„Wenn die Branche sagt, das geht nicht, wird es erst richtig interessant“

Interview mit Co Verburg, Geschäftsführer der Washtower MRK GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Verburg, wie entstand die Idee zu Washtower?

Co Verburg: Eigentlich komme ich aus der Küchenbranche. Fast 20 Jahre war ich für deutsche Küchenhersteller tätig, habe mich mit Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing beschäftigt. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich alles wiederholt. Gleichzeitig sah ich Märkte, in denen aus meiner Sicht enormes Potenzial schlummerte. Bei Washtower ging es um eine Frage, die viele beschäftigt hat: Wie kann man Waschmaschine und Trockner sicher und dauerhaft in Möbel integrieren? Die Branche war überzeugt, dass das nicht funktioniert. Genau das hat mich gereizt.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie diese Herausforderung gelöst?

Co Verburg: Indem wir nicht das Gerät, sondern die Möbelkonstruktion neu gedacht haben. Wir haben eine Lösung entwickelt, die schließlich sogar den TÜV überzeugt hat. Das war ein entscheidender Moment. Dort sagte man mir zunächst sinngemäß: „Das haben schon viele versucht, das funktioniert nicht.“ Nach mehreren Tests kam die Bestätigung. Da wussten wir, dass wir etwas Besonderes geschaffen hatten. Anschließend haben wir Patente und Schutzrechte international sichern lassen.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelte sich das Unternehmen danach?

Co Verburg: Zunächst ganz klassisch über den Fachhandel. Die eigentliche Überraschung kam aber von den Endkunden. Über unsere Website erhielten wir plötzlich täglich Anfragen von Menschen, die direkt bei uns kaufen wollten. Das hat unser Denken verändert. 2017 starteten wir unseren ersten Onlineshop. Ohne große Werbung. Trotzdem kamen sofort Bestellungen. Für mich war das eine wichtige Lektion: Das Kaufverhalten der Verbraucher hatte sich viel schneller verändert, als viele Branchen glaubten.

Wirtschaftsforum: Heute ist Washtower international aktiv. Wie sieht das Geschäft aus?

Co Verburg: Rund 70% unseres Umsatzes erzielen wir außerhalb der Niederlande. Deutschland ist mit Abstand unser wichtigster Markt. Insgesamt sind wir heute in zwölf Ländern aktiv. Gleichzeitig haben wir unser Sortiment konsequent erweitert. Aus einer einzelnen Lösung wurde ein modulares System für moderne Hauswirtschaftsräume. Unser Ziel ist immer, Funktionalität, Design und Alltagstauglichkeit miteinander zu verbinden.

Wirtschaftsforum: Was macht den Erfolg von Washtower aus?

Co Verburg: Wir lösen ein Problem, das viele Menschen sofort verstehen. Unser Waschmaschinenschrank ist nicht spektakulär im klassischen Sinn. Ich sage oft: Es ist nicht sexy. Aber sobald jemand die Lösung sieht, denkt er: Genau das brauche ich. Dazu kommt unsere konsequente Ausrichtung auf Qualität. Wir waren die Ersten in diesem Bereich und sind bis heute die Einzigen mit einer entsprechenden TÜV-Zertifizierung. Darauf sind wir stolz.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und KI?

Co Verburg: Eine enorme. Wir haben früh erkannt, wie stark digitale Kanäle das Kaufverhalten beeinflussen. Heute beschäftigen wir uns intensiv mit KI-Anwendungen. Die Entwicklung ist rasant. Wenn man einen Monat nicht aufpasst, hat man schon etwas verpasst. Künftig werden Kunden ihre Räume beschreiben und automatisch komplette Planungsvorschläge erhalten. Davon bin ich überzeugt.

Wirtschaftsforum: Auch Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für viele Unternehmen. Wie gehen Sie damit um?

Co Verburg: Wir haben unser neues Firmengebäude nahezu energieautark gebaut, nutzen 250 Solarmodule und zahlreiche Ladepunkte. Zudem verzichten wir bei Verpackungen konsequent auf Polystyrol und setzen stattdessen auf Kartonlösungen. Nachhaltigkeit kostet manchmal mehr Geld. Trotzdem gehört sie für mich zur unternehmerischen Verantwortung.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie die Unternehmenskultur beschreiben?

Co Verburg: Jung, dynamisch und neugierig. Wir haben viele junge Mitarbeiter im Team, die digitale Entwicklungen vorantreiben. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf persönliche Kommunikation. Wer bei uns Kunden berät, soll das mit Begeisterung tun. Menschen spüren sofort, ob jemand Freude an seiner Arbeit hat.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?

Co Verburg: Wir möchten unsere innovativen Badmöbel- und Küchenlinien weiterentwickeln und im Jahr 2027 unser internationales Wachstum weiter vorantreiben. Besonders wichtig ist mir aber die langfristige Perspektive. Zwei meiner drei Töchter arbeiten bereits im Unternehmen. Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Alles, was wir tun, soll auch morgen noch Bestand haben.

Wirtschaftsforum: Herr Verburg, vielen Dank für das Gespräch.

Co Verburg: Sehr gerne.

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