Wirtschaftsforum: Worin unterscheidet sich ALL IN von anderen Talentmanagement-Agenturen?
Florian Laue: Grundsätzlich managen und betreuen wir Personen des öffentlichen Lebens, die primär auf Social Media bekannt sind: ein Geschäftsfeld, das sich im letzten Jahrzehnt stark gewandelt hat. Damals sprach man noch vielfach von Bloggern und Youtubern, heute eher von Influencern, Content Creatorn und bisweilen auch Unternehmern. Auch die Plattformen selbst haben sich massiv weiterentwickelt, von TikTok bis Instagram.
Wirtschaftsforum: Sie betreuen unterschiedlichste Talents mit ganz verschiedenen Zielgruppen – wie vielfältig müssen damit auch die Management-Ansätze von ALL IN ausfallen?
Florian Laue: Im Detail sind diese natürlich durchaus verschiedenartig, doch im ersten Schritt geht es meist immer noch um die klassische Reichweitenvermarktung, wie man sie auch aus dem altgedienten Print- und Out-of-Home-Segment kennt. Jenseits dieses Standards bewegen wir uns aber natürlich besonders gern mit innovativen Konzepten im Markt – etwa eigenen und Lizenzprodukten, eigenen Events, Büchern und teilweise auch eigenen Unternehmen, die wir gemeinsam mit unseren Künstlern gründen. Für eines unserer Talents haben wir auch schon einmal ein eigenes Gesellschaftsspiel gelauncht, das sich anschließend 150.000 Mal verkauft hat.
Wirtschaftsforum: Gleichzeitig entwickeln sich auch Ihre Künstler persönlich und beruflich weiter. Welche Herausforderungen liegen darin für Sie?
Florian Laue: Klar, auch wir und unsere Talents werden älter, einige haben inzwischen wunderschöne Kinder bekommen, was noch einmal neue Marktfelder eröffnen kann, wenn man sich für diesen Weg interessiert. Bisweilen verändern sich auch die inhaltlichen Schwerpunkte, die unsere Künstler setzen möchten: Rezo hat sich früher beispielsweise hauptsächlich mit Musik beschäftigt, bevor er sich entschied, auch mit gesellschaftskritischem Content aufzutreten, während Diana zur Löwen früher etwa vornehmlich das Beauty-Feld bediente, heute hingegen gern Inhalte zu Finanzthemen veröffentlicht.
Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit diesen Entscheidungen als Agentur um?
Florian Laue: Loyalität und Vertrauen sind für uns die selbstverständliche Basis jeder Zusammenarbeit. So abgedroschen es klingt: Wir bewegen uns in einem Human Business, und an dieser Haltung möchten wir uns auch messen lassen. Der Content liegt damit weit überwiegend bei unseren Künstlern: Sie malen das Bild – wir haben dann die Aufgabe, den richtigen Rahmen dafür zu schaffen, um es den Menschen zu präsentieren und unsere Talente dabei auch zu schützen. Natürlich wissen wir über manche Thematik, mit der sie an die Öffentlichkeit gehen möchten, vorab Bescheid, genauso wie über wichtige Entwicklungen in ihrem Privatleben wie Trennungen oder Eheschließungen. Wir sind auch gerne bereit, Input zur weiteren Optimierung des Contents zu geben – aber die letztendliche Entscheidung liegt immer bei den Talenten.
Wirtschaftsforum: Das sehen nicht alle Agenturen so.
Florian Laue: Leider. Denn in Deutschland darf eben prinzipiell jeder als Künstlermanager tätig werden. Dieses Umfeld zieht auch viele Menschen an, die nur auf den schnellen Gewinn durch Provisionen für aktuelle Cases aus sind. Unser Ansatz steht dem diametral entgegen: Wir wollen eine langfristig erfolgreiche Partnerschaft aufbauen und dabei immer den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Denn der Austausch mit unseren Talenten ist im Alltag sehr eng. Da muss man sich gut verstehen und Vertrauen zueinander haben, sonst funktioniert es nicht. Gleichzeitig benötigt man viel Branchenwissen und methodisches Know-how. Auch das war uns von Anfang an wichtig. Ich selbst bin diplomierter Medienwissenschaftler, und mein Geschäftspartner Kewin Tewe hat ein PR-Studium absolviert.
Wirtschaftsforum: Welche Vision möchte ALL IN in der nächsten Zeit verfolgen und welche Lektionen nehmen Sie aus den ersten sechs Jahren Ihrer Unternehmensgeschichte mit?
Florian Laue: Wir hinterfragen immer den Status quo, gerade in Zeiten mit rapiden Veränderungen. Das würden wir uns so bisweilen auch von der Branche als Ganzes wünschen: Denn bislang wird etwa beim Performance-Marketing immer noch gerne auf den ROI einzelner Social Media-Kampagnen abgestellt, auch wenn objektiv eigentlich gar keine valide Benchmark vorliegt, weil sich einzelne Elemente einer umfassenden Kommunikationsstrategie eben nicht in vernünftiger Weise isoliert betrachten lassen. Für uns wird auch in den nächsten Jahren unser eiserner Grundsatz gelten: Empower the Artist! Vertrauen in andere und uns selbst ist dafür eine unbedingte Grundlage, genauso wie enge Kontakte in die Branche sowie zu Partnern wie Meta und Google. So können wir auch schnell die vielfältigen Möglichkeiten der KI nutzen, durch die sich die Branche stark verändern wird.
Wirtschaftsforum: Macht die KI Ihre Arbeit dabei eher schwieriger oder einfacher?
Florian Laue: Einfacher, auch wenn sie natürlich zu vielfältigen Veränderungen im Redaktionsalltag führen wird. Doch genauso wenig wie Toy Story Darsteller aus Fleisch und Blut verdrängt hat, wird auch die KI den Menschen in den Medien und anderswo nicht ersetzen können. Trust Marketing wird vor diesem Hintergrund wahrscheinlich eine noch größere Rolle spielen – für ALL IN ist das natürlich eine gute Nachricht!
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