„Es ist ein geordneter Übergang zu erwarten“

Interview mit Prof. Dr. Eike-Christian Hornig

Wirtschaftsforum: Aktuell stellen sich die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz in unterschiedlichen Städten vor und beantworten Fragen ihrer Parteimitglieder. Wer legt das für Sie überzeugendste Konzept vor?

Prof. Dr. Eike-Christian Hornig: Das kommt darauf an, wo man politisch steht. Zudem sind die Unterschiede zwischen den Dreien auch nicht riesengroß. Auffällig ist dagegen, wie alle drei unterschiedlichen Rollen in diesem Dreikampf angenommen haben.

Annegret Kramp-Karrenbauer setzt insbesondere auf ihre Regierungs- und Wahlkampferfahrung und versucht sich als die politisch erfahrenste darzustellen. Genau das Gegenteil macht Jens Spahn, der sich als Modernisierer der Partei versteht und seine Kandidatur als ein Signal der Verjüngung der Partei vermittelt. Friedrich Merz dagegen versucht die Tatsache, dass sein Engagement schon lange zurück liegt, zum Vorteil zu wenden. Demnach wisse er noch wie "40%-CDU" geht und kann dies in die Zukunft übertragen.

Wirtschaftsforum: Der CDU-Parteitag findet im Dezember in Hamburg statt. Hier soll der Nachfolger von Angela Merkel gewählt werden. Wer hat Ihrer Meinung nach, die größten Chancen auf den Sieg bei der Abstimmung?

Prof. Dr. Eike-Christian Hornig: Bislang sieht es ja so aus, als liefe es auf Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer zu, während Spahn etwas abgeschlagen ist. Fakt ist, dass die Wahl von der mittleren Funktionärsebene der Partei vorgenommen wird, also vielen Landtagsabgeordneten und Funktionären auf Landes- und einige auch der Kommunalebene. AKK hat durch ihre Zuhör-Tour die Möglichkeit gehabt, sich mit diesen Akteuren eng zu vernetzen und sie kennen zu lernen. Als Kopf des Apparates im Adenauer-Haus konnte sie ihre Zeit als Generalsekretärin entsprechend nutzen. Merz fehlt diese Verbindung, Spahn hat sie schon eher, da auch er sehr aktiv innerhalb der Partei gewesen ist. Merz hat allerdings einen starken Rückhalt in seinem Landesverband NRW, der allein ein Drittel der Delegierten stellt. Es wird also sehr eng werden.

Wirtschaftsforum: Können Sie abschätzen, wie es nach dem Parteitag, je nach neuer Führungsspitze der Partei, für die CDU und vor allem für die Regierung weitergeht?

Prof. Dr. Eike-Christian Hornig: Fest steht, dass Angela Merkel als Kanzlerin gewählt ist und die CDU wird nicht durch die Besetzung des Vorsitzes in Aktionismus ausbrechen und Merkel loswerden wollen. Vielmehr ist ein geordneter Übergang zu erwarten, der ganz darauf ausgerichtet sein wird der neuen Vorsitzenden oder dem neuen Vorsitzenden die bestmöglichen Startchancen auf die nächste Bundestagswahl zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass meiner Vermutung nach, Merkel ein Jahr oder anderthalb Jahre vor dem Ende der Legislaturperiode aus dem Amt der Bundeskanzlerin zurück ziehen wird, damit der oder die Neue noch Zeit hat, eigene Akzente zu setzen und einen "Amtsbonus" zu entwickeln.

Interview: Vera Gaidies / Fotos: Adobe Stock und Prof. Dr. Hornig

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