Seele statt Standard
Interview mit Niels Battenfeld, Geschäftsführer der Lieblingsplatz Hotels Betriebs- und Managementgesellschaft mbH

Wirtschaftsforum: Herr Battenfeld, mit den Lieblingsplatz Hotels haben Sie ein Hotelkonzept ins Leben gerufen, mit dem Sie neue Wege gehen. Wie kam es dazu?
Niels Battenfeld: Ich komme ganz klassisch aus der Hotelbranche, habe nach dem Abitur im Hamburger Marriot Hotel einen Abschluss als Hotelkaufmann gemacht, durfte im Ausland Erfahrungen sammeln und habe 2013 den Entschluss gefasst, mich von den klassischen Mustern zu lösen und eigene Wege zu gehen. Ich wollte meine Leidenschaft für die Hotellerie und meine persönlichen Erwartungen an mein privates Leben sinnvoll in Einklang bringen, wollte meine eigene Welt kreieren und darin arbeiten. Es ging mir nicht darum, eine wachsende Hotelgruppe zu gründen, sondern darum, ein kleines Hotel in St. Peter-Ording zu führen. Aus dieser Vision hat sich eine sehr dynamische Wachstumsgeschichte entwickelt, getrieben von Leidenschaft und Idealismus.
Wirtschaftsforum: Wie steht das Unternehmen heute da?
Niels Battenfeld: Wir haben zwölf Häuser, auf die wir unseren Fokus richten. Wir nennen diese Eigenbetriebe Labore, in denen wir experimentieren und Neues ausprobieren. Weil ich nicht in Hierarchien denke, sondern in Partnerschaften, bieten wir seit 2025 zudem ein Partnermodell an. Neue digitale Lösungen, Technologien und Prozesse testen wir zunächst in unseren eigenen Häusern. Was sich dort bewährt, geben wir strukturiert an unsere Partnerhotels weiter. Wir begleiten sie, sind im engen Austausch und arbeiten gemeinsam an Optimierungen. Die Idee ist, dass die Partnerhotels eigenständig bleiben, aber von einer starken Dachmarke profitieren. Wir kümmern uns um Verwaltung und Entwicklung und bringen das Leitbild nach vorn, damit der Partner endlich wieder das sein kann, was er eigentlich sein will – Gastgeber, Unternehmer in seinem eigenen Unternehmen. Wir kümmern uns um die Marke, die DNA, die Technologie, unsere Partner kümmern sich um ihre Gäste. Wir entwickeln aus unseren Eigenbetrieben neue Ideen, stellen sie vor und rollen sie aus, um Betriebe schlank und effizient zu machen. Angesichts steigender Kosten ist das essenziell.
Wirtschaftsforum: Der Druck in der Hotelbranche ist groß. Immer mehr privat geführte Häuser verschwinden vom Markt, große Ketten dominieren. Kommt das Lieblingsplatz-Konzept auch deshalb gut an?
Niels Battenfeld: Unser Ziel ist, mit unserem Partnermodell der Privathotellerie mit ihrer Individualität eine Zukunft zu geben. Wir bringen das Beste aus verschiedenen Welten zusammen und machen es zukunftsfähig. Die ersten Partner gehen gerade an Bord von Lieblingsplatz. Der Surf Rescue Club in Grömitz – Hotel mit traumhafter Aussicht 1 www.WIRTSCHAFTSFORUM.de | Wirtschaftsforum: Sie starteten mit der Idee, eine eigene Welt zu kreieren. Was ist das Besondere an den Lieblingsplatz Hotels? Niels Battenfeld: Unsere Häuser sind der Gegenentwurf zur inszenierten Perfektion; sie stehen für Authentizität, Individualität und Vielfalt. Ich bin ein überzeugter Anhänger der Digitalisierung und in unseren Laboren arbeiten wir intensiv mit digitalen Technologien bis hin zum Kochroboter. Dennoch glaube ich an den Menschen, an Individualität und Authentizität. Für mich steht Lieblingsplatz für die Kombination von Seele und Technologie. Wir sind das Wohnzimmer unseres Gastes, sind wie Urlaub bei guten Freunden trotz aller Digitalisierung und Automatisierung, die im Hintergrund stattfindet. Wir nutzen die Technologie, um die Seele des Menschen wieder in den Vordergrund zu stellen.
Wirtschaftsforum: Wie sehen typische Abläufe in einem Lieblingsplatz Hotel aus?
Niels Battenfeld: Bei uns gibt es zum Beispiel keine klassische Rezeption. Wir möchten unsere Gäste nicht mit auswendig gelernten Floskeln begrüßen, sondern sie mit wirklich relevanten Fragen abholen. Wir fragen, ob ein Saunabesuch oder Fahrräder gewünscht werden, wie Gäste ihre wertvolle Zeit verbringen möchten und wie wir ihnen helfen können, durch unsere Welt zu gehen.
Wirtschaftsforum: Sie betonen, dass sie leidenschaftlicher Hotelier sind. Wie haben sich Ihre Aufgaben im Laufe der Zeit verändert?
Niels Battenfeld: Ich sehe mich vor allem als Visionär, Ideengeber und Netzwerker und weniger als operativer Manager. Um neue Dinge anzustoßen und Visionen umzusetzen, ist es wichtig, die Komfortzone zu verlassen und am Unternehmen zu arbeiten, statt sich im Unternehmen zu verlieren.
Wirtschaftsforum: Welche Erfolgsfaktoren und welche persönliche Motivation stecken hinter der Lieblingsplatz-Geschichte?
Niels Battenfeld: Ehrlichkeit, Vertrauen und Authentizität sind für mich der Schlüssel für unseren Erfolg. In der heutigen Zeit ist es entscheidend, vertrauensvoll und ehrlich miteinander umzugehen. Deshalb sehe ich es als Privileg, in diesem Unternehmen mit 100 wunderbaren Menschen zusammenzuarbeiten, die eine gemeinsame Vision teilen. Bei Lieblingsplatz kann man sich wertschätzend und unabhängig bewegen, was heute nicht mehr selbstverständlich ist. Es lohnt sich, für Vielfalt, Freiheit und Demokratie hart zu arbeiten; davon bin ich fest überzeugt.












