glasstec 2026: Wie Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und KI die Glasbranche verändern

Die Messe deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: von Glasproduktion und Maschinenbau über Bearbeitung und Veredelung bis zu Anwendungen in Architektur und Handwerk. Fachbesucher können Technologien unterschiedlicher Hersteller direkt nebeneinander prüfen und konkrete Investitionsentscheidungen vorbereiten.

Energieverbrauch wird zur Schlüsselfrage

Glasherstellung ist energieintensiv. Entsprechend drängt die Branche die Frage, wie Produktionsprozesse dekarbonisiert werden können, ohne Wirtschaftlichkeit und Produktqualität aus dem Blick zu verlieren. Auf der glasstec sollen Technologien und Konzepte sichtbar werden, mit denen Energieverbrauch und Emissionen reduziert werden können. Hinzu kommen neue Verfahren für Produktion und Verarbeitung. Dekarbonisierung wird damit nicht ausschließlich zum Klimathema, sondern zunehmend zu einer wirtschaftlichen Frage: Wer Energie effizienter einsetzt, kann Kosten reduzieren und gleichzeitig auf strengere Anforderungen reagieren.

Kreislaufwirtschaft beginnt beim Material

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Kreislaufwirtschaft. Glas lässt sich grundsätzlich wiederverwerten, in der Praxis stellen Sortierung, Qualität und unterschiedliche Glasarten jedoch weiterhin Anforderungen an Recyclingprozesse. Die Messe greift deshalb nicht nur die Herstellung neuer Produkte auf, sondern auch die Frage, wie Materialien länger im Kreislauf gehalten werden können. Mit Formaten wie CircuClarity Two wird das Thema auch Bestandteil des Konferenzprogramms. Für Unternehmen gewinnt dieser Bereich an Bedeutung, weil Ressourceneffizienz, Materialverfügbarkeit und regulatorische Anforderungen zunehmend miteinander verbunden sind. Recycling kann damit nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch die Abhängigkeit von Rohstoffen reduzieren.

KI und digitale Technologien erreichen die Glasproduktion

Auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gehören zu den Hot Topics der glasstec 2026. Datenbasierte Produktionssteuerung, automatisierte Qualitätskontrolle und digitale Prozessoptimierung eröffnen neue Möglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Entscheidend wird jedoch sein, welche Anwendungen bereits im industriellen Alltag funktionieren. Denn gerade in energie- und kapitalintensiven Produktionsumgebungen muss Digitalisierung einen konkreten Nutzen liefern: geringerer Ausschuss, stabilere Prozesse, effizienterer Ressourceneinsatz. Die glasstec conference bringt dazu Vertreter aus Industrie, Wissenschaft und Forschung zusammen. Zum Programm gehören unter anderem die glass trends sessions, der glass melting pot und die Start-Up Sessions.

Forschung trifft auf industrielle Anwendung

Einer der zentralen Anlaufpunkte ist erneut die Sonderschau glass technology live. Gemeinsam mit den Technischen Universitäten Delft, Darmstadt, Dresden und Bochum werden dort Forschungsprojekte, neue Technologien und Anwendungen gezeigt, die sich auf dem Weg in die industrielle Praxis befinden. Gerade diese Verbindung von Forschung und Markt ist für Fachbesucher interessant: Sie können dort einschätzen, welche Technologien heute verfügbar sind und welche Entwicklungen Produktion, Architektur und Verarbeitung in den kommenden Jahren beeinflussen könnten. Auch Handwerk Live gehört wieder zum Programm. Der Bereich des Bundesinnungsverbandes des Glaserhandwerks legt den Schwerpunkt stärker auf praktische Anwendungen und Anforderungen des Glaserhandwerks.

Neue Sonderschau zu Sicherheit und resilienten Gebäuden

Neu ist 2026 die gemeinsam mit dem ift Rosenheim entwickelte Sonderschau „sicher – innovativ – nachhaltig". Im Mittelpunkt stehen Glaslösungen für resiliente Gebäude und kritische Infrastrukturen. Damit greift die glasstec ein Thema auf, das angesichts neuer Sicherheitsanforderungen an Gebäude und Infrastruktur an Bedeutung gewinnt. Glas muss dabei nicht nur gestalterische und energetische Anforderungen erfüllen, sondern zunehmend auch Schutzfunktionen übernehmen. Auch die Architektur bleibt deshalb ein wichtiger Bestandteil der Messe. Im architecture forum präsentieren Architekturbüros Projekte und Entwicklungen rund um Gebäudehüllen und konstruktive Glasanwendungen.

Neues Netzwerkformat Women in Glass

Mit Women in Glass kommt 2026 ein neues Format hinzu. Es soll weibliche Fach- und Führungskräfte der Glasbranche sichtbarer machen und den Austausch innerhalb des internationalen Netzwerks fördern. Junge Unternehmen erhalten über Start-up Sessions und die Start-up Zone Raum, neue Technologien und Geschäftsmodelle vor Entscheidern der Branche zu präsentieren. Die Messe verbindet etablierte Anbieter mit Unternehmen, die neue Ansätze bei Digitalisierung, Materialien oder Produktionsprozessen entwickeln.

Vier Tage für die internationale Glasbranche

Die glasstec 2026 findet vom 20. bis 23. Oktober auf dem Messegelände Düsseldorf statt. Für Besucher ist die Messe an allen vier Tagen jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Themen zeigen, vor welchen Veränderungen die Glasindustrie steht. Energieintensive Produktionsprozesse müssen effizienter werden, Materialien sollen stärker in Kreisläufen geführt werden, und digitale Technologien versprechen neue Möglichkeiten für Produktion und Qualitätssicherung. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Architektur und Sicherheit. Für Fachbesucher dürfte deshalb vor allem interessant sein, welche Lösungen bereits über Forschungs- und Pilotprojekte hinaus sind. Denn bei Dekarbonisierung, Recycling und KI entscheidet am Ende nicht allein die technische Möglichkeit, sondern ob sich eine Innovation zuverlässig und wirtschaftlich in bestehende Prozesse integrieren lässt.

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