Digital denken, global handeln

Interview mit Lumir Boureanu, Geschäftsführer der compacer GmbH

Als Lumir Boureanu 2003 zu compacer kam, war das Unternehmen noch ein Reseller für fremde Software. „Damals haben wir Lösungen der finnischen Telekom vertrieben – bis wir gemerkt haben, dass wir zu abhängig von anderen Märkten und zu unflexibel für große Projekte in Deutschland geworden waren“, erinnert sich der Geschäftsführer. Der Wendepunkt kam 2006 mit der Entscheidung, eine eigene Plattform zu entwickeln. Ein mutiger Schritt – zur damaligen Zeit war Cloud-Technologie noch umstritten. Heute gehört compacer mit seiner eigenen Plattform edbic zu den Spezialisten für Daten- und Prozessintegration im Enterprise-Bereich. Unternehmen wie die Deutsche Telekom und andere namhafte internationale Konzerne vertrauen auf die Lösungen des Mittelständlers. Dabei geht es nicht nur um technische Exzellenz, sondern auch um das Verständnis für regulatorische Anforderungen, Compliance und Sicherheit – ein entscheidender Faktor im Geschäft mit systemrelevanten Organisationen.

Warum Spezialisierung der Schlüssel ist

„Wir könnten theoretisch alles machen – aber das skaliert nicht“, sagt Lumir Boureanu und verweist auf einen wichtigen Erfolgsfaktor: Konzentration auf klar definierte Felder. Insbesondere die Logistikbranche hat sich in den letzten Jahren als starkes Einsatzgebiet etabliert – mit zahlreichen Projekten in Containerhäfen, bei Postgesellschaften oder Güterverkehrsbetreibern. „Wir sind keine Logistiker, aber wir digitalisieren deren Prozesse. Und das weltweit – von der Ukraine bis Chile“, erläutert der Geschäftsführer. Ein weiteres Standbein sind Produktionsunternehmen und große IT-Dienstleister. „Ob medizinische Produkte oder Telekommunikation – entscheidend ist, dass unsere Plattform Millionen von Geschäftsvorgängen zuverlässig verarbeitet: Bestellungen, Lieferscheine, Rechnungen. Das ist unsere Stärke.“ Dass dabei Mundpropaganda häufig der effektivste Vertriebskanal ist, verwundert Lumir Boureanu nicht: „Große Unternehmen haben oft schon drei, vier Konverter im Einsatz. Und trotzdem setzen sie noch einen darüber – unseren.“

Mit künstlicher Intelligenz zum Sparringspartner

Die Digitalisierung allein reicht heute nicht mehr – intelligente Automatisierung ist der nächste Schritt. „Früher hieß es, 30% der Prozesse lassen sich wirtschaftlich automatisieren. Mit KI ist das anders: Sie kann Entscheidungen treffen, Muster erkennen und auch kurzfristige Veränderungen meistern.“ Genau hier liegt für Lumir Boureanu die Zukunft: „Unsere Plattform entwickelt sich zum digitalen Sparringspartner für Unternehmen.“ Besonders in Branchen mit komplexen Lieferketten – etwa im Lebensmitteleinzelhandel mit tausenden Lieferanten – kann KI helfen, Onboarding-Prozesse zu beschleunigen und operative Abläufe effizienter zu gestalten. compacer hat dafür unter anderem spezialisierte KI-Agenten entwickelt, die im September beim internationalen Partnerevent in Frankfurt vorgestellt werden. Parallel entstehen vorkonfigurierte Lösungen, etwa für die Digitalisierung von Häfen – ein Bereich mit enormem Potenzial, denn rund 97% der weltweit 24.000 Häfen gelten als nicht durchgängig digitalisiert.

Wachstum mit Haltung – und mit Menschen

Trotz internationaler Projekte und technologischer Tiefe: compacer versteht sich nicht als Großkonzern, sondern als Schnellboot – agil, reaktionsschnell und auf Effizienz bedacht. Mit rund 150 Mitarbeitern an Standorten in Deutschland, Tschechien, Finnland, den Niederlanden und Frankreich bleibt das Unternehmen bewusst schlank. Wachstum um jeden Preis ist für Lumir Boureanu kein Ziel. Vielmehr will er gemeinsam mit Kunden und Partnern zukunftsfähige Geschäftsmodelle entwickeln – etwa durch nutzungsbasierte Softwareangebote oder White Label-Lösungen. Dabei spielt die Unternehmenskultur eine zentrale Rolle für den Geschäftsführer: „Wir haben viele junge Mitarbeiter unter 30 – das ist eine Riesenstärke. Aber sie brauchen Führung, Coaching, Begleitung.“ Intern setzt compacer auf eine offene Fehlerkultur, externe Coaches und Mentoring-Modelle. Denn, so Lumir Boureanu: „Trotz aller Automatisierung – ohne Menschen geht bei uns nichts.“ Dass ihm die Menschen am Herzen liegen, zeigt sich auch im sozialen Engagement: Als der Hafen in Odessa – ein compacer-Kunde – vom Krieg betroffen wurde, spendete das Unternehmen spontan einen fünfstelligen Betrag an die humanitäre Hilfe für die Ukraine.

Integration mit Weitblick

Die compacer GmbH steht beispielhaft für eine neue Generation mittelständischer IT-Unternehmen: hoch spezialisiert, international vernetzt, innovationsgetrieben – und dennoch tief verwurzelt im menschlichen Miteinander. Für Lumir Boureanu ist das kein Widerspruch, sondern Grundprinzip: „Wir nehmen Wirtschaft persönlich – bei unseren Mitarbeitern genauso wie bei den Familienunternehmen, die wir begleiten. Und genau das macht den Unterschied.“

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