„Jede Erfahrung ist ein Deal“

Immobilien-Visionär Marco Mattes über seine Unternehmerphilosophie

Initiative ergreifen trotz Gegenwind

Kaum ein Bereich der deutschen Wirtschaft bekam in den letzten Jahren wirtschaftlich so viel Gegenwind zu spüren wie die Immobilienbranche. Nach Jahren florierender Geschäfte haben sich mit dem Ukraine-Konflikt und der mit der Energiekrise einhergehenden galoppierenden Inflation die Gewinnaussichten für Immobilienentwickler deutlich eingetrübt. Aus Sicht vieler Branchenbeobachter steckt der Immobilienmarkt mitten in einer beispiellosen Konsolidierungsphase. Einstige Platzhirsche wie die Adler Gruppe vermelden Milliarden Verluste, etablierte Financiers wie die Deutsche Pfandbriefbank gehören mit ihrer Performance an der Börse heute zu den Schlusslichtern. Für Marco Mattes, Namensgeber und Gründer der Mattes Unternehmensgruppe, ist all das dennoch kein Grund den Kopf hängen zu lassen . Im Gegenteil - der Immobilienentwickler aus Bad Kreuznach appelliert gerade jetzt das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen und will neue Akzente auf dem Immobilienmarkt setzen. „Wir wollen zeigen, welches Potenzial im deutschen Immobilienbestand steckt und durch kreative Umnutzung einen Beitrag gegen den Wohnraummangel in Deutschland leisten“, erklärt er seinen Weg nach vorne. Was macht ihn so zuversichtlich?

Intuition als unternehmerische Triebfeder

Für Mattes, der bereits im Alter von 15 Jahren die ersten Schritte in die Selbstständigkeit machte, ist das Vertrauen auf die eigene Intuition ein wesentlicher Grundstein für Erfolg. „Der große Hit entsteht nicht allein in der Detailarbeit an der Excel-Tabelle, sondern erst wenn man selbstbewusst seiner Intuition folgt“, berichtet er. Deshalb arbeiten er und sein Team trotz der gedämpften Stimmung am Immobilienmarkt auch aktuell an neuen Transaktionen, mit denen vor allem Büroimmobilien mit hohen Leerstandsquoten zu attraktivem und energieeffizientem Wohnraum umgestaltet werden sollen. Eine Art Strategie zur Wiederbelebung des ins Stocken geratenen Geschäfts gerade im Bürogebäudesektor. Und angesichts der aktuellen konjunkturellen Lage ein durchaus mutiger, antizyklisch anmutender Ansatz, der bei vielen Beobachtern für Erstaunen sorgen dürfte. Doch Mattes scheint sich davon nicht verunsichern zu lassen, auch weil er dem vermeintlichen Abwärtstrend auf dem Immobilienmarkt etwas entgegensetzen will. „Unternehmer zu sein, heißt bewusst Entscheidungen zu treffen und auch in schwierigen Lagen nicht stehen zu bleiben. Denn dann würde nichts passieren, sich nichts zum Besseren verändern“, erklärt er seinen Optimismus.

Heimtückische Ratio: Warum Vertrauen auf das eigene Gefühl so wertvoll sind

Zwar verspricht die angespannte wirtschaftliche Lage auf dem Papier nicht unbedingt die besten Ausgangsbedingungen für ambitionierte Umwandlungsprojekte wie sie die Mattes Gruppe anstrebt. Doch CEO Marco Mattes warnt davor, mit einem verengten Blick ausschließlich auf die Zahlen in eine Schockstarre zu verfallen und notwendige Investition immer weiter aufzuschieben. „Das Problem bei der Ratio ist, dass sie nicht immer nur Ratio, sondern auch stark durch gesellschaftliche Konventionen beeinflusst ist. Dieser Trugschluss kann einen schnell vom eigenen Weg abbringen“, gibt er zu Bedenken. Er plädiert für einen langfristigen Blick und Toleranz für Fehler, die sich schließlich auch auszahlen könnten. „Jede Erfahrung ist eine Chance sich zu verbessern und dazuzulernen. Die neu gewonnenen Fähigkeiten kann man auf dem Weg für sein Lebensziel einsetzen.“ Für ihn sind neue Erfahrungen „eine Art Zinseszinseffekt auf die eigene Intuition.“

Der Weg nach vorne: Energie trifft auf Mindset

Ein Grund für den Drang zur Initiative beim Immobilienentwickler, der nach eigenen Angaben für mittlerweile mehr als 35 aktive Unternehmungen im Raum Saarland und Rhein-Main verantwortlich ist, dürfte die Überzeugung vom gesellschaftlichen Nutzen des Geschäftsmodells sein. Mit den ambitionierten Umnutzungskonzepten möchte Mattes dazu beitragen, den Kampf gegen den Wohnraummangel und für Klimaschutz effektiv zu verbinden. Laut Mattes ist die Umwandlung schneller, klimafreundlicher und günstiger als der Neubau, setzt allerdings eine Menge Expertise voraus. Expertise, die er und seine Kollegen, in über 10 Jahren der Projektentwicklung aufgebaut haben wollen. Gründer Marco Mattes hat an seiner Idee festgehalten, obwohl oder gerade, weil andere Bauunternehmer Umnutzungsideen wegen Planungsunsicherheiten und bürokratischem Aufwand schnell verworfen haben. „Jeder hat eine Leidenschaft, etwas das ihn antreibt. Leider stößt das in der Gesellschaft nicht immer auf Akzeptanz und wird teilweise als Non-Sense abgetan“, resümiert er. Doch am Ende sei alles im Leben eine Zusammenführung von Energie und Mindset. „Allein das lenkt schon ziemlich viel in die richtige Bahn. Denn wenn man beides positiv einsetzt, ist es am Ende egal, ob man über Immobilien, Journalismus oder die Pharmaindustrie redet. Die Grundlagen für den Erfolg bleiben die selben.“

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