Birnen, die in Flaschen reifen

Wirtschaftsforum: Herr Haenni, die Destillerie Morand wurde im Jahr 1889 gegründet und ist seitdem in Familienbesitz. Wie stellt sich das Unternehmen aktuell dar?

Fabrice Haenni: Wir produzieren und vertreiben seit 134 Jahren in der fünften Generation am Standort Martigny im Wallis im Herzen der Alpen Eaux-de-vie, Liköre und Sirups. Der Bereich Sirups ist erst später dazugekommen und wurde in den letzten Jahren ausgebaut und verstärkt. Außerdem haben wir vor einiger Zeit Kräuter für die Küche und Kräutertees in das Sortiment aufgenommen; das war eine strategische Entscheidung, denn im gleichen Zug haben wir den Vertrieb von Bier und anderen Getränken an die Gastronomie aufgegeben.

Wirtschaftsforum: Sie sind vor allem für Ihren Williamine Morand, einen Schnaps aus Williamsbirnen, bekannt.

Fabrice Haenni: Ja, das ist unser Haupterzeugnis. Williamine verdankt seinen einzigartigen Geschmack der Williamsbirne, die ausschließlich aus dem Wallis stammt. Diese Herkunft ist Voraussetzung für unser AOP-Label. Die Birnen werden von Hand gepflückt und sortiert, zerstampft, bis zu 30 Tage fermentiert und danach destilliert. Für 1 l Williamine Morand werden 12 kg Williamsbirnen benötigt. Neben Williamsbirnen verarbeiten wir die traditionelle Walliser Aprikosensorte Luizet zu Abricotine. Wir haben unsere eigenen Luizet-Obstgärten im Bezirk Martigny. 

Wirtschaftsforum: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Fabrice Haenni: Wir verarbeiten nur die besten Früchte und wählen diese von Hand aus. Dadurch sind unsere Spirituosen von außergewöhnlicher Qualität. Und wir arbeiten regional, beziehen alle Birnen ausschließlich aus der Region.

Wirtschaftsforum: Eine Besonderheit von Morand ist die Birne, die in der Flasche wächst.

Fabrice Haenni: Das ist ein sehr delikates Gewächs, die Flasche wird während des blühenden Wachstums am Baum befestigt und die Birne wächst in der Flasche. Ein großer Teil der Flaschen geht dabei zu Bruch.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat der Sirup-Bereich für Ihr Unternehmen?

Fabrice Haenni: Wir haben aktuell ein Sortiment von mehr als 60 verschiedenen Geschmacksrichtungen und generieren 50% unseres Umsatzes mit Sirup-Produkten. Fast alle Destillerien stellen Sirup her, aber wir haben einen Schwerpunkt daraufgelegt. Sirup ist ein strategisches Segment für uns, in dem wir auch mit einem Partner in Frankreich zusammenarbeiten. Wir sind sehr kreativ und entwickeln praktisch jedes Jahr zwei bis fünf neue Geschmacksrichtungen. Unser Bestseller ist Grenadine-Sirup. Hier ist übrigens sehr interessant, dass der Konsum unterschiedlich ist. Während in der französischen Schweiz viele Haushalte Sirup kaufen, um ihn gemischt mit Wasser zu trinken, ist es im deutschsprachigen Segment hauptsächlich die Gastronomie, die unsere Produkte kauft.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Fabrice Haenni: Wir wollen mehr exportieren. Derzeit liegt unser Exportanteil erst bei 10%, vor allem Deutschland, Frankreich und Luxemburg; diese Segmente sollen stark ausgebaut werden.

Louis Morand & Cie SA
Place de Plaisance 2
1920 Martigny
Schweiz
Tel.  +41 27 7222036
Fax +41 27 7227530
info(at)morand.ch
www.morand.ch

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