Vertrauen ist der Anfang von allem

Andererseits

Werden diese Werte nicht gelebt und von der Elite und den Führern vorgelebt, werden Unterschiede und Ausnahmen gemacht, wird das Wertesystem ausgehöhlt und missbraucht, entsteht Misstrauen, verbreitet sich dieses Misstrauen und wächst unmerklich wie ein Krebsgeschwür, das letztlich zur (Selbst)zerstörung des Systems führt. Oder anders ausgedrückt: ein System, ein Unternehmen, das keine Werte hat oder diese nicht lebt, ist ein sterbendes System, letztlich ein wertloses Unternehmen.

Gelebte Werte, verbindliche und verbindende Werte sind folglich alles andere als ein Aushängeschild, sie sind der existentielle Nukleus eines jeden Systems. Das so häufig zitierte Schlagwort der „Unternehmenskultur“, mit dem sich heute gerne jedes Unternehmen schmückt, ist eben weit mehr als ein Schlagwort. Die Unternehmenskultur, der Umgang der Menschen in einem Unternehmen miteinander, mit den Kunden, insbesondere der Umgang und die Vorbildfunktion der Vorgesetzten sind existentiell entscheidend für ein dauerhaft erfolgreiches und gesundes Unternehmen.

Die Verbesserung von Unternehmensstrukturen und Prozessen macht nur dann einen Sinn, wenn nicht nur nach der Optimierung dieser Strukturen und Prozesse gefragt und gesucht wird, sondern wenn alle Beteiligten darauf vertrauen können, dass die dem Unternehmen zugrunde liegenden Werte eingehalten werden. Nichts steigert Effizienz und Effektivität besser und mehr, als eine gemeinsame Wertebasis.

Sobald Intransparenz und Misstrauen wachsen, verlieren Unternehmen nicht nur Glaubwürdigkeit sondern mittel- und langfristig Erfolg. Warum? Die Antwort ist einfach: weil die Energie der Mitarbeiter nicht mehr auf den Unternehmenserfolg ausgerichtet ist sondern darauf, seine Position im Dschungel von Missgunst, Misstrauen, Neid und Eitelkeiten zu sichern.

Vertrauen ist wie die Ozonschicht und das Magnetfeld der Erde. Vertrauen, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit schützen das Unternehmen vor schädlichen, ja zerstörerischen Einflüssen. Wird das Vertrauen beschädigt, wird die Unternehmenskultur beschädigt. Werden die Unternehmenskultur und die Werte löchrig, wird sich über kurz oder lang das Unternehmen selbst zerstören.

Wenn wir über Vertrauen sprechen, ist ein weiteres entscheidend: Selbstvertrauen. Selbstvertrauen zum einen in dem Sinn, dass insbesondere die Leitungsbasis und zuallererst die Geschäftsführung wissen, auf welchem Fundament sie stehen, was die sie treibenden Werte sind, und wie überzeugend sie dies sich selbst vertrauend vermitteln.

Selbstvertrauen auch in einem zweiten, viel tiefer gehenden Verständnis: im Sinne von selbst vertrauen. Wenn die Unternehmensführung in ihrer Führungsaufgabe nicht selbst vertraut, wenn sie stattdessen immer rigidere Kontrollmechanismen einführt, werden sich die Energien statt auf den Unternehmenserfolg immer stärker auf die Einhaltung dieser Kontrollmechanismen fokussieren. Das ist der Anfang vom Ende.

Besitzt die Unternehmensführung kein Selbstvertrauen in das, was sie tut und wie sie es tut, ist sie orientierungslos, und steht sie nicht für verbindliche und verbindende Werte, handelt sie wertfrei, verliert das Unternehmen an Wert und ist es letztlich wertlos. Und so ist Misstrauen kein Zeichen von Führungsstärke sondern von Führungsschwäche, ein Zeichen mangelnden Vertrauens in andere und vor allem: in sich selbst.

Ein Kommentar von Georg-W. Exler

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