„Mein Rat an Camper? Hinterlasst höchstens eine Reifenspur!“
Interview mit Stefan Christner, Geschäftsführer der bimobil – von Liebe GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Christner, seit der Coronakrise hat der Reisemobilmarkt eine turbulente Zeit erlebt – wie erging es Ihnen bei bimobil?
Stefan Christner: Während der Pandemie erlebten wir einen enormen Boom, der dann auch noch eine ganze Weile anhielt. Die Menschen haben unglaublich viel in ihre Freizeitgestaltung und somit auch in Reisemobile investiert, sodass unsere Vorlaufzeit bisweilen knapp vier Jahre betrug. Aufgrund der hohen Ausgabebereitschaft der Verbraucher stieg zudem selbst bei kleineren Fahrzeugen die Nachfrage nach einer Vollausstattung, sodass wir auch in der Produktion und Konstruktion kreative Wege gehen mussten, um alle Annehmlichkeiten wunschgemäß unterzubringen. Zudem konnten wir immer mehr Expeditions-Lkw absetzen – ein Trend, der sogar noch in den Monaten nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine anhielt, vermutlich weil viele Menschen auch vor dem Hintergrund der zunehmend angespannten Sicherheitslage nun einen Sinn in der Anschaffung eines autarken Reisemobils sahen.
Wirtschaftsforum: Auf den Boom folgte schließlich auch bei bimobil eine Delle?
Stefan Christner: Nach vier Jahren Krieg in Europa, mit Donald Trump im Weißen Haus und den deutlich gestiegenen Treibstoffpreisen nach Beginn des Krieges im Iran spüren nun auch wir eine deutliche Kaufzurückhaltung, während unser Vorlauf nur noch bei etwa einem Jahr liegt. Doch diese Entwicklung haben wir erwartet, weshalb wir uns schon in den Boomzeiten der Pandemie nur sehr vorsichtig vergrößert haben, von damals 90 auf inzwischen etwa 100 Mitarbeitende. Andere Marktteilnehmer hatten ihre Kapazitäten hingegen bisweilen verdoppelt oder verdreifacht – und stehen jetzt mitunter vor enormen Problemen, gerade weil auch die Margen angesichts der enormen Preisaufschläge der Zulieferer merklich kleiner werden. Zudem geht der Trend nun wieder verstärkt hin zu kleineren Fahrzeugen, vielleicht auch, weil die Budgets der Verbraucher knapper werden.
Wirtschaftsforum: Eine Entwicklung, die Ihnen Sorge bereitet?
Stefan Christner: Nein, keineswegs. Die nachgefragten Fahrzeuge sind immer noch autark und verfügen weiterhin über einen Allradantrieb, bewegen sich nun aber wieder etwas näher an der ursprünglichen Idee des Campings, und das gefällt uns – gerade nachdem der Markt einige Zeit in eine Richtung gedriftet war, die man ohnehin nicht ad infinitum weiterverfolgen kann. Die schönsten Stellplätze, an denen man autark stehen kann, sind mittlerweile als Geheimtipps im Internet zu finden, wo sie dann auch Menschen anziehen, die an diesen Orten ihr Abwasser ablassen müssen, weil sie mit ihren Fahrzeugen anscheinend doch nicht völlig autark sind.
Wirtschaftsforum: Was wiederum dem Ruf des Campings schadet.
Stefan Christner: Ich empfehle jedem, sich im Ausland als Gast zu verhalten. Das bedeutet, dass man die Landschaft genießen und dabei höchstens eine Reifenspur hinterlassen darf, aber eben niemals Müll.
Diesen nachhaltigen Gedanken leben wir bei bimobil schon seit fast 50 Jahren. Er erstreckt sich gleichermaßen auch auf unsere langlebigen Fahrzeuge – viele unserer ersten Modelle fahren immer noch auf den schönsten Straßen der Welt, nur eben mittlerweile mit einem H-Kennzeichen. Zu unserem 50-jährigen Jubiläum im nächsten Jahr wollen wir auch ganz bewusst ein paar Retromodelle vorstellen – etwa eine neue Variante unseres LB 365, den wir 1995 zum ersten Mal gebaut haben.
Wirtschaftsforum: Welche Innovationen werden den Reisemobilmarkt in den nächsten Jahren verändern?
Stefan Christner: Ich finde, bimobil ist grundsätzlich schon immer ein sehr innovatives Unternehmen gewesen, aber eben im Sinne einer eher kontinuierlichen Weiterentwicklung unserer Produkte. Denn glücklicherweise verspüren wir als inhabergeführtes Familienunternehmen keinen wirtschaftlichen Druck, jedes Jahr eine vermeintlich neue Weltsensation herausbringen zu müssen. Stattdessen sind wir stolz darauf, dass wir unserer Linie über all die Jahrzehnte hinweg treu geblieben und nicht jeden Trend mitgegangen sind – zum Beispiel bei der Omnipräsenz von Touchscreens. Inzwischen werben die ersten Hersteller ja ausdrücklich mit ihrer Rückkehr zu Knöpfen; diesen Weg haben wir nie verlassen, einfach weil er für uns ohnehin der sinnvollste ist.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die Elektrifizierung des Fahrzeugmarktes?
Stefan Christner: Im Offroadbereich ist das eine wirklich tolle Sache. Es wird bestimmt noch über zehn Jahre dauern, bis man in einem elektrischen Reisemobil auf große Fahrt gehen kann – doch die Vorteile liegen auf der Hand: nicht nur, weil die Fahrzeuge richtig gut im Gelände liegen, weil sie ohne Differenzialsperren oder Untersetzungen auskommen und mit einem hohen Drehmoment ausgestattet sind, sondern auch, weil Strom wirklich überall auf der Welt in gleicher Qualität zur Verfügung stehen wird – anders als Diesel von mitunter zweifelhafter Beschaffenheit. Ich bin überzeugt, dass wir diesen Wandel in den nächsten Jahren aktiv mitgestalten können.












