Markus Stork: Vom Affen im Großraumbüro

Interview mit Markus Stork, Coach und Autor

Wirtschaftsforum: Herr Stork, ich habe den Stresstier-Test selbst durchgeführt mit dem Ergebnis, dass ich ein Affe bin. Wie tauglich bin ich denn als Affe für ein Großraumbüro?

Markus Stork: Die Tauglichkeit eines Affen im Großraumbüro ist nicht so optimal, die sind eher als Einzelgänger unterwegs und schauen vom Baum herunter. Mittendrin im Betrieb umgeben von vielen Menschen ist nicht das ideale Revier. Häufig finde ich, dass man einen „Affen-Schreibtisch“ in einem Großraumbüro sofort erkennt. Die heben sich einfach vom Rest ab. Da sind beispielswiese Grünpflanzen oder Bilderrahmen aufgebaut, sodass man sich ein bisschen verstecken kann und alles aus zweiter Reihe mitbekommt. Aber so eine richtige Wohlfühlatmosphäre kommt für den Affen eher selten auf im Großraumbüro.

Eine richtige Wohlfühlatmosphäre kommt für den Affen eher selten auf im Großraumbüro Markus Stork
Markus Stork

Wirtschaftsforum: Ihr Buch lässt sich für einen Ratgeber angenehm lesen. Nicht zu übersehen, ist die gehörige Portion Humor, die darin mitschwingt. Wie haben Sie zu Ihrem Schreibstil gefunden?

Markus Stork: Ich habe versucht, immer möglichst nah an der Realität zu bleiben. Und die Storys und Geschichten, die Sie in dem Buch finden, sind zu den allergrößten Teilen genau so erlebt worden. Ich freue mich natürlich, wenn es gefallen hat und zudem der Humor positiv ankommt. Es gibt in meiner Wahrnehmung nichts Schlimmeres als ein Buch, durch das ich mich beim Lesen quälen muss. Und wir befinden uns ja hier im Bereich Kommunikation. Das ist letztendlich genau das, was ich tagtäglich als Coach mache, Leuten einfach mal einen Einblick zu geben.

Da wird schnell deutlich: Wir sind nicht gleich, wir ticken unterschiedlich. Ich habe durchaus die Hoffnung, viele Menschen damit zu erreichen. Besonders freut es mich, wenn sich Inhalte verfestigen. Plötzlich haben Sie das Bild vom Affen im Kopf, oder Sie sehen überall in Ihrem Umfeld Gazellen, die Sie vorher nie wahrgenommen haben. Das wird mir öfter gemeldet, dass Menschen bewusster in diese Kommunikationssituation reingehen und live erleben, wie durch diese Unterschiedlichkeit in den Charakteren es zu sehr interessanten Situationen in der Realität kommt.

Wirtschaftsforum: Stichwort Stress. Wenn es bei Menschen um Stress geht, wird vor allem Negatives damit verbunden. Sie thematisieren Stress dagegen vollkommen unbelastet. Wie gelingt Ihnen das?

Markus Stork: Ich teile Ihren Eindruck über den generellen Umgang mit Stress. Der Begriff in dieser negativen Prägung ist in meiner Wahrnehmung jedoch überbelastet. Ohne Stress könnten wir gar nicht existieren. Das heißt, Stress ist schlichtweg ein Grundantrieb und trägt an sich überhaupt keine Wertung. Was wir daraus machen, ist entscheidend.

Wenn wir über heutzutage über das Thema Stress reden, ist in vielen Fällen schon direkt eine Belastungssituation inkludiert. In meiner Tätigkeit als selbstständiger Trainer bin ich viel unterwegs. Logischerweise gibt es da stressige Phasen, wo ich für ein Projekt eine Nacht durcharbeiten muss. Wenn die Situation allerdings abgeschlossen ist, bin ich tief befriedigt. Ich habe mein Ziel erreicht, das ist ungemein positiv.

Stress muss in jeder Situation neu bewertet werden. Was passiert mit mir? Wenn wir über diesen belastenden Stress reden, dann ist das einfach von der Benennung nicht ganz korrekt. Menschen erleben nicht deshalb einen negativen Stress, weil viel Arbeit da ist, sondern weil sie häufig nicht richtig orientiert vorgehen. Das heißt sie wissen nicht, WOFÜR sie etwas tun! Wenn Sie massenhaft Energie in eine Sache ohne definiertes Ziel stecken, ergeben sich automatisch negative Konsequenzen. Wenn im Umkehrschluss ein Ziel existiert, können Sie in eine Stresssituation reingehen, ohne dass es für Sie eine Belastung darstellt. Stress entsteht als erstes im Kopf und hängt selbstverständlich mit der persönlichen Ausprägung zusammen.

Lassen Sie uns kurz zu Ihrem Affen im Großraumbüro zu Beginn des Interviews zurückkommen. Wenn ein Affe sich ständig mit vielen Menschen umgibt und das dauerhaft 24 Stunden rund um die Uhr, dann wird ihm das irgendwann negativen Stress bereiten, weil es gegen seine eigene Persönlichkeit geht. Wenn Sie eine gesellige und kommunikative Gazelle derselben Situation aussetzen, kann die gar nicht genug davon bekommen.

Menschen erleben nicht deshalb einen negativen Stress, weil viel Arbeit da ist, sondern weil sie häufig nicht richtig orientiert vorgehen. Markus Stork
Markus Stork

Wirtschaftsforum: Affe, Gazelle und Löwe – welche Mischung macht Ihrer Erfahrung nach ein erfolgreiches Team aus?

Markus Stork: Wenn ich als Führungskraft ein Team besetzen müsste, dann würde ich immer eine Mischung wählen und die Mitglieder ganz klar darüber informieren, dass diese Unterschiede in der Persönlichkeit bestehen. In der Regel brauchen wir in den meisten Arbeitsumfeldern alle drei Kompetenzen. Das heißt, wir brauchen das Kommunikative, was die Gazelle am besten verkörpert. Wir benötigen das Durchsetzungsfähige, was der Löwe sehr gut kann. Nicht zuletzt ist das Organisatorisch-Planerische gefragt, was der Affe am besten beherrscht. Wenn ich diese drei Kompetenzen an den richtigen Stellen abrufe, dann ist das eine optimale Mischung.

In der Praxis wird leider häufig nicht nach der Persönlichkeit in der Stellenbesetzung geschaut. Das erlebe ich im Moment in den wenigsten Unternehmen. Sondern da geht es nach anderen Kriterien. Was zählt ist ganz klassisch der Lebenslauf mit seinen Stationen. Dann wird der Teilnehmer oder Bewerber noch gefragt: Was halten Sie für Ihre Kernkompetenzen? Ganz häufig lautet die Antwort Teamfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit, was an sich schon ein gewisser Widerspruch ist.

Interview: Markus Büssecker | Fotos: Markus Stork

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