Umfrage: Deutsche wünschen sich von ihren Chefs Vertrauen statt neuer Ideen

Arbeitswelt

Gefragt nach den Eigenschaften, die ihnen bei ihrem Chef besonders wichtig seien, antwortete fast ein Drittel der Befragten (32,9 Prozent) „Vertraut mir“. „Ist verlässlich in Absprachen“ gaben fast genauso viele Befragte (32,4 Prozent) an. Weniger wichtig scheint, ob der Chef ein Ziel (9,9 Prozent) oder neue Ideen hat (9,0 Prozent) oder nach der Arbeit ansprechbar ist (7,6 Prozent, maximal zwei Antworten möglich).

Die Zahlen gehen aus einer Umfrage mit repräsentativer Verteilung hervor, die das Institut für mobile Marktforschung Appinio für den Murmann Verlag durchführte. Erste Ergebnisse der Befragung sind im neuen Buch „Tasks & Teams. Die neue Formel für bessere Zusammenarbeit“ erschienen.

Gute Kommunikation ist wichtiger als Nettigkeit

Dass den Befragten das Vertrauen ihrer Chefs so wichtig ist, bestätigt Bernadette Tillmanns-Estorf vom Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun: „Chefs tun gut daran, Kontrolle abzugeben und den Mitarbeitern zu vertrauen. Einerseits entlastet es die Chefs, andererseits wird das geschenkte Vertrauen Energie in den Mitarbeitern freisetzen, sie werden viel souveräner und selbstsicherer arbeiten“, so die Leiterin der Bereiche Corporate Communications und Corporate HR.

„Auch in großen Unternehmen ist ein Wandel weg von Kontrolle und starren Hierarchien hin zu vertrauen- und kompetenzbasiertem Arbeiten möglich. Man muss dafür nur als Führungskraft bereit sein, Silos und Organigramme aufzubrechen“, erklärt Tillmanns-Estorf, die zu dem bei B. Braun eingeführten Prinzip „Tasks & Teams“ nun gemeinsam mit dem B. Braun-Vorstandsvorsitzenden Heinz-Walter Große ein Buch veröffentlicht hat.

Nach Vertrauen und Verlässlichkeit wird gute Kommunikation mit 28,6 Prozent als drittwichtigste Chef-Eigenschaft von den Befragten genannt, „fördert mich“ landet mit rund einem Viertel Zustimmung auf dem fünften Rang (25,6 Prozent). Dazwischen rangiert „ist nett zu mir“ mit insgesamt 27,6 Prozent Zustimmung – wobei diese bei Frauen (29 Prozent) stärker als bei den Männern ausfällt (26,2 Prozent).

Flache Hierarchien erlebt die Hälfte der Befragten eher selten oder gar nicht

Die Befragung zeigt aber auch: Flache Hierarchien sind in deutschen Unternehmen noch längst kein Alltag. Unter den tausend Befragten gab nur jeder Achte an, in einer Firma mit flachen Hierarchien zu arbeiten (12,6 Prozent). Etwas mehr als jeder Vierte arbeitet in weitgehend flachen Hierarchien (28,1 Prozent), eher selten erlebt diese Organisationsform fast jeder Dritte (32,8 Prozent) Mit „weiß nicht“ antworteten 8,8 Prozent. Gar keine flachen Hierarchien nannten 17,7 Prozent.

„Dass etwa fünfzig Prozent der Befragten eher selten oder gar keine flachen Hierarchien erleben, zeigt, dass bei deutschen Unternehmen Aufholbedarf besteht. Kompetenz in der Sache sollte über Lebensalter und der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit stehen. Denn flache Hierarchien können gepaart mit selbstorganisierten Formen der Zusammenarbeit zu mehr Vertrauen führen – auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Heinz-Walter Große.

Danach gefragt, was ihnen aktuell im Job fehle, antworteten entsprechend auch nur 1,9 Prozent „mehr Hierarchie“. Am meisten fehlen den Deutschen flexible Arbeitszeiten (26,2 Prozent, Mehrfachnennung möglich) sowie modernere Technik (24,5 Prozent). Über ein Fünftel der Befragten gab zudem an, es fehlten mehr Möglichkeiten der Mitbestimmung bei Entscheidungen (23,1 Prozent), eine Arbeitsumgebung, die das Arbeiten besser unterstützt (22,6 Prozent), klar strukturierte Prozesse (21,9 Prozent) sowie mehr Beständigkeit im Team (21,8 Prozent). 

