Wie ein Ulmer Gärtner die HafenCity erobert

Interview mit Thomas Zaiser, Geschäftsführer der Zaiser GmbH

Mit 23 Jahren und ohne einen einzigen Tag Anstellung außerhalb seiner Lehre wagte Thomas Zaiser den Sprung in die Selbstständigkeit. „Jugendlicher Leichtsinn“, nennt er es heute schmunzelnd. Doch aus der One-Man-Show von damals ist ein Unternehmen mit 60 Mitarbeitern und 10 Bürokräften geworden, das heute einen Jahresumsatz zwischen 6 und 7 Millionen EUR erwirtschaftet. Vor zehn Jahren lag der Umsatz noch bei 1,5 Millionen EUR. Die Entwicklung verlief stetig, aber nie überstürzt. Ein Mitarbeiter, zwei, drei – so wuchs das Unternehmen organisch. Anfangs waren es ausschließlich Privatgärten, klassische Pflegearbeiten wie Rasenmähen und Heckenschneiden. Mit der Zeit kamen Neuanlagen hinzu, dann größere Projekte: Mauern, Dachbegrünungen, Teiche, ganze Parkanlagen. „Unser Beruf hat sehr viele Facetten, was es nicht immer einfach macht“, erklärt Thomas Zaiser.  

Diversifikation als Erfolgsstrategie

Besonders in den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen große Sprünge gemacht. Der Wendepunkt kam mit größeren Aufträgen wie den Sedelhöfen in Ulm. Die Zusammenarbeit verlief so erfolgreich, dass der Auftraggeber die Gartengestaltung Zaiser GmbH vor zwei Jahren nach Hamburg holte – für das Projekt ‘Eleven Decks’ direkt an der HafenCity. Mit knapp 4 Millionen EUR war es der größte Auftrag der Firmengeschichte. Inzwischen läuft bereits der zweite Auftrag in Hamburg. Der Erfolg basiert auf Diversifikation: „Ich habe schon immer gesagt, auf einem Bein steht sich schlecht, auf zweien gut, aber eigentlich muss man auf vielen Beinen stehen.“ Das Portfolio reicht von öffentlichen Aufträgen über Privatgärten bis hin zu Gewerbekunden. Eine eigene Abteilung ist für die Gartenbetreuung zuständig, das Gartenpflege-Paket der Zaiser GmbH bietet einen ganzjährigen Rundumservice. „Vom Anruf der Oma, die fragt, ob wir den Garten umgraben können, bis zum Millionenprojekt – wir machen alles.“

Krisen als Chance

Die Coronapandemie war für viele Branchen eine Katastrophe – für die Gartengestaltung Zaiser GmbH jedoch ein Gewinn. „Wir hatten Glück, wir waren draußen. Die Menschen haben sich auf ihre vier Wände konzentriert, und wir hatten wahnsinnig viele Aufträge“, erinnert sich Thomas Zaiser. Auch aktuelle Herausforderungen verschweigt er nicht. Doch dank der breiten Aufstellung kann das das Team der Gartengestaltung Zaiser GmbH in einem Bereich ausgleichen, was in einem anderen einbricht. Ein weiterer Vorteil: „Wir haben eine Generation älterer, wohlhabender Menschen – das sind unsere Topkunden“, erklärt Thomas Zaiser. Menschen, die ihren Garten für den Lebensabend noch einmal schön machen wollen.

Nachhaltigkeit als Trend

Einen klaren Trend beobachtet Thomas Zaiser bei Unternehmenskunden: Nachhaltigkeit und Biodiversität. „Firmen legen darauf großen Wert“, berichtet er. So arbeitet die Gartengestaltung Zaiser GmbH mit mehreren Unternehmen zusammen, führt Schulungen durch, stellt Insektenhotels auf, baut Nistkästen für Fledermäuse und Vögel, plant bienenfreundliche Bepflanzungen und vieles mehr. „Manchmal habe ich das Gefühl, große Firmen schmücken sich gern damit, aber das Ergebnis ist ein gutes.“ Auch der Klimawandel verändert das Geschäft. Für Mitarbeiter, die in der Hitze draußen arbeiten, sorgt das Unternehmen mit Strohhüten, Sonnenschutz und kostenlosem Wasser. Bei Kunden haben sich die Pflanzungen verändert – hitzebeständigere Arten sind gefragt. Vor allem aber boomen Bewässerungsanlagen und Zisternen. „Bei 50 bis 70% der Neuanlagen wird das von uns mit angeboten und eingebaut“, sagt Thomas Zaiser. Früher wurde Regenwasser in den Kanal geleitet, heute wird es gesammelt und über Bewässerungsanlagen gezielt dorthin abgegeben, wo es benötigt wird.

Menschen vor Maschinen

„Wir sind meistens nicht die Günstigsten und wollen das auch nicht sein“, sagt Thomas Zaiser selbstbewusst. Was Kunden bekommen: fachgerechte, pünktliche Arbeit – und Verlässlichkeit auch dann, wenn etwas schiefgeht. „Bei jedem läuft mal irgendwas schief. Dann muss man sich zu seinen Fehlern bekennen und liefern.“ Doch Fachkompetenz allein reicht nicht. „Wenn sie Leute haben, die sich nicht benehmen können oder keinen ordentlichen Umgang mit dem Kunden pflegen, dann ist das eine Katastrophe“, erklärt Thomas Zaiser. Die Mischung aus fachlichem Können und menschlicher Kompetenz macht den Unterschied. Das gilt auch intern: Die Mitarbeiterfluktuation ist minimal, viele sind seit 15, 20 Jahren dabei. Das Erfolgsrezept: Vertrauen statt Kontrolle. Die Projektleiter haben keine festen Arbeitszeiten. „Ich kontrolliere sie nicht, ich weiß nicht, wo sie sind, wann sie kommen, wann sie gehen. Für mich zählt das Ergebnis.“ Die Mitarbeiter werden überdurchschnittlich bezahlt, es gibt zahlreiche Benefits. Vor allem aber: „Wenn sie ein privates Problem haben, kommen sie zu mir. Dann helfe ich ihnen. Das ist meine Mentalität: Geben und Nehmen.“ Jeden Abend teilen die Kolonnen Bilder ihrer Arbeit in einer WhatsApp-Gruppe. „Jeden Abend sehe ich, was wir Tolles schaffen. Das ist ein unheimlich befriedigendes Gefühl.“

Blick nach vorn

Für die Zukunft setzt Thomas Zaiser auf künstliche Intelligenz. Nach einem Workshop in Hannover war er „erschreckt und fasziniert zugleich – KI ist eine Riesenchance.“ Gärten bauen und pflegen könne die KI nicht, „aber für die Planung und Organisation nutzen wir sie bereits.“ Eine Zweigstelle in Hamburg wird in Erwägung gezogen, die nächste Generation hat Zeit, ihren Weg zu finden. Thomas Zaisers Ziel ist nicht, der größte Gartenbaubetrieb Deutschlands zu werden. „Meine Intention ist, dass wir Spaß haben, alle miteinander. Wir arbeiten jeden Tag sehr viel, und dann muss es Spaß machen.“ Sein Credo nach 31 Jahren: „Jede Firma ist nur so gut wie ihre Mitarbeiter. Wenn ich morgen früh hier erscheine und kein Mensch steht auf dem Hof, dann habe ich ein Problem. Das darf man als Unternehmer niemals vergessen. Wie man mit den Leuten umgeht, so kommt es zurück.“

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