Technologie für effiziente und nachhaltige Landwirtschaft

Interview mit Günter Kallus, Geschäftsführer der Lagerhaus Technik-Center GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kallus, was sind heute die wichtigsten Säulen in Ihrem großen Portfolio?

Günter Kallus: Nach wie vor am wichtigsten ist das John Deere Sortiment rund um Traktoren und Erntetechnik. Wir haben vor rund 15 Jahren den John Deere Import für Österreich übernommen. Das war ein Meilenstein in unserer Entwicklung. Darüber hinaus sind wir besonders stark in den Bereichen Ackerbau- und Grünlandtechnik. Immer wichtiger wird auch der Bereich After Sales und Ersatzteile. Nicht zuletzt bieten wir Gebrauchtmaschinen an. Damit haben wir uns international aufgestellt, sind unter anderem in Bulgarien, Ungarn, der Ukraine, Rumänien, Frankreich, den Niederlanden und auch in England tätig. Vor dem Ausbruch des Kriegs waren wir auch in Russland tätig. Hier haben wir aber alle Aktivitäten eingestellt.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Trends und Innovationen beschäftigen Sie sich aktuell?

Günter Kallus: Ganz neu ist das Thema Robotic, zum Beispiel für Sensoren und Kameras. Darüber hinaus bieten wir inzwischen Lösungen mit künstlicher Intelligenz an, für die sogenannten Spot-Spray Systeme um nur eines zu erwähnen. Das sind Pflanzenschutzspraysysteme. Die Geräte haben eine integrierte Kameraführung und erkennen, welche Pflanze wieviel Pflanzenschutz benötigt. Auch eine automatische Hackung zwischen den Kulturen ist über künstliche Intelligenz möglich. Ich bin überzeugt, dass wir dadurch in den nächsten Monaten und Jahren bahnbrechende Entwicklungen erleben werden.

Wirtschaftsforum: Das heißt, die Digitalisierung ist ein wichtiger Treiber für Innovationen in Ihrem Bereich?

Günter Kallus: Absolut. Wir verkaufen kein Eisen mehr. Es geht immer weniger um Hardware und immer mehr um Software. Wir sind auch keine Verkäufer. Wir sind Geschäftspartner unserer Kunden. Die Produkte und Maschinen werden smarter und immer stärker miteinander vernetzt. Bei John Deere zum Beispiel ist bereits eine Kommunikation vom Büro in die Maschine möglich sowie in Systeme mit ausgebrachten Betriebsmitteln. Themen sind unter anderem Saatgutplanung, Ernteplanung, Ertragsberechnungen oder Düngevorschläge. Es geht also um Effizienz und Ersparnis. Das Ziel ist letztendlich immer, mit dem geringstmöglichen Einsatz an Betriebsmitteln und Saatgut einen maximalen Ertrag zu erzielen. Die Zukunft heißt Datentransfer.

Wirtschaftsforum: Gibt es auch Ansätze zum autonomen Fahren in Ihrer Branche?

Günter Kallus: Das autonome Fahren wird definitiv kommen. Die Technik ist bereits so weit, aber die Gesetzeslage in Österreich noch nicht. In den USA ist autonomes Fahren im landwirtschaftlichen Bereich bereits möglich.

Wirtschaftsforum: Welche Neuentwicklungen ergeben sich durch das Thema Nachhaltigkeit?

Günter Kallus: Es gibt alternative Antriebe. Bislang sind die aber nur bis zu einer bestimmten Größenordnung, was Zugkraft und Gewicht angeht, einsetzbar. Ein Beispiel sind die John Deere Multifuels. Hier werden synthetische Kraftstoffe und Elektroantriebe eingesetzt. Wir erwarten bis spätestens 2025 die ersten alternativen Systeme für kleinere Einheiten, zum Beispiel für den Weinbau. Potenzial steckt auch in der Ausbringung von Betriebsmitteln, zum Beispiel den bereits erwähnten Pflanzenschutzmitteln. Über die Spot-Spray Systeme ergeben sich Einsparungen von bis zu 70%, da nur dort gespritzt wird, wo es auch wirklich nötig ist. Weitere Themen sind bodenschonende Geräte und Flächentechnik. Das Ziel ist der maximale Nutzen der Fahrstrecken und den Einsatz von Spritz- und Saatgut sowie von Düngemitteln zu reduzieren.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Die Mobilitätswende im Mittelstand: Strategien für Dekarbonisierung und Rentabilität des Fuhrparks

Die Mobilitätswende im Mittelstand: Strategien für Dekarbonisierung und Rentabilität des Fuhrparks

Überall in Deutschland stehen Betriebshöfe unter Transformationsdruck. Der gesetzliche Rahmen des Corporate Sustainability Reporting Directive (CSDR) fordert mittelständische Unternehmen gemäß Scope 1 und 2 dazu auf, die Emissionsdaten ihrer Flotten…

Caroline Birke: „Erfolg ohne innere Steuerung fühlt sich erstaunlich leer an“

Caroline Birke: „Erfolg ohne innere Steuerung fühlt sich erstaunlich leer an“

Es herrscht ein Transformationsdruck bei vielen Unternehmern und Führungskräften. Ganz auf die Lösung der unzähligen Probleme und Herausforderungen fokussiert, verlieren manche dabei den Kontakt zu sich selbst. Führungskräfte Coach Caroline…

ELAM Agent

ELAM Agent

Mit dem neu entwickelten ELAM Agent gibt Armbruster einen Einblick in die Zukunft der digitalen Werkerführung. Die Vision: Montageprozesse noch einfacher, schneller und intelligenter gestalten – durch den Einsatz künstlicher…

Aktuellste Interviews

„Wir brauchen im digitalen Alltag einen Sicherheitsgurt“

Interview mit Erika Felder, Geschäftsführerin der memon bionic instruments GmbH

„Wir brauchen im digitalen Alltag einen Sicherheitsgurt“

Es beginnt mit einer persönlichen Erfahrung – und mündet in eine unternehmerische Mission. Erika und Hans Felder haben ihr erfolgreiches Immobiliengeschäft aufgegeben, um eine Technologie bekannt zu machen, die Menschen…

Handwerk mit Weitblick

Interview mit Ralf Rohwer, Geschäftsführer der ROHWER STAHL & METALLBAU GmbH

Handwerk mit Weitblick

Der Metallbau steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Steigende Anforderungen an Ergonomie, Fachkräftegewinnung und digitale Abläufe verändern die Arbeit auf der Baustelle und in der Werkstatt. Unternehmen, die diese Entwicklungen aktiv gestalten,…

Resortkonzept mit System

Interview mit Susanne Adrian, General Manager der Marissa GmbH

Resortkonzept mit System

Urlaub im eigenen Land ist gefragter denn je – mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Erwartungen. Gäste wünschen sich mehr als nur eine Ferienunterkunft: Qualität, Flexibilität und ein echtes…

TOP