Über ein Drittel nie im Home Office

Weniger Mängel sehen die Deutschen beim Arbeiten an unterschiedlichen Orten – nur 16,5 Prozent gaben an, dass ihnen im gegenwärtigen Job flexible Arbeitsorte fehlen. Nur knapp über 40 Prozent der Büroarbeiter, die wiederum rund 45 Prozent aller Befragten ausmachen, arbeiten zumindest einmal die Woche an einem Ort, der nicht das Büro ist, beispielsweise im Home Office.

Aufgeschlüsselt bedeutet dies: Ein bis zwei Mal pro Woche arbeiten 15 Prozent nicht im Büro, 11,3 Prozent arbeiten drei bis vier Mal pro Woche extern und 14,8 Prozent täglich. Während über ein Drittel nie jenseits des Büros arbeitet (34,2 Prozent), ist es bei 24,7 Prozent seltener als einmal pro Woche.

Übrigens: Mit der Anzahl der Meetings sind die Deutschen ziemlich zufrieden – danach gefragt, was ihnen im Job fehle, antworteten 6,4 Prozent „mehr Meetings“ und 7,0 Prozent „weniger Meetings“.

Zur Umfrage: Das Institut für mobile Marktforschung Appinio befragte im Auftrag des Murmann Verlag am 8. und 9. Mai 2018 insgesamt 1000 Teilnehmer in repräsentativer Verteilung.

Bild: Adobe Stock / Grafik: Murmann Publishers

Aktuellste news

Künstliche Intelligenz im Sichtfeld. Wie intelligente Datenbrillen die Arbeit in der Industrie verändern

Künstliche Intelligenz im Sichtfeld. Wie intelligente Datenbrillen die Arbeit in der Industrie verändern

Künstliche Intelligenz verlässt zunehmend den Bildschirm und wird direkt Teil der realen Arbeitsumgebung. Intelligente Datenbrillen, Digitale Zwillinge, Spatial Computing und Physical AI verändern die Art und Weise, wie Menschen mit…

In Indien investieren: Wachstumspotenzial für deutsche Unternehmen

In Indien investieren: Wachstumspotenzial für deutsche Unternehmen

Indien entwickelt sich zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für deutsche Unternehmen. Erfahren Sie, welche Chancen der Markt bietet und warum professionelle Übersetzungen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die internationale Geschäftskommunikation sind.…

Gemeinsam gegen Desinformation: Virtimo AG und Projektpartner starten das Forschungsprojekt BOSNET

Gemeinsam gegen Desinformation: Virtimo AG und Projektpartner starten das Forschungsprojekt BOSNET

Zum 1. Juli 2026 startete das zukunftsweisende Forschungsprojekt BOSNET zur Stärkung von Sicherheitsbehörden im Umgang mit Desinformation. Unter Leitung der Universität Potsdam und gemeinsam mit den Universitäten Bamberg, Tübingen und…

Aktuellste Interviews

„Wollen uns noch stärker als Lösungspartner etablieren!“

Interview mit Roger Reifler CEO / Standortleiter und Christian Bühler Marketing- und Verkaufsleiter der Verzinkerei Oberuzwil AG

„Wollen uns noch stärker als Lösungspartner etablieren!“

Korrosionsschutz ist ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Infrastruktur. Die Verzinkerei Oberuzwil AG sorgt seit über 50 Jahren dafür, dass Stahl- und Edelstahlkonstruktionen langlebig, sicher und nachhaltig genutzt werden können. Mit technischem…

„Wir wollen die KI zum Arbeitstier machen!“

Interview mit Maurus Eichenberg, Geschäftsführer der ANLEI-Service GmbH

„Wir wollen die KI zum Arbeitstier machen!“

Digitalisierung kann Verwaltung einfacher machen und gleichzeitig die Lebensqualität vieler Menschen verbessern. Genau das ist der Anspruch der ANLEI-Service GmbH mit Sitz in Kassel. Das Unternehmen entwickelt spezialisierte Software für…

Die Verbindung macht den Unterschied

Interview mit Martin Brück, Geschäftsführer der APT Advanced Polymer Tubing GmbH

Die Verbindung macht den Unterschied

Fluorpolymere sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken – ohne dass es uns bewusst ist. Ein bekanntes Beispiel sind Pfannen mit Teflon®-Beschichtung. Ihre besonderen Eigenschaften machen sie auch für industrielle Anwendungen…

TOP