„Wie können wir dem Kunden etwas bieten?“

Interview mit Julia Klinglmüller, MSc, Geschäftsführerin und Eigentümerin der ziwa Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Klinglmüller, Sie betreiben zehn Fachmarktzentren in Österreich. Beschreiben Sie uns bitte das Konzept Ihrer ziwa Parks.

Julia Klinglmüller: In unseren bestehenden zehn ziwa Parks möchten wir Shop-Partner:innen und Besucher:innen einen guten Mix an Geschäften und Dienstleistungen anbieten. Dabei ist auf das Gleichgewicht der Branchen ebenso zu achten wie auf regionale Besonderheiten. Unsere ziwa Parks sind allesamt eingeschossig und umfassen – je nach Standort – zwischen vier und 19 Einheiten. Jedes Geschäft ist – im Unterschied zu klassischen Shoppingcentern – separat von außen zugänglich und jeder ziwa Park bietet ausreichend kostenlose Parkplätze.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen vom Branchenmix. Wie sieht dieser Mix aus?

Julia Klinglmüller: Das hängt natürlich von der Größe des jeweiligen ziwa Parks und den Anforderungen der Bevölkerung in der Umgebung ab. Eine perfekte Kombination sind Lebensmittelgeschäft und Drogeriemarkt. Ansonsten finden sich in unseren ziwa Parks unter anderem Apotheken, gastronomische Angebote, Schuhgeschäfte, Läden für Büro- und Schulartikel, für Handyzubehör, Textilien, Tiernahrung und Spielwaren sowie Ärzte, Kosmetikstudios sowie aber auch – seit Kurzem – eine Mentaltrainerin.

Wirtschaftsforum: Und wo sind Ihre ziwa Parks angesiedelt?

Julia Klinglmüller: Wir konzentrieren uns vor allem auf Niederösterreich. Standorte unserer ziwa Parks sind Leobersdorf, Baden, Gloggnitz, zweimal in Kottingbrunn, Lilienfeld, Loosdorf, Aspang, Oberwaltersdorf und Rabenstein.

Wirtschaftsforum: Die ziwa Group ist heute ein in 2. Generation familiengeführtes Unternehmen. Schildern Sie uns doch bitte den Werdegang der Firma.

Julia Klinglmüller: Mein Vater, Ing. Werner Ziegelwagner, hatte Anfang der 1990er-Jahre genug von der Arbeit in Konzernen und wollte sich gerne selbstständig machen. Also gründete er 1991 sein eigenes Unternehmen und eröffnete 1993 das erste Fachmarktzentrum in Gloggnitz, dem bis 2012 neun weitere folgten. Kurz nach der Gründung kam meine Mutter dazu, so dass wir von Anfang an ein reines Familienunternehmen waren. Nach dem Tod meines Vaters 2015 habe ich die Geschäftsführung der gesamten Firmengruppe übernommen. Um die Verwaltung und Organisation unserer Fachmarktzentren kümmert sich ein Team von insgesamt zehn Frauen.

Wirtschaftsforum: Was machen Sie, um neue Mieter für Ihre Immobilien zu suchen und bestehenden einen attraktiven Rahmen zu bieten?

Julia Klinglmüller: Wir stehen als österreichisches Familienunternehmen hinter jeder einzelnen Immobilie. Alle unsere ziwa Parks wurden von unserer Firmengruppe zu 100% selbst entwickelt, geplant, gebaut und bis heute selbst verwaltet. Unser Service gliedert sich in 2 wesentliche und noch dazu sehr unterschiedliche Aufgabenbereiche: Facility Management und Centermanagement. Letzteres umfasst den Bereich Marketing, der immer stärker in den Fokus rückt. Das können gezielte Aktivitäten in den Parks wie Promotionaktionen sein, zum Beispiel Eis am Schulschluss verteilen, das Sponsoring lokaler Sportevents oder von Fußballmannschaften. Das alleine reicht aber nicht mehr: wir sind mittlerweile bei einem 360° Marketing, das auch Online- und Social Media Aktivitäten gezielt in unsere Gesamtmarketingstrategie einbaut. Idealerweise machen wir diese Dinge immer in Kombi mit Shop-Partner:innen – das ist letztlich auch die Idee dahinter, miteinander einfach mehr Wirkung erzeugen zu können. Unsere Fragen sind immer: „Wie schaffen wir ein Shoppingerlebnis?, „Was ist für die Kund:innen spannend?“

Wirtschaftsforum: Ein Thema, dem sich heute jedes Unternehmen stellen muss, ist die Nachhaltigkeit. Was hat die ziwa Group da zu bieten?

