Wenn Arbeitsräume zu Begegnungsorten werden
Interview mit Luca Stracke, Geschäftsführer der pro office Büro- und Objekteinrichtung VertriebsGmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stracke, wann wurde das Unternehmen gegründet und wie hat es sich seitdem entwickelt?
Luca Stracke: Das Unternehmen wurde 1990 von meinem Vater und zwei weiteren Partnern in Lemgo gegründet. Ich bin seit knapp acht Jahren dabei und seit Anfang dieses Jahres in der Geschäftsführung. Was mich an der Branche gereizt hat, war nie das Produkt. Mich hat immer das Thema dahinter fasziniert: Das Büro ist ein kulturelles Thema, da steckt viel Veränderung drin. Unternehmen dabei zu begleiten, Räume zu schaffen, die die Ziele der Organisation unterstützen und den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden, das ist nach wie vor meine Leidenschaft. Heute gehören wir zu den wenigen größeren Unternehmensgruppen in einer Branche mit mehr als 400 Fachhändlern in Deutschland. Insgesamt beschäftigen wir rund 200 Menschen, knapp 80 davon in Lemgo.
Wirtschaftsforum: Wie haben sich die letzten Jahre, vor allem die Pandemie, auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Luca Stracke: Zunächst hieß es, das Büro sei ausgestorben und künftig würden alle dauerhaft im Homeoffice arbeiten. Später wurde deutlich, dass ausschließliches Homeoffice ebenfalls keine Lösung ist. Heute geht es um einen sinnvollen Mix. Für uns war das ein wichtiger Impuls. Unsere Kunden fragten nicht mehr nur nach Schreibtischen und Drehstühlen, sondern danach, wie viel Fläche sie künftig brauchen, welche Tätigkeiten noch im Büro stattfinden und was Räume leisten müssen. Das hat unseren Wandel vom klassischen Fachhändler zum ganzheitlichen Dienstleister deutlich beschleunigt.
Wirtschaftsforum: Wie sieht diese ganzheitliche Begleitung aus?
Luca Stracke: Früher begann ein Projekt meist direkt mit der Planung. Heute setzen wir früher an und sprechen in einer Art Leistungsphase null mit Geschäftsführung, Führungskräften und Fachbereichen. Wir analysieren Arbeitsweisen, Erwartungen und Veränderungsbedarfe. So lassen sich wichtige Entscheider früh einbinden und spätere Korrekturen vermeiden. Das Konzept steht damit stärker über der einzelnen Produktlösung. Planung und Innenarchitektur gehören seit der Gründung zu unserer DNA. In Lemgo arbeiten 14 Innenarchitekten; gemeinsam mit dem Consulting begleiten wir den gesamten Prozess von der Analyse bis zur Montage.
Wirtschaftsforum: Welche Kunden sprechen Sie besonders an?
Luca Stracke: Unser Schwerpunkt liegt im B2B-Bereich und im regionalen Mittelstand. Besonders interessant sind Unternehmen mit mindestens 25 bis 50 Beschäftigten in der Verwaltung. Dort können wir mit unseren Konzepten echten Einfluss ausüben und partnerschaftlich arbeiten. Wir betreuen aber auch große Kunden mit mehreren Niederlassungen und realisieren Projekte im DACH-Raum sowie in weiteren europäischen Ländern.
Luca Stracke: Daten werden für die Büroplanung immer wichtiger. Mit spatio.AI führen wir Befragungen durch, die eine belastbare Grundlage für unsere Beratung schaffen. Digitale Buchungssysteme helfen, Arbeitsplätze und Räume in hybriden Arbeitsmodellen flexibel zu organisieren. Hier arbeiten wir mit unserem Partner desk.ly zusammen. Intern wollen wir unsere Wertschöpfungsprozesse digital abbilden und gezielt automatisieren. KI nutzen wir bereits unterstützend in verschiedenen Bereichen, auch in der Grundrissplanung und Innenarchitektur. Wegen komplexer Arbeitsstättenrichtlinien ist der Einsatz in Deutschland jedoch anspruchsvoll: Die Technik muss überzeugende Entwürfe liefern und zugleich alle Vorgaben berücksichtigen.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet Nachhaltigkeit bei pro office?
Luca Stracke: Unsere Gruppenvision lautet: „Wir schaffen nachhaltig Räume für dich.“ Das steht für unseren ganzheitlichen Anspruch vom ersten Gespräch bis zur Montage. Nachhaltigkeit umfasst für uns soziale, ökologische und wirtschaftliche Verantwortung, aber auch langlebige und sinnvolle Raumkonzepte. Wir liefern nicht einfach irgendeine Ausstattung, sondern hinterfragen Anforderungen und suchen gemeinsam mit dem Kunden nach einer langfristig passenden Lösung. Das kann auch bedeuten, vorhandene Möbel weiterzuverwenden, sie in neue Konzepte zu integrieren oder weniger Fläche und Mobiliar einzuplanen.
Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie das Büro der Zukunft?
Luca Stracke: Niemand kann heute genau vorhersagen, wie stark KI und Automatisierung die Arbeitswelt verändern werden. Ich bin aber überzeugt, dass sich das Büro zunehmend zu einem Ökosystem entwickelt. Für konzentrierte Einzel- und Routinetätigkeiten kann das Homeoffice sehr gut funktionieren. Kreative Arbeit, Lernen, Austausch und Innovation benötigen dagegen häufig das physische Zusammenkommen. Unternehmen müssen daher genau überlegen, was künftig vor Ort stattfinden soll. Das Büro wird weniger eine Ansammlung reiner Arbeitsplätze sein als vielmehr ein Ort, an dem Begegnung stattfindet.















