Ein vollautomatisierter Stall für besseren Tierkomfort

Interview mit Franz Wasserbauer, Geschäftsführer der Wasserbauer GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wasserbauer, was macht den Beruf des Landwirts zur schönsten Tätigkeit der Welt, wie Sie ihn einmal beschrieben haben?

Franz Wasserbauer: Als Landwirt kann man zuhause arbeiten und dadurch viel Zeit mit der Familie verbringen. Die meisten landwirtschaftlichen Unternehmen hier in Österreich sind Familienbetriebe und kommen ganz ohne Angestellte aus – das Umfeld bleibt sehr privat, überschaubar und gleichzeitig doch hochtechnisiert und profitabel. Unter diesen Bedingungen in einer ländlichen Idylle mit vielen Tieren zu leben und sie versorgen zu dürfen, macht diesen Beruf für mich zum schönsten, den es gibt.

Wirtschaftsforum: In den 35 Jahren ihres Bestehens hat sich die Wasserbauer GmbH – Ihrem Wortlaut zufolge – von einem Local Hero zu einem Global Player entwickelt. Wie verlief diese Reise?

Franz Wasserbauer: Der Grundstein unseres Unternehmens war sicherlich das Rinder-Fütterungssystem, das mein Vater damals entwickelt hat. Weil wir schon früh eine große Nachfrage im Markt nach diesem Produkt – und auch nach beständigen Verbesserungen und Weiterentwicklungen unserer Produktpalette – feststellen konnten, wuchsen mit der Zeit unser Angebot und damit auch unsere Marktanteile. In Europa sind wir in unserer Sparte schon seit einiger Zeit Marktführer.

Wirtschaftsforum: Was ist das nächste große Ziel, das Sie sich für Ihr Unternehmen gesetzt haben?

Franz Wasserbauer: Der nächste große Schritt wäre unser vollautomatisiertes Fütterungssystem, an dem unser fünfzehnköpfiges Forschungs- und Entwicklungsteam seit beinahe vier Jahren arbeitet. Wir wollen einen Fütterungsroboter anbieten können, der das Futter eigenständig aus dem Fahrtsilo entnimmt, zu den Kühen transportiert und dort vollautomatisch einfüttert – zeitgeschaltet über eine Anwendung, in der der Landwirt vorher die entsprechenden Fütterungsdaten eingegeben hat. Schon sehr bald rechnen wir mit der Auslieferung der ersten Geräte.

Wirtschaftsforum: Betrachtet man die letzten Jahrzehnte, so hat die Landwirtschaft eine beachtliche Phase der Mechanisierung durchlebt. Welche weiteren Veränderungen stehen in den nächsten Jahren an?

Franz Wasserbauer: Ich glaube, es ist einfach Fakt, dass die Betriebe immer größer werden, sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Vor zwei Jahrzehnten waren 20 Kühe noch eine normale Betriebsgröße – diese sehr kleine Dimension wird es jedoch schon in naher Zukunft kaum noch geben. Gleichzeitig wollen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich Familienbetriebe bleiben, dabei aber das Berufsleben und die Arbeitszeiten flexibel gestalten und so weit wie möglich auf den Einsatz von Fremdarbeitskräften verzichten. Der Landwirt wird in Zukunft also eine immer größere Unterstützung durch digitale Lösungen und vollautomatisierte Maschinen erhalten. Unsere Fütterungs- und Einstreuroboter zählen heute schon zu den modernsten Geräten, die es auf dem Markt gibt, und auch unsere Produkte werden in den nächsten Jahren weitere Entwicklungsphasen bis hin zur Vollautomatisierung durchleben.

Wirtschaftsforum: Gleichzeitig ist im Markt auch beim Endkonsumenten eine Verschiebung der Präferenzen zu erkennen. Fleischerzeugung gilt zunehmend als klimaschädlich und viele Menschen verzichten ganz auf Fleischkonsum. Welche Konsequenzen werden daraus erwachsen?

Franz Wasserbauer: Beim Schweinefleischmarkt kann man schon heute einen rückläufigen Trend erkennen und wir können nicht ausschließen, dass sich dieser auch auf den Rinder- und Hühnermarkt ausweitet. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir uns in 20 Jahren anders ernähren werden als heute. Aber trotz weitreichender Fortschritte im „Meatless-Meat“-Segment und sich verändernder Kundenpräferenzen werden wir keinen völlig radikalen Wandel erleben, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Landwirtschaft und Viehzucht bleiben sehr zukunftsträchtige Wirtschaftszweige.

Wirtschaftsforum: Für Konsumentinnen, die nicht auf den Verzehr von Fleisch verzichten wollen, ist eine artgerechte Tierhaltung nicht minder wichtig. Wie engagieren Sie sich für dieses Ziel?

Franz Wasserbauer: Für uns ist die wachsende Aufmerksamkeit, die das Tierwohl erfährt, ein Segen – nicht nur, weil ich mich selbst als Landwirt den Tieren verpflichtet fühle, sondern auch weil unsere technischen Lösungen konsequent für einen besseren Tierkomfort sorgen. Dank unseres Einstreuroboters können die Kühe durchgehend auf frischem Stroh stehen, während unsere automatisierten Fütterungssysteme dafür sorgen, dass die Tiere eine stete Zufuhr an frischer Nahrung erhalten, was durch reine Handarbeit nur beschwerlich und damit weniger konstant möglich wäre.

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