Energiekonzepte mit Langzeitwirkung
Interview mit Jürgen Gölz, Geschäftsführer der e3 Energieanlagen GmbH

Die e3 Energieanlagen GmbH entstand 2017, um die Betriebsführung der eigenen Wärmeprojekte auf eine eigenständige und rechtlich sichere Grundlage zu stellen. Hintergrund war die komplexe Struktur mit 17 Kommanditgesellschaften und den damit verbundenen Haftungsrisiken. Schnell entwickelte sich das Unternehmen jedoch über die eigenen Projekte hinaus und betreut heute sowohl eigene als auch fremde Wärmenetze für Kommunen, Stadtwerke und Baugenossenschaften. Insgesamt werden rund 50 Wärmenetze betreut, davon etwa 20 eigene und 30 externe. Mit 35 Mitarbeitern und zahlreichen Partnerunternehmen trägt e3 Verantwortung für rund 500 Menschen. Einen Exportanteil gibt es nicht; der Fokus liegt bewusst auf Bayern und Baden-Württemberg. „Wir begrenzen uns bewusst auf unsere Region und konzentrieren uns auf Projekte, bei denen langfristiges Denken und regionale Verantwortung im Vordergrund stehen“, betont Jürgen Gölz.
Patentierte Lösungen für langlebige Wärmenetze
Ein entscheidender Meilenstein war die Entwicklung des patentierten Heiznetzreinigungssystems. Auslöser waren erhebliche Qualitätsprobleme in übernommenen Wärmenetzen. Statt die Flüssigkeiten auszutauschen, was Korrosionsprozesse sogar verstärken kann, entwickelte e3 ein Verfahren, mit dem Heiz- und Kühlkreisläufe im laufenden Betrieb gereinigt und auf regelwerkskonforme Qualität gebracht werden. Das schützt die Infrastruktur langfristig und vermeidet Ausfallzeiten. Das Patent besteht seit 2016 und bildet die Grundlage für weitere Innovationen. „Wir wollen nicht Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen finden und dauerhaft beseitigen“, erklärt Jürgen Gölz. Aus dieser Philosophie entstanden Entwicklungen wie die Robox zur Wasserqualitätsnachführung und der Osmotrail für die hochreine Erstbefüllung großer Wärmespeicher mit bis zu mehreren Millionen Litern Inhalt, bei denen die Wasserqualität eine entscheidende Rolle spielt. Inzwischen kommen die Systeme auch in Industriebetrieben, Kältenetzen und Rechenzentren zum Einsatz.
Regionale Energiekonzepte statt zentraler Großstrukturen
Das Kerngeschäft von e3 liegt im Aufbau und Betrieb dezentraler Wärmenetze auf Basis erneuerbarer Energien. Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zum Wandel von zentralen Großkraftwerken hin zu regionalen Versorgungslösungen. Ein Vorzeigeprojekt ist das Wärmenetz in Leutkirch, das bereits rund 400 Gebäude versorgt und perspektivisch auf 1.000 Anschlüsse wachsen soll. Der Konzessionsvertrag läuft dort bis 2050. Zum Einsatz kommen regenerative Energiequellen wie Biogas, Abwärme, Holzheizungen, Blockheizkraftwerke, Solarthermie und künftig Großwärmepumpen. Intelligente Gebäudeleittechnik und KI-gestützte Steuerung sorgen für ein effizientes Zusammenspiel der verschiedenen Energiequellen. „Es geht nicht nur darum, erneuerbar zu sein, sondern auch marktdienlich und wirtschaftlich zu arbeiten“, sagt Jürgen Gölz. Ein besonderes Projekt ist die Rommelmühle am Unternehmenssitz, deren Wärmenetz inzwischen vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt wurde. Darüber hinaus entwickelt e3 Solarthermieprojekte für die regionale Wärmeversorgung; ein aktuelles Projekt versorgt bereits eine komplette Ortschaft mit erneuerbarer Wärme. Auch der E4 Cube steht für den Innovationsanspruch des Unternehmens. Hinter dem mit Photovoltaikmodulen verkleideten Energiekubus verbirgt sich ein komplexes Versorgungssystem, das ein Wohngebiet und Schulen mit Wärme versorgt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regionale Wertschöpfung: Investoren, Banken, Lieferanten und Dienstleister stammen überwiegend aus dem Umfeld der jeweiligen Projekte. Dadurch verbleiben nach Angaben des Geschäftsführers bis zu 95% der erwirtschafteten Mittel in der Region.
Menschen, Verantwortung und langfristiges Denken
Trotz Digitalisierung und moderner Steuerungstechnik versteht sich e3 vor allem als Ingenieurunternehmen. Künstliche Intelligenz unterstützt bereits die Betriebsführung komplexer Energiesysteme, ersetzen soll sie Menschen jedoch nicht. „Wir machen keine Projekte, die Menschen durch KI ersetzen, sondern setzen auf Wissen, Erfahrung und Verantwortung“, sagt Jürgen Gölz. Statt Fachkräfte bei Wettbewerbern abzuwerben, entwickelt das Unternehmen seinen Nachwuchs selbst und stellt bewusst nur wenige neue Mitarbeiter pro Jahr ein. Kurzfristige Einstellungswellen kommen für e3 ebenso wenig infrage wie eine Expansion um jeden Preis. Auch bei Kunden und Projekten geht das Unternehmen bewusst selektiv vor und vermeidet Abhängigkeiten von einzelnen Auftraggebern. Eigene Energie erzeugt e3 unter anderem mit Photovoltaik, große Wind- und Solarprojekte überlässt das Unternehmen jedoch spezialisierten Partnern. Die Zukunft sieht e3 in einer langfristig gesicherten, dezentralen und erneuerbaren Wärmeversorgung. „Es geht nicht um maximale Größe, sondern um maximalen Nutzen – für die Menschen, die Region und die kommenden Generationen“, betont Jürgen Gölz.













