südback 2026 in Stuttgart: KI und Automatisierung im Bäckerhandwerk

Wie lässt sich mit begrenzten personellen Ressourcen zuverlässig produzieren, ein attraktives Sortiment anbieten und wirtschaftlich arbeiten? Diese Frage verbindet viele der auf der südback vorgestellten Lösungen. Maschinenhersteller, Softwareanbieter und Rohstoffspezialisten setzen an unterschiedlichen Stellen an. Das gemeinsame Ziel: Abläufe vereinfachen und Betrieben mehr Handlungsspielraum verschaffen.
Automatisierung: Vom einzelnen Arbeitsschritt zum vernetzten Betrieb
Dabei erweitert sich der Blick von der einzelnen Maschine auf das Zusammenspiel im gesamten Betrieb. MIWE und BÄKO verbinden in ihrem gemeinsamen Produktionskonzept Kühlung, Backtechnik und autonome Transporttechnik. Damit rücken auch die Wege zwischen den Arbeitsschritten in den Mittelpunkt: Wie gelangen Produkte zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, und welche manuellen Eingriffe lassen sich reduzieren?
WIESHEU und WACHTEL verfolgen mit „hi, bread for ATLAS“ einen vergleichbaren Ansatz beim Backprozess. Nach Unternehmensangaben erkennt das System vorbereitete Backwaren, wählt das passende Programm und übernimmt die Beschickung sowie Entladung des Ofens. Solche Lösungen sollen wiederkehrende Aufgaben reduzieren und standardisierte Abläufe erleichtern. Für Betriebe stellt sich damit eine konkrete Investitionsfrage: Passt die Automatisierung zu Sortiment, Produktionsmenge und vorhandener Infrastruktur?
Auch VEMAG adressiert arbeitsintensive Schritte. Die automatische Portionierung von Teigen, Cremes und Füllungen kann Beschäftigte entlasten und gleichmäßige Ergebnisse unterstützen. Gerade bei steigenden Bestellmengen gewinnt diese Verbindung aus Kapazität und Prozesssicherheit an Bedeutung. Ein im Export tätiger Unternehmensmitarbeiter beschreibt im Gespräch mit Wirtschaftsforum Produktion und Verpackung als mögliche Einsatzbereiche. Gleichzeitig formuliert er eine klare Grenze: „Wir dürfen unser Handwerk nicht verlieren.“ Wachstum effizient zu bewältigen und qualitätsentscheidende Fähigkeiten zu erhalten, wird damit zur Führungsaufgabe.
KI in Bäckereien: Besser planen und Verwaltung vereinfachen
Neben der Produktion verändert sich die Organisation. KI soll Bestellungen besser planbar machen, Daten verständlicher aufbereiten und Verwaltungsarbeit verringern. FoodTracks setzt bei der datenbasierten Bestellplanung an. Im gemeinsamen Auftritt mit Samuelson und weiteren Partnern wird deutlich, wie eng Warenwirtschaft, Kassendaten und Filialsteuerung inzwischen zusammenhängen.
Pentacode richtet den Blick mit seiner KI-Plattform Yna auf Personalplanung und Personalkosten. Orgaback stellt Funktionen zur automatisierten Übernahme von Belegdaten vor, auch aus handschriftlichen Dokumenten. Für mittelständische Unternehmen liegt der Nutzen solcher Anwendungen im betrieblichen Alltag: weniger manuelle Übertragungen, schneller verfügbare Informationen und mehr Zeit für Entscheidungen. Voraussetzung bleiben verlässliche Daten und die Einbindung in bestehende Arbeitsabläufe.
Dr. Katarina Barley: Handwerkliche Kompetenz bleibt entscheidend
Dass technische Entwicklung und menschliches Können gemeinsam betrachtet werden müssen, betont auch Dr. Katarina Barley. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Brotbotschafterin 2026 spricht mit Wirtschaftsforum über eine Branche, in der junge Menschen selbstverständlich mit Technologie aufwachsen. Weitere Automatisierung hält sie deshalb auch in Backbetrieben für erwartbar. Zugleich erinnert sie daran, was den Beruf ausmacht: „Es heißt ja ‚Handwerk‘ aus einem bestimmten Grund.“
Beim Brezelschlingen und Teigkneten habe sie selbst erlebt, wie viel Erfahrung und Gestaltungskraft hinter den Produkten stehen. Für die Nachwuchsgewinnung ergibt sich daraus ein interessanter Ansatz: Ein modernes Berufsbild kann technische Unterstützung und kreative Eigenständigkeit verbinden. Welche Arbeit Menschen künftig übernehmen, wird damit ebenso wichtig wie die Frage, welche Aufgaben Maschinen ausführen können.
Vollkorn und Protein: Neue Produkte als Wettbewerbsfaktor
Neue Absatzchancen entstehen zugleich über das Sortiment. Ein Mitarbeiter von GoodMills Innovation beschreibt eine Nachfrage nach Vollkorn- und proteinreichen Backwaren, die auch bei Geschmack und Konsistenz überzeugen müssen. Das Unternehmen setzt auf einzelne Zutatenbausteine, mit denen Bäckereien eigene Rezepturen entwickeln oder bestehende Produkte anpassen können. „Daraus kann ich mir die Rezepturen zusammenstellen, wie ich sie möchte“, erläutert der Mitarbeiter.
Die ersten beiden Tage der südback 2026 zeigen damit ein breites Bild unternehmerischer Erneuerung. Automatisierung kann Beschäftigte entlasten, KI die Planung verbessern und Produktentwicklung neue Kundengruppen erschließen. Für mittelständische Betriebe kommt es darauf an, diese Möglichkeiten gezielt einzusetzen: dort, wo sie Engpässe lösen, Qualität sichern und einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen schaffen.














