Transparenz und Verlässlichkeit in digitaler Logistik

Interview mit Fabian Bielefeld, Geschäftsführer der TIS Technische Informationssysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bielefeld, wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Fabian Bielefeld: Die TIS GmbH wurde 1985 von meinem Vater gegründet. In den frühen 1990er-Jahren arbeiteten wir für Siemens und Infineon an DECT- und Bluetooth-Protokollen. 1994 stiegen wir in die Logistik ein, ausgelöst durch hohe Verlustquoten bei hochwertigen Gütern, etwa im Umfeld von Sony. Da es noch keinen Mobilfunk gab, wurden Fahrzeuge morgens per LAN mit Daten versorgt und abends über Dockingstationen ausgelesen – die frühe Kombination aus Hardware und Software prägt unseren Ansatz bis heute.

Wirtschaftsforum: Worin liegt heute Ihre Kernkompetenz?

Fabian Bielefeld: Unsere Kernkompetenz sind integrierte IT-Lösungen für Transport und Logistik aus Software, Fahrer-Apps und fahrzeugnaher Hardware. Der Fokus liegt im Führerhaus: Wir digitalisieren Lenk- und Ruhezeiten sowie Abholung und Zustellung per digitaler Unterschrift. Ergänzend analysieren wir Fahrstil, Verbrauch und Verschleiß und nutzen diese Daten gezielt für Fahrertraining, etwa zu Bremsverhalten, Ausrollen und wirtschaftlichem Fahren.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Tourenoptimierung im operativen Alltag?

Fabian Bielefeld: Tourenoptimierung unterscheidet sich klar zwischen Nah- und Fernverkehr: viele Stopps und Gebietslogiken hier, feste Zeitfenster dort. Mit einer größeren Fahrzeugflotte und dem heutigen Sendungsaufkommen ist Logistik ohne digitale Unterstützung kaum beherrschbar. ETA, Geofencing und Live-Traffic sorgen dafür, dass Disponenten nur bei relevanten Abweichungen informiert werden – etwa bei Verzögerungen mit Rückfracht-Risiko.

Wirtschaftsforum: Sie setzen auf eine modulare Plattform. Wie offen ist Ihr Ansatz?

Fabian Bielefeld: Unsere Plattform ist modular und offen und lässt sich per REST-APIs in bestehende Systemlandschaften inte­grieren – auch wenn Schnittstellen heute noch teilweise Projektaufwand bedeuten. Wir ersetzen keine Transportmanagementsysteme (davon gibt es in Deutschland über 100), sondern schließen operative Lücken. Gleichzeitig sehen wir den Trend zu integrierten Ökosystemen aus einer Hand.

Wirtschaftsforum: Wie ist TIS organisatorisch aufgestellt?

Fabian Bielefeld: Aktuell beschäftigen wir 106 Mitarbeitende; vor vier Jahren waren es rund 80, vor zwei Jahren etwa 90 – wir wachsen bewusst organisch um etwa zehn Mitarbeitende alle zwei Jahre. Seit 2016/2017 bilden wir kontinuierlich aus und beschäftigen heute rund zehn Auszubildende über drei Lehrjahre in den Berufen Industriekaufmann sowie Fach­informatiker für Systemintegration und Anwendungsentwicklung. In der Geschäftsführung verantwortet Markus Vinke die Technischen Bereiche und mit mir zusammen den Kaufmännischen Part und Strategie.

Wirtschaftsforum: Fachkräftemangel ist branchenweit ein Thema. Wie gehen Sie damit um?

Fabian Bielefeld: Wir planen bewusst mit ein bis zwei offenen Stellen. Entscheidend ist für uns Passung statt Geschwindigkeit: Stimmt der menschliche Fit nicht, stellen wir nicht ein. So vermeiden wir Fluktuation, sichern Know-how und bleiben langfristig planbar.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat künstliche Intelligenz für Ihr Unternehmen?

Fabian Bielefeld: Wir setzen seit rund einem Jahr KI gezielt in der Softwareentwicklung ein und nutzen dafür geschützte Copilot-Lösungen, damit unser Code nicht ins Web gelangt – der Mensch bleibt Pilot. Parallel investieren wir in Cybersecurity sowie ISO- und Datenschutz-Zertifizierungen.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich im aktuellen Wettbewerbsumfeld?

Fabian Bielefeld: Der Markt ist geprägt von Kapital, Konsolidierung und Übernahmen. Wir vertreten bewusst die Gegenposition: Als unabhängiges Familienunternehmen bestehen wir seit 1985 aus eigener finanzieller Kraft ohne Kredite und arbeiten ohne Investoren. Gerade große Konzerne schätzen uns als Partner auf Augenhöhe – nicht als hochgepushtes Unternehmen mit Exit-Fokus.

Wirtschaftsforum: Wohin führt die Reise – fachlich und persönlich?

Fabian Bielefeld: Produktmanagement gewinnt weiter an Bedeutung: Lösungen müssen marktfähig sein, nicht nur kunden­individuell. Fuhrparkmanagement mit zum Beispiel der Fahrzeugkostenübersicht, Lademittelmanagement für alle Ladungsträger inklusive Verlustkosten werden gezielt ausgebaut, ebenso die optimale Nutzerführung in unserer Logistik- Plattform und unseren Apps für die Transporte auf der Straße. International sehen wir Potenzial vor allem in Europa – in der Schweiz, eingeschränkt in der französischen Schweiz, in Österreich mit lokalem Fokus sowie perspektivisch in den Niederlanden. Persönlich bin ich 2010 ins Unternehmen eingestiegen, ausgebildeter Speditionskaufmann und Betriebswirt für Logistik, und habe alle Stationen bis zur Geschäftsführung durchlaufen. Mich treibt die Überzeugung an, dass Logistik Planung, Verantwortung und verlässliche Rahmenbedingungen braucht.

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