Volle Kraft im Prepress

Interview mit Dennis Melching, Geschäftsführer der Stichnothe Druckformen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Melching, die Stichnothe Druckformen GmbH blickt auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Wie hat sich das Unternehmen seit der Übernahme durch Ihre Familie verändert?

Dennis Melching: Wir haben 1999 mit 16 Mitarbeitern angefangen und damals ausschließlich Flexodruckformen hergestellt für verschiedenste Bereiche, aber mit klarem Schwerpunkt auf der Wellpappindustrie. Das heißt, Preprint und Postprint. 2012 haben wir dann in den Digitaldruck investiert und uns auch als Druckdienstleister für die Wellpappe aufgestellt. Seither haben wir schrittweise weitere Unternehmen hinzugewonnen: die BAUMANN-Stempel GmbH, GRS Grafik Roller Service GmbH, U. Günther GmbH, Cl. Jaehde GmbH und die PreCess GmbH. Seit 2023 verbinden wir sie allesamt unter dem Dach der Grotenkamp Holding, mit damals bereits drei operativen Gesellschaften. Das war ein bedeutender Schritt, denn wir haben ein Unternehmen übernommen, das größer war als wir selbst. Heute sind wir eine Gruppe mit sechs operativen Gesellschaften und knapp 30 Millionen EUR Umsatz.

Wirtschaftsforum: Was genau bieten Sie Ihren Kunden an und wer sind diese Kunden?

Dennis Melching: Wir stellen Druckformen her, also alles, was im Prepress gebraucht wird. Der Kunde – in der Regel eine Druckerei oder direkt ein Markenartikler – schickt uns ein Layout, wir bereiten die Daten druckmaschinenspezifisch auf, erