Hungry for Change vor dem Schokoladenregal
Interview mit Mathias Tholey, Geschäftsführer der the nu company GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Tholey, begonnen hat nucao mit drei Wirtschaftsingenieuren, die vor dem Schokoladenregal im Supermarkt standen und dort eine nachhaltige Konsumentscheidung treffen wollten, aber kein passendes Produkt fanden. Sie waren einer von ihnen.
Mathias Tholey: Uns dreien war an der RWTH Aachen eine stringente Ingenieursdenke eingeprügelt worden und natürlich sind wir von Haus aus sehr technikbegeistert. Neben der Energiewende erkannten wir dabei in der Lebensmittelwirtschaft einen wichtigen Hebel für die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Zukunft, insbesondere in der Kakaoproduktion, wo mit dem allgemeinen Raubbau an der Natur noch sehr viel im Argen liegt, von den vielen Menschenrechtsverletzungen ganz zu schweigen.
Wirtschaftsforum: Wie lässt sich das mit einer leichtfüßigen Marke verbinden, die gern mit einem charmanten Augenzwinkern im Markt auftritt?
Mathias Tholey: Klar, Klimawandel, der Verlust von Biodiversität und die Abholzung des Regenwaldes sind keine leichten Themen, und dann wollen wir mit unserer Schokolade ein Genussprodukt verkaufen, das im Kern dafür steht, für einen Moment die Seele baumeln zu lassen. Deshalb wollten wir von Anfang an klar unterstreichen, dass darin kein Widerspruch liegen muss, sondern dass dieser Wandel hin zu einer besseren, umweltschonenderen und auch menschenfreundlicheren Zukunft schön sein kann und Spaß macht.
Wirtschaftsforum: Welches Gefühl möchten Sie dabei transportieren?
Mathias Tholey: Wer unsere Produkte genießt, muss sich nicht schuldig fühlen – auch nicht gegenüber dem eigenen Körper, weil nucao konsequent auf künstliche Zusatzstoffe verzichtet, die kein Mensch aussprechen kann, und stattdessen auf ein Naturprodukt setzt, bei dem wirklich die Frucht im Zentrum steht. Derweil stammen unsere Rohstoffe aus Bio- und Fairtrade-zertifizierten Quellen, wir verzichten konsequent auf Kuhmilch, sodass auch keine Emissionen aus Tierhaltung anfallen, und als erstes Unternehmen in der Süßwarenbranche verpacken wir unsere Produkte in Papier, das bis zu 25 Mal recycelt werden kann.
Wirtschaftsforum: Der nächste große Schritt für nucao soll lauten: regenerative Landwirtschaft.
Mathias Tholey: Wir arbeiten bereits mit Premiumanbietern zusammen und sind auch viel auf den Plantagen vor Ort präsent, auf denen unsere Rohstoffe entstehen. Trotzdem möchten wir in Zukunft noch stärker als bisher darauf Einfluss nehmen, welche Anbauweisen dort genau verfolgt werden. Denn auch wenn wir bereits verlässlich gewährleisten können, dass dort keine Pestizide eingesetzt und die Arbeitskräfte fair entlohnt werden, wird im Amazonasdelta doch weiterhin mit Monokulturen Kahlschlag betrieben. Mit unserem Agroforstprojekt wollen wir einen wichtigen Schritt hin zu natürlicheren Anbauformen gehen und dafür sorgen, dass den Kakaoplantagen kein Regenwald mehr weichen muss: ein Ziel, bei dem wir eng mit den Kooperativen vor Ort zusammenarbeiten, um diesen Ansatz daraufhin zügig zu skalieren, um so auch als Leuchtturm in der europäischen Schokoladenindustrie einen wichtigen Anstoß zu geben, damit sich die Bedingungen im Allgemeinen zum Besseren verändern können.
Wirtschaftsforum: Mit nucao ist es Ihnen als ambitioniertes Start-up gelungen, eine klare Haltung mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu verbinden.Was können andere Unternehmer mit ähnlichen Zielen von Ihnen lernen?
Mathias Tholey: Man muss Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und einen echten Kundennutzen in einen sinnvollen Einklang bringen. Das mag fürchterlich abgedroschen klingen, weil es so oder so ähnlich auch in jedem drittklassigen Start-up-Buch steht, doch ich sehe darin tatsächlich das unverzichtbare Fundament für jedes erfolgreiche Unternehmen. Man muss sich klar die Frage stellen, wofür die Menschen bereit sind, Geld auszugeben. Nur dann kann man sich überlegen, wie man sie vielleicht dazu bringen kann, das hochwertigere, nachhaltigere, ehrlichere Produkt zu kaufen und den Weg des Gründers mitzugehen. Ich glaube, viele tolle Unternehmer treten mit einem wundervollen Ansinnen an, um mit ihrem Projekt die Welt zu verbessern, und vergessen dabei aber, dass dahinter auch ein funktionierendes Geschäftsmodell stehen muss, mit dem man irgendwann Geld verdienen will.
Natürlich muss ein Start-up nicht bereits im ersten, zweiten oder auch dritten Jahr ordentliche Gewinne abwerfen – irgendwann später aber schon.
Wirtschaftsforum: Welche Eigenschaften muss man als Unternehmer dafür mitbringen?
Mathias Tholey: Purpose ist heute ein wichtiger Baustein für jeden Arbeitgeber, und auch in der Kommunikation gegenüber den Kunden ist Authentizität wichtig: Das fällt in einem Fall wie nucao vielleicht leichter, wenn alle Gründer noch im Unternehmen aktiv sind und die Marke nach außen hin vertreten können. Doch auch nach innen in das Unternehmen hinein muss man es als Führungskraft schaffen, eine starke Verbindung zwischen den Menschen mit ihrem eigenen Lebenssinn, den jeder in sich trägt, und der Mission des Unternehmens aufzubauen. Dahinter muss nicht immer so ein hehres Ziel stehen wie „fixing the planet“ bei nucao. Aber man muss eine gute Antwort auf die Frage finden, warum man das tut, was man tut, und in welche Vision sich die Menschen einbringen sollen.