Julia Klinglmüller: Sehr viel, denn Nachhaltigkeit ist ein Thema, das ganz oben auf unserer Prioritätenliste steht. Mit ziwa Green forcieren wir eine Nachhaltigkeitsagenda, die aus vielen Komponenten besteht. Dazu gehören der zunehmende Einsatz von Photovoltaikanlagen, unsere bereits installierten E-Lade-Stationen in Kottingbrunn, Lilienfeld, Leobersdorf, Baden und Gloggnitz. Wir werden unsere ziwa Parks nach und nach modernisieren und da – wo es geht – verstärkt Holz einsetzen. Wir wollen weg vom Gas und hin zu nachhaltigeren Energieformen mit Fernwärme, Wärmepumpen und Photovoltaik auf den Dächern. Unsere Parkflächen möchten wir mit grünen Inseln, Blumenwiesen und Beeten aufwerten und an passenden Standorten haben wir Bienenvölker angesiedelt.

Wirtschaftsforum: Was, Frau Klinglmüller, macht für Sie eigentlich den Erfolg der ziwa Parks aus?

Julia Klinglmüller: Es ist die Leidenschaft, die wir und die ich persönlich jeden Tag in unsere Arbeit stecken. Wir wollen dem Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis schaffen. Das sagen wir nicht nur, sondern setzen es tagtäglich um. Wir sind auch kein Riesenkonzern, dem es nur um Zahlen geht, sondern haben alles aus familiärer Hand aufgebaut. Wir probieren, das Optimum aus jedem ziwa Park herauszuholen und ich denke, dass das auch bei jedem Kunden so ankommt. Es ist immer eine Ansprechperson da, die die Wünsche unserer Shop-Partner:innen auch ernst nimmt.

Wirtschaftsforum: Und wohin geht die Reise in den kommenden Jahren?

Julia Klinglmüller: Wir arbeiten sukzessive daran, alle Aspekte der Nachhaltigkeit noch stärker in unseren ziwa Parks umzusetzen. Wir wollen unsere älteren Zentren modernisieren, jüngere Kund:innen gewinnen und neue Fachmarktzentren erwerben. ziwa als Markennamen möchten wir weiter etablieren und bekanntmachen.

ziwa Holding GmbH
Florianistraße 2
2522 Oberwaltersdorf
Österreich
+43 2253 61480
office(at)ziwa.at
www.ziwa.at

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Das Ende des Ersatzteillagers. Wie digitale Ersatzteile die Industrie verändern

Das Ende des Ersatzteillagers. Wie digitale Ersatzteile die Industrie verändern

Jahrzehntelang galten große Ersatzteillager als unverzichtbare Grundlage industrieller Versorgungssicherheit. Doch steigende Lagerkosten, komplexe Lieferketten und immer kürzere Innovationszyklen stellen dieses Modell zunehmend infrage. Digitale Ersatzteile, additive Fertigung, künstliche Intelligenz und…

Die grüne Rendite: Warum der Umstieg auf nachhaltige Agrarrohstoffe das Geschäftsmodell sichert

Die grüne Rendite: Warum der Umstieg auf nachhaltige Agrarrohstoffe das Geschäftsmodell sichert

Nachhaltigkeit wird zwar längst noch nicht von allen Unternehmen und in jeder Branche in den Fokus gerückt, trotzdem nehmen seit vielen Jahren schon die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zu. Das…

Wie KI und moderne Hardware professionelle Trainingssimulationen erschwinglicher machen

Wie KI und moderne Hardware professionelle Trainingssimulationen erschwinglicher machen

Künstliche Intelligenz, XR-Hardware und leistungsfähige Echtzeitplattformen verändern die Entwicklung professioneller Trainingssimulationen grundlegend. Was früher hohe Budgets und lange Entwicklungszeiten erforderte, lässt sich heute deutlich schneller und kosteneffizienter umsetzen. Dieser Artikel…

Aktuellste Interviews

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Interview mit Moreno Vender, Geschäftsführer der Vender Legnami s.r.l.

„Unser Kerngeschäft ist Massivholz“

Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Welt und zugleich einer, der heute aktueller denn je ist. Wer nachhaltig bauen, bestehende Gebäude sanieren oder historische Bausubstanz erhalten möchte, kommt an…

Handwerk als strategischer Vorteil

Interview mit Matthias Fischer, Geschäftsführer der Fischer Markenschuh GmbH

Handwerk als strategischer Vorteil

Wenn Konsumsegmente unter globalem Preisdruck schwanken, zeigt ein Produkt besondere Stabilität: der Hausschuh. Während in vielen Sparten schnelle Trends dominieren oder Billigware den Markt flutet, behaupten sich Anbieter wie die…

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Interview mit Micaela Pallini, Geschäftsführerin der Pallini S.p.A.

Zwischen Genuss und Gesundheit: Neue Wege in der Spirituosenwelt

Die Spirituosenbranche befindet sich im Wandel: Neue Konsumgewohnheiten, steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen und wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig bleiben die Herkunft und die Qualität eines Produkts…

TOP