Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten
Interview mit Ina Klassen, Geschäftsführerin der FRIWO Gerätebau GmbH

Wirtschaftsforum: „Verantwortung übernehmen, Zukunft gestalten“ – so lautet die klare Mission, mit der die FRIWO Gerätebau GmbH als Hersteller von Ladetechnik und Stromversorgungslösungen am Markt auftritt. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich derzeit?
Ina Klassen: Wir möchten uns in Zukunft noch stärker auf unser Kerngeschäft mit den Bereichen E-Mobility, Medical, Industrial Applications, Lifestyle Solutions und Specialized Tools fokussieren, mit denen wir groß geworden sind. Gleichzeitig beobachten wir aufmerksam weitere Marktchancen und prüfen kontinuierlich, in welchen Anwendungsfeldern unsere Lösungen zukünftig einen zusätzlichen Mehrwert schaffen können. Uns ist jedoch besonders wichtig, den strategischen Fokus zu bewahren. Wer zu viele Themen gleichzeitig verfolgt, läuft Gefahr, seine Stärken zu verwässern. Deshalb konzentrieren wir unsere Ressourcen konsequent auf die Bereiche, in
denen wir über besondere Kompetenz, Marktkenntnis und Wachstumspotenzial verfügen. Dort wollen wir Innovationen beschleunigen und unsere Marktposition weiter ausbauen.
Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie dabei die wichtigsten Erfolgsgrundlagen für die Zukunft?
Ina Klassen: Eine große Stärke von FRIWO liegt unter anderem darin, dass wir gemeinsam mit unseren Kunden in angemessener Zeit zielgerichtete Lösungen entwickeln und fertigen können. Natürlich bieten wir auch Standardnetzteile an. In diesem Bereich ist der Wettbewerbsdruck durch asiatische Marktteilnehmer jedoch besonders hoch, da sie häufig innerhalb weniger Monate vorgestellte Innovationen aufgreifen. Unsere Kernkompetenz liegt hingegen in der Anpassung unserer Technologie an die oft komplexen Anforderungen der jeweiligen Kundenumgebung. Die Ladegeräte werden schließlich immer intelligenter und bieten zunehmend nützliche Zusatzfunktionen. Besonders interessant sind für uns deshalb relevante Premiumsegmente, in denen spezifische Lösungen gefordert, High-Power-Anwendungen nachgefragt oder – wie im Bereich Medical & Healthcare Solutions – besonders strenge regulatorische Anforderungen gestellt werden.
Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie die derzeitige Marktlage?
Ina Klassen: Das Nachfrageverhalten in Deutschland und Europa ist weiterhin verhalten. Wir sind aber überzeugt, dass der Markt in den kommenden Jahren deutlich zulegen wird – daran wollen auch wir teilhaben. Insbesondere wollten wir auch außerhalb des DACH-Raums wachsen, unter anderem mit unserer Niederlassung in den USA. Umso wichtiger ist es für uns, technologisch stets einen Schritt voraus zu sein und konsequent eine kurze Time-to-Market zu gewährleisten.
Wirtschaftsforum: Wie gelingt Ihnen das?
Ina Klassen: Wir verfügen über eine starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Deutschland mit Fachleuten, die über langjährige Erfahrung verfügen und auch an unseren Kundengesprächen teilnehmen, um die konkreten Anforderungen unmittelbar aufzunehmen. Parallel dazu arbeitet ein weiteres Entwicklungsteam in Vietnam. Dort haben wir Zugriff auf viele junge, besonders motivierte Talente, die sich in unsere Entwicklungsprojekte einbringen möchten. Inzwischen haben wir unsere gesamte Fertigung nach Vietnam verlagert, weil der Markt nicht mehr bereit ist, Preise zu zahlen, die sich aus deutschen Fertigungskosten ergeben. Bei der Qualität besteht keinerlei Unterschied zwischen unseren in Vietnam hergestellten Produkten und den früher in Deutschland gefertigten Lösungen. Um künftig noch schneller auf die sich ständig wandelnden Kundenbedürfnisse reagieren zu können, arbeiten wir zudem an umfassenden Digitalisierungsmaßnahmen – und selbstverständlich spielt inzwischen auch KI bei FRIWO eine wichtige Rolle.
Wirtschaftsforum: Sie selbst sind seit 2007 für FRIWO tätig. 2025 wurden Sie gemeinsam mit Dominik Wöffen zur Geschäftsführerin ernannt. Was hat Sie all diese Zeit an diesem Unternehmen fasziniert?
Ina Klassen: FRIWO hat in diesen knapp zwei Jahrzehnten viele verschiedene Phasen durchlaufen, und es gab immer viel Raum für alle Mitarbeitenden im Unternehmen, diese Reise maßgeblich mitzugestalten. Egal, was kam und wie schwierig das Marktumfeld manchmal auch war: Wir haben immer einen Weg gefunden, erfolgreich weiterzumachen, was uns alle sehr motiviert hat. Daran wollen wir auch künftig festhalten.
Wirtschaftsforum: Was überzeugt motivierte Mitarbeitende an FRIWO als Arbeitgeber?
Ina Klassen: Wir sind ein engagiertes Team mit vielen jungen, dynamischen Menschen, die etwas verändern möchten. Zugegeben, an unserem Standort Ostbevern in der Nähe von Münster liegt die nächste technische Hochschule nicht direkt um die Ecke. Dennoch konnten wir entsprechende Forschungskooperationen schließen. Bei FRIWO ist es uns gelungen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich gut ausgebildete Mitarbeitende gern einbringen – beginnend mit einer strukturierten Einarbeitung, bei der alle das Unternehmen mit seinen Abteilungen und Facetten kennenlernen können. Gerade dieser persönliche Kontakt, der bei uns von Anfang an selbstverständlich ist, wird sehr geschätzt – auch bei unseren gemeinsamen Mittagessen, Sommerfesten und Weihnachtsfeiern. Gemeinsam wollen wir nun das große Marktpotenzial ausschöpfen, das sich in den kommenden Jahren in unseren Segmenten bietet.











