Vom Mobilfunkeinzelhandel zum Softwareanbieter für Telematik und Connectivity

Interview mit Deniz Yilmaz, Bereichsleiter der Yukatel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Yilmaz, die Yukatel GmbH wurde 1995 als Einzelhandelsgeschäft für Mobiltelefone gegründet. Heute engagieren Sie sich zudem sehr erfolgreich als Softwareunternehmen – das klingt nicht gerade nach der typischen Firmenhistorie aus dieser Branche.

Deniz Yilmaz: Hinter uns liegt tatsächlich eine sehr lange Reise, und die Anfänge von Yukatel waren weit von unseren heutigen Dimensionen entfernt. Nach der Geschäftsaufnahme als klassisches Einzelhandelsunternehmen für Mobiltelefone folgte unter der Ägide unseres Gründers und Geschäftsführers Yusuf Karataş bald der Einstieg in den Mobilfunkgroßhandel, bevor im Jahr 2007 mit unserem Fahrzeugortungssystem RouteControl der erste Schritt in die Welt der Softwareentwicklung anstand.

Wirtschaftsforum: Woher stammte die Motivation, sich auch in diesem eigentlich fachfremden Bereich zu engagieren?

Deniz Yilmaz: Ursprünglich haben wir unser GPS-System RouteControl aufgrund eines persönlichen Interesses an der Ortung der Fahrzeuge aus unserem eigenen Fuhrpark entwickelt. Weil wir einen allgemeinen Bedarf an unserer Lösung erkennen konnten, haben wir sie anschließend mit großem Erfolg auch dem breiten Markt zur Verfügung gestellt. Zunächst handelte es sich dabei um eine relativ einfache Track-and-Trace-Lösung; heute geht sie als umfangreiches Telematiksystem jedoch weit über dieses Feature hinaus. Mittlerweile betreuen wir damit auch mehrere große Automarken, in denen RouteControl ab Werk eingesetzt wird.

Wirtschaftsforum: Sie haben sich also zunächst mit einem internen Problem beschäftigt, dabei aber Ihre eigenen Anforderungen übererfüllt und konnten so auch ein Problem lösen, mit dem der gesamte Markt zu kämpfen hatte.

Deniz Yilmaz: Genau so entstand auch unsere Plattform M2M Unity. Dort arbeiten wir mittlerweile unter anderem mit großen Energiekonzernen zusammen, die über die von uns angebotene Connectivity-Lösung mitunter ihre eigenen Photovolatik-Anlagen überwachen oder Daten von Stromzählern übertragen. Der große Vorteil unseres Angebots liegt in seiner betreiberunabhängigen Plattform, wodurch die Nutzer nicht an die entsprechenden Portale der jeweiligen Anbieter gebunden und somit auch nicht in ihrem eigenen Device Management eingeschränkt sind. Heute können unsere Kunden über M2M Unity mit einer multiproviderfähigen Lösung ihre Sensordaten abbilden, Wareneinstellungen vornehmen und vieles mehr.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Innovationen wird sich Yukatel als nächstes beschäftigen?

Deniz Yilmaz: Wir möchten unser Engagement im Software-as-a-Service-Bereich in Zukunft weiter vertiefen. Ziel ist es, dem Kunden im Rahmen unseres Managed-Connectivity-Angebots mit einem festen Ansprechpartner und bei ständiger Erreichbarkeit die Verwaltung seiner IoT-Verbindungen abzunehmen und bei möglichen Ausfällen der Verbindungsdienste sofort mit einem effektiven Support-Angebot zur Stelle zu sein – ohne dass der Kunde erst langwierig ein Ticket erstellen muss. Kürzlich haben wir eine Partnerschaft mit der österreichischen A1 Telekom Austria AG geschlossen, mit der wir in Zukunft auch projektorientiert enger zusammenarbeiten möchten. Neben all diesen digitalen Betriebsfeldern wird jedoch zugleich unsere Aktivität als Großhändler für Mobilfunkgeräte weiterhin einen signifikanten Teil unserer Geschäftstätigkeit ausmachen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wie KMU mit dem richtigen Messestand auf Fachmessen neue Märkte erschließen

Wie KMU mit dem richtigen Messestand auf Fachmessen neue Märkte erschließen

Fachmessen sind einer der wenigen Orte, an denen Vertrieb, Markenauftritt und Marktforschung gleichzeitig stattfinden. Und dennoch unterschätzen viele mittelständische Unternehmen das Potenzial, das hinter einem Messeauftritt steckt. …

Das Ende des Ersatzteillagers. Wie digitale Ersatzteile die Industrie verändern

Das Ende des Ersatzteillagers. Wie digitale Ersatzteile die Industrie verändern

Jahrzehntelang galten große Ersatzteillager als unverzichtbare Grundlage industrieller Versorgungssicherheit. Doch steigende Lagerkosten, komplexe Lieferketten und immer kürzere Innovationszyklen stellen dieses Modell zunehmend infrage. Digitale Ersatzteile, additive Fertigung, künstliche Intelligenz und…

Die grüne Rendite: Warum der Umstieg auf nachhaltige Agrarrohstoffe das Geschäftsmodell sichert

Die grüne Rendite: Warum der Umstieg auf nachhaltige Agrarrohstoffe das Geschäftsmodell sichert

Nachhaltigkeit wird zwar längst noch nicht von allen Unternehmen und in jeder Branche in den Fokus gerückt, trotzdem nehmen seit vielen Jahren schon die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zu. Das…

Aktuellste Interviews

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und zugleich einer, der heute aktueller denn je ist. Wer nachhaltig bauen, bestehende Gebäude sanieren oder historische Bausubstanz erhalten möchte, kommt an…

Handwerk als strategischer Vorteil

Interview mit Matthias Fischer, Geschäftsführer der Fischer Markenschuh GmbH

Handwerk als strategischer Vorteil

Wenn Konsumsegmente unter globalem Preisdruck schwanken, zeigt ein Produkt besondere Stabilität: der Hausschuh. Während in vielen Sparten schnelle Trends dominieren oder Billigware den Markt flutet, behaupten sich Anbieter wie die…

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Interview mit Micaela Pallini, Geschäftsführerin der Pallini S.p.A.

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Die Spirituosenbranche befindet sich im Wandel: Neue Konsumgewohnheiten, steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen und wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig bleiben die Herkunft und die Qualität eines Produkts…

TOP