Im Lager entscheidet der Griff
Interview mit Gian Piero Biele, CFO und Geschäftsführer der CISA S.B. S.p.A.

Wirtschaftsforum: Herr Biele, Cisa wurde 1997 gegründet und feiert nächstes Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Was hat sich in dieser Zeit grundlegend verändert?
Gian Piero Biele: Als ich die Unternehmensführung übernahm, war CISA noch als Konsortialgenossenschaft organisiert. Das habe ich als einen der ersten wichtigen Schritte geändert und das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft, eine S.p.A., umgewandelt. Das war eine bewusste Entscheidung für eine professionellere Governance – Genossenschaften werden in Italien heute nicht mehr so positiv wahrgenommen wie früher und wenn man sich von anderen Marktteilnehmern abheben will, braucht man klare, transparente Strukturen.
Wirtschaftsforum: Was ist das Kerngeschäft von CISA und für welche Kunden arbeiten Sie?
Gian Piero Biele: Wir sind im sogenannten Handling tätig – wir bewegen Waren innerhalb der Lager unserer Auftraggeber. Das sind Unternehmen wie GLS, Dachser & Fercam, alles international aufgestellte Logistikdienstleister. Bis letztes Jahr haben wir außerdem ein Zigarettenlager für LOGISTA ITALIA SPA betrieben. Unser Modell basiert auf Jahresaufträgen, die in der Regel verlängert werden. Wir beschäftigen rund 500 Festangestellte, dazu kommen monatlich etwa 100 Leiharbeiter. Mit einem Umsatz von 41 Millionen EUR sind wir für italienische Verhältnisse bereits ein relativ großes Unternehmen.
Wirtschaftsforum: CISA operiert ausschließlich in Italien. Gibt es Expansionspläne?
Gian Piero Biele: Aktuell sind wir tatsächlich rein national aufgestellt. Aber wir wachsen, und zwar auf zwei Wegen: organisch durch neue Aufträge und anorganisch durch Übernahmen. Gerade bereiten wir eine bedeutende Akquisition vor. Es geht um ein Unternehmen, das sogar noch größer ist als wir und dessen Inhaber sich aus Altersgründen zurückziehen möchte. In Italien gibt es davon viele, Unternehmen ohne Nachfolge, bei denen nur ein externer Kauf in Frage kommt. Langfristig können wir uns auch vorstellen, in die DACH-Region zu expandieren.
Wirtschaftsforum: Wie hat CISA die Krisen der vergangenen Jahre – Pandemie, Inflation, geopolitische Unsicherheiten – bewältigt?
Gian Piero Biele: Ehrlich gesagt sind wir in dieser Zeit als Unternehmen gewachsen, sowohl im Hinblick auf den Umsatz als auch beim Volumen. Der Corona-Boom hat die Nachfrage nach Lagerlogistik massiv angetrieben, weil die Menschen von zu Hause aus bestellt haben. Dieser Schub hat sich zwar wieder etwas normalisiert, aber das Niveau bleibt hoch. An einzelnen Standorten gab es auch Rückgänge – die haben wir über geregelte Personalabbaumaßnahmen aufgefangen, was sich aber im überschaubaren Rahmen gehalten hat. Unser Kerngeschäft sind Unternehmen, nicht Privatkunden, und das macht uns etwas stabiler.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das auch in der Logistik immer stärker nachgefragt wird. Was tut CISA in diesem Bereich?
Gian Piero Biele: Das stimmt, wir merken sehr deutlich, dass unsere Auftraggeber darauf achten. Sie wollen Lieferanten, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen und das auch dokumentieren können. Deshalb haben wir im vergangenen Jahr begonnen, das Thema strukturierter anzugehen. Wir haben zum Beispiel den Prozess hin zu einer EcoVadis-Zertifizierung gestartet. Dabei werden die Nachhaltigkeitsmaßnahmen eines Unternehmens bewertet. Außerdem beschäftigen wir uns mit unserem Carbon-Footprint und sind dabei, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, der den klassischen Jahresabschluss ergänzt.
Wirtschaftsforum: Wie stehen Sie zur Automatisierung? Lager gelten ja als ein Bereich, der sich stark verändern wird.
Gian Piero Biele: Da befinden wir uns in einer besonderen Situation: Die Lager gehören nicht uns, sondern unseren Auftraggebern. Die Infrastrukturentscheidungen treffen also andere. Trotzdem haben wir auch hier erste Schritte unternommen. Letztes Jahr haben wir einen ersten Test mit Exoskeletten durchgeführt – das sind Stützkonstruktionen, die Mitarbeiter beim Heben schwerer Lasten unterstützen. Aber der Weg ist nicht einfach: In Italien sind die Gewerkschaften in unserem Sektor sehr stark, und Automatisierung wird oft als Bedrohung für Arbeitsplätze wahrgenommen. Das verlangsamt manche Prozesse.
Wirtschaftsforum: Was sind die strategischen Prioritäten für die nächsten Jahre?
Gian Piero Biele: Zum einen wollen wir die Prozesse weiter optimieren – schneller werden, effizienter, und dabei auch die Unfallzahlen reduzieren. Schwere oder nachtschichtgebundene Tätigkeiten sind Bereiche, in denen wir durch bessere Technik echte Verbesserungen erzielen können. Zum anderen steht Wachstum ganz oben auf der Agenda. Die anstehende Übernahme ist ein wichtiger Schritt und zeigt, in welche Richtung wir uns entwickeln wollen. Mittelfristig orientieren wir uns auch in Richtung DACH-Gebiet. Die deutschsprachigen Märkte bieten großes Potenzial, und meine persönliche Verwurzelung in Deutschland – ich bin in Hockenheim geboren und habe in Deutschland studiert – ist dabei sicher kein Nachteil. Logistik lebt von Verlässlichkeit und Beziehungen. Beides bauen wir gerade systematisch aus.












