jörn Schumann, seit 2021 Geschäftsführer bei der Flensburger Brauerei, erklärt: „Wir sind die einzigen, die immer den Bügelverschluss als einzigen Verschluss hatten. Es galt immer die Devise: Für Kronkorken haben wir kein Geld.“ Untrennbar verbunden mit dem Bügelverschluss ist das charakteristische Plop beim Öffnen der Flasche. „Das ist fest in den Köpfen verankert, jeder TV-Spot beginnt und endet mit dem Plop.“

Für jeden etwas dabei

In den 1980er-Jahren hat sich Flensburger von einer bis dahin reinen Pilsbrauerei zu einer Dachmarke für vielfältige Biere aus dem Norden entwickelt. „Wir haben 14 verschiedene Sorten, da ist für fast jeden etwas dabei“, erläutert Jörn Schumann. Die Flens- Familie reicht von Klassikern für Traditionsbewusste, wie Flensburger Pilsener, Edles Helles oder Kellerbier, über alkoholfreie Biere für Freiheitsbewusste bis hin zu Besonderheiten für Individualisten, wie aktuell den Flensburger Frühlingsbock Mega-Plop in der 2-Liter-Flasche oder den aus den Werner-Comics bekannten Bölkstoff.

„Bölkstoff hat Kultstatus, seit dem Wettrennen zwischen Werner auf dem Motorrad und Holgi mit seinem Porsche“, so Jörn Schumann. „Das hat unserer Marke zu noch mehr Sichtbarkeit verholfen.“ Der Bestseller im Flens-Sortiment sei aber immer noch Pilsener, gefolgt von Gold, Edlem Hellen und alkoholfreiem Bier. „Die vier Sorten machen 80% des Umsatzes aus.“ Ganz neu in der Flens-Familie ist das Flensburger Strand-Lager, eine helle, ursprüngliche und naturtrübe Bierspezialität, gebraut mit Küstengerste von regionalen Landwirten und zugleich besonders kräftig und besonders mild. Abgesehen von Radler mit Zitronenlimonade mache man eher wenig im Bereich Mischgetränke. „Wir bleiben der Küste treu, da passt kein Mango“, erklärt Jörn Schumann.

Sturmerprobt und zukunftsfest

Während der Coronapandemie habe man Umsatzrückgänge verzeichnet, aber nicht so stark wie andere Brauereien. „Corona war ein Desaster für den Biermarkt“, so Jörn Schumann. „Im Vergleich zu vielen anderen Brauereien haben wir darunter aber nur begrenzt gelitten, da wir nur einen überschaubaren Gastro-Anteil haben.“ Letztes Jahr habe der Biermarkt rund 5% Volumen verloren, aber dies sei ein Prozess, der seit 20 Jahren anhält. „Der Markt verliert jedes Jahr Volumen“, erläutert Jörn Schumann. „Wir gucken kritisch auf das Jahr, aber das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass wir uns für die Zukunft aufstellen. Wir leben im Norden, und wir haben Sturm. Die Frage ist, wer am besten mit dem Sturm umgehen kann.“

Dass Flensburger so gut in stürmischen Zeiten bestehen kann, hängt auch mit der hohen Identifikation der Mitarbeiter mit der Kultbrauerei zusammen. „Ich habe noch nie eine Firma erlebt, wo Leute so ungefragt Flens-Klamotten tragen“, so Jörn Schumann. „Die meisten arbeiten hier mit Stolz und sehr viel Herzblut.“ Flensburger beschäftigt 250 Mitarbeiter und hat im vergangenen Jahr 580.000 hl Bier produziert. „Wir sind eine Mittelstandsbrauerei, der Scheinriese unter den Brauereien, national bekannt, aber fest im Norden verwurzelt“, beschreibt Jörn Schumann die Marktposition von Flensburger. Entsprechend der langen Tradition der Familienbrauerei lege man viel Wert auf Nachhaltigkeit. So nutze man fast ausschließlich Mehrweg-Flaschen, beziehe die Gerste aus regionalem Anbau und verfüge über eine eigene Gletscherquelle. „Wir sind aktuell dabei, die gesamte Brauerei auf erneuerbare Energien umzustellen, mit Photovoltaik“, so Jörn Schumann.

Auch außerhalb des eigenen Betriebs setzt sich Flensburger für nachhaltiges Handeln und aktiven Umweltschutz ein. „Seit 2017 sorgen wir mit der FLENS StrandGut-Aktion für saubere Strände in Schleswig-Holstein“, erklärt Jörn Schumann. „Für jede Flasche Flens, die verkauft wird, machen wir 1 m2 Strand sauber. 2023 haben wir so 60 Millionen Quadratmeter Strand aufgeräumt.“ Das aber vielleicht nachhaltigste Element ist der Bügelverschluss. „Wir haben keine Kronkorken, die die Umwelt belasten könnten“, sagt Jörn Schumann.

Ausbau des Exports

Derzeit exportiert Flensburger erst 5% ins Ausland, vor allem nach Italien, Großbritannien, Tschechien, in die USA sowie nach China. „Wir wollen weiter internationalisieren“, so Jörn Schumann. Gleichzeitig wolle man das neue Strand-Lager pushen und die Energiekosten noch mehr in den Blick nehmen. Außerdem befinde man sich in einem Strategieprozess für die kommenden sieben Jahre. „Da geht es um Grundsatzfragen, also bleiben wir Brauer oder machen wir in Zukunft auch Themen rechts und links“, erläutert Jörn Schumann.

 

Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH & Co. KG
Munketoft 12
24937 Flensburg
Deutschland
+49 461 8630
info@flens.de
www.flens.de

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