„Zukunftsfähige Beratung ist Teamarbeit“
Interview mit Alexander Schiller, Geschäftsführer der merkur-start up GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Schiller, 2024 haben Sie 20 Jahre merkur-start up gefeiert. Wenn Sie auf die Anfänge Ihres Unternehmens zurückblicken – was war der prägende Moment?
Alexander Schiller: Der Anfang war fast pragmatisch. Mein Vater war damals im Ausbildungsbereich tätig, selbst Unternehmer, und wurde von der Arbeitsagentur gefragt: „Was können wir Gründern anbieten?“ Aus ein paar Beratungen wurden im ersten Jahr rund 1.500. Da war klar: Das passt nicht mehr in eine Schulstruktur, wir brauchen eine eigene Gesellschaft. Diese Ausgründung 2004 war der erste große Schritt – und gleichzeitig die Festlegung auf ein klares Thema: professionelle Gründungsberatung.
Wirtschaftsforum: Ein Familienunternehmen mit juristischem Hintergrund – wie prägt das Ihre Arbeit?
Alexander Schiller: Wir sind tatsächlich alle Juristen in der Familie. Das hilft, weil Gründungen immer auch rechtliche Fragen berühren. Gleichzeitig haben wir früh verstanden: Es gibt nicht „den“ Gründungsberater. Unternehmensaufbau ist Teamarbeit. Deshalb haben wir Steuerberater, Marketingexperten, Fachleute für Finanzierung, Personal und Digitalisierung im Netzwerk. Heute arbeiten wir mit rund 150 Beratern an über 80 Standorten. Unser Ansatz war von Anfang an: Der Gründer bekommt das passende Team – nicht eine Einheitslösung.
Wirtschaftsforum: Sie sind von Seminaren zur individuellen Beratung gewechselt. Warum?
Alexander Schiller: Seminare sind gut für den Einstieg. Aber sie sind selten nachhaltig genug. Jede Gründung ist anders. Also haben wir gemeinsam mit Institutionen wie der Bundesagentur für Arbeit individuelle Maßnahmen entwickelt. Heute liegt unser Fokus klar auf Einzelberatung. Das ist organisatorisch anspruchsvoller, aber deutlich wirksamer. Und die Qualität lässt sich besser sichern.
Wirtschaftsforum: Qualität ist ein Stichwort. Sie wurden jüngst mit einem Bildungsträger-Award ausgezeichnet.
Alexander Schiller: Ja, darauf bin ich wirklich stolz. Das ist keine Auszeichnung für einen Geschäftsführer, sondern für das gesamte Team. Wir haben im Gründungssegment bundesweit den ersten Platz belegt. Das bestätigt unseren Anspruch. Wir sind ehrlich – auch wenn das weh tut. Wenn wir keine tragfähige Geschäftsidee sehen, sagen wir das. Wir schicken niemanden sehenden Auges in eine Sackgasse. Diese „brutale Ehrlichkeit“ schafft Vertrauen.
Wirtschaftsforum: Corona war für viele ein Einschnitt. Für Sie offenbar eher ein Beschleuniger.
Alexander Schiller: Absolut. Wir hatten schon vor 2020 in Online-Beratung investiert. Als die Lockdowns kamen, konnten wir praktisch über Nacht umstellen. Unsere Berater waren geschult, die Infrastruktur stand. Wirtschaftlich war das eher Wachstum als Rückschritt. Diese strategische Entscheidung, früh auf Digitalisierung zu setzen – auch geprägt durch meine eigene unternehmerische Erfahrung im Digitalbereich –, hat sich ausgezahlt.
Wirtschaftsforum: Neben Gründungsberatung bieten Sie inzwischen auch Karriere- und Jobcoaching sowie Arbeitsvermittlung an. Warum diese Erweiterung?
Alexander Schiller: Weil wir Verantwortung übernehmen. Wenn wir jemandem sagen, dass die Selbstständigkeit nicht der richtige Weg ist, müssen wir eine Alternative anbieten können. Deshalb haben wir unser Spektrum erweitert – bis hin zur zertifizierten Arbeitsvermittlung. Unser Ziel ist es, jede Phase abzudecken: von der Orientierung über die Gründung bis zur Weiterentwicklung oder Neuorientierung.
Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Rolle persönlich im Unternehmen?
Alexander Schiller: Ich verstehe mich eher als Teamleader denn als klassischer Geschäftsführer. Kommunikation ist zentral. Wir haben mehrere Jour fixe pro Woche, eigene Digitalisierungsrunden, inzwischen auch eine KI-Taskforce. KI ist für uns Chance und Herausforderung zugleich. Viele Gründer kommen mit KI-generierten Businessplänen. Aber die Gründerpersönlichkeit, die Stabilität, das Durchhaltevermögen – das kann keine Software bewerten. Das bleibt unsere Aufgabe.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Alexander Schiller: Zum einen natürlich das Familienunternehmen. Ich wollte meinen eigenen Beitrag leisten und nicht nur verwalten, was da ist. Zum anderen begeistert mich die Vielfalt. Wir begleiten Windparkbetreiber, Fintechs in Frankfurt, kleine Handwerksbetriebe, Ärzte, von innovativen Tech-Start-ups bis zu etablierten Handwerks- und Gesundheitsbetrieben – wir erleben die gesamte Breite unternehmerischer Realität. Wenn ein Gründer später erfolgreich ist und man weiß: Wir waren am Anfang mit dabei – dann ist das schon ein besonderer Moment. Insofern, ja, wir sind ein Stück weit Geburtshelfer der deutschen Wirtschaft.
Wirtschaftsforum: Und wo steht merkur-start up in fünf Jahren?
Alexander Schiller: In fünf Jahren möchte ich, dass wir weiter gewachsen sind – aber nicht um jeden Preis. Unser Anspruch ist Substanz vor Tempo. Wir werden spezialisierter, digitaler und strukturell noch klarer aufgestellt sein, auf dem Fundament unseres erfahrenen Beratungsteams. Wenn unser Qualitätsversprechen weiterhin unser stärkstes Marketinginstrument ist, dann haben wir alles richtig gemacht.





