Von Technical Consulting bis Finanzierung: Der IT Handel im Wandel
Interview mit Mario Fladt, Director Sales & Marketing und Prokurist bei JACOB
Wirtschaftsforum: Herr Fladt, JACOB feiert ihr 35-jähriges Bestehen – eine bemerkenswerte Entwicklung. Wie hat alles begonnen?
Mario Fladt: 1990 gründete Thomas Jacob das Unternehmen als regionalen Händler für elektronische Baugruppen – buchstäblich aus dem Schlafzimmer heraus. Zehn Jahre später programmierte der damalige Werkstudent Christian Pochat, heute Hauptgesellschafter, einen der ersten Onlineshops der Branche. Damit gehörten wir zu den digitalen Pionieren und konnten unser Geschäft bundesweit skalieren. Mitte der 2000er-Jahre folgte der Schritt in den Geschäftskundenvertrieb. Ich kam 2012 hinzu, damals mit rund 50 Mitarbeitenden und 70 Millionen EUR Umsatz. Heute beschäftigen wir rund 300 Mitarbeitende und erzielen rund 350 Millionen EUR – organisch gewachsen, ohne Investoren.
Wirtschaftsforum: Sie sind vom Onlinehandel wieder näher an den Kunden gerückt. Warum?
Mario Fladt: Reiner Versandhandel reicht langfristig nicht. Geschäftskunden erwarten persönliche Ansprechpartner und technische Beratung. Deshalb kombinieren wir die digitale Reichweite unseres Onlineshops mit direkter Betreuung – telefonisch, digital oder vor Ort. Unser Headquarter ist in Karlsruhe, dazu kommen weitere Vertriebsstandorte in Leonberg bei Stuttgart, Saarbrücken, Hamburg, Berlin und Leipzig. Ziel ist, innerhalb von zwei Stunden beim Kunden zu sein. Dieses hybride Modell – digital stark, aber persönlich nah – ist unser Alleinstellungsmerkmal. Wir vereinen damit die Stärken von Onlineshop, Systemhaus und Distributor – schnell, nah und technisch kompetent. Anders als große Plattformen bieten wir echte Beratung für komplexe IT-Projekte statt bloßer Bestellungen.
Wirtschaftsforum: Nach Jahren des Wachstums hat sich der IT-Markt zuletzt abgekühlt. Wie reagiert Ihr Unternehmen?
Mario Fladt: Bis zur Coronazeit sind wir fast linear um 20% pro Jahr gewachsen. Während der Pandemie kam noch einmal ein Schub, danach folgte eine Phase der Konsolidierung. Während viele Wettbewerber zu kämpfen hatten, blieben wir stabil. Vor drei Jahren erfolgte ein Management-Buy-out: Seitdem gehört das Unternehmen den Gesellschaftern Hendrik Hörschelmann, David Mergenthaler und Christian Pochat. Diese Struktur ermöglicht schnelle Entscheidungen und langfristiges Denken. Für 2026 planen wir weiteren Wachstum – solide, aber ambitioniert.
Wirtschaftsforum: Sie leiten Vertrieb und Marketing. Wie sieht Ihre Rolle heute aus?
Mario Fladt: Ich bin aus dem Vertrieb heraus gewachsen und durfte den Bereich aufbauen. Meine Aufgabe ist strategisch und operativ zugleich: Wir entwickeln Wachstumskonzepte, bleiben aber nah am Team und den Kunden. Ich besuche regelmäßig Partner vor Ort – das hält uns authentisch und handlungsfähig. Ich habe Strukturen, Rollen und eine klare Mission geschaffen, damit unser Geschäftsmodell skalierbar bleibt.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und KI für Ihr Unternehmen?
Mario Fladt: Eine zentrale. Schon früh nutzten wir digitale Hebel – über Preissuchmaschinen, Google Shopping und Affiliate-Portale konnten wir stark skalieren. Heute prüfen wir in allen Bereichen, wo sich Prozesse optimieren lassen. Im Customer Service integrieren wir KI-gestützte Prozesse, in Buchhaltung und Einkauf laufen automatisierte Workflows. Unser Grundsatz: KI soll Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Sie schafft Freiräume für wertschöpfende Aufgaben und macht uns insgesamt effizienter.
Wirtschaftsforum: Was prägt Ihre Philosophie – und wohin steuert JACOB Elektronik in den kommenden Jahren?
Mario Fladt: Wir betreuen Kunden vom Mittelstand mit 100 bis 1.000 Mitarbeitenden bis zu Konzernen wie EnBW, Bosch oder Deutsche Bahn und bieten ihnen alles aus einer Hand – umfassendes Sortiment, persönliche Beratung und echte Fachexpertise. Vertrauen, Verlässlichkeit und Nähe sind die Basis unserer Arbeit. Intern leben wir den ‘JACOB Spirit’ – Offenheit, Verantwortung und Beteiligung statt anonymer Strukturen oder reiner Benefits. So gewinnen und halten wir Talente langfristig, weil Menschen bei uns nicht nur arbeiten, sondern mitgestalten können. Unser Ziel ist es, JACOB als führenden IT-Händler weiterzuentwickeln – kundennah, am Puls der Zeit und kulturell unabhängig. Wir wollen gesund und nachhaltig wachsen, ohne unsere Werte zu verlieren. Für mich persönlich ist das mehr als ein Job: JACOB ist eine Herzensangelegenheit. Ich freue mich sonntagabends auf den Montag, weil ich weiß, dass wir gemeinsam etwas bewegen – für unsere Kunden, unser Team und das, was wir aufgebaut haben.
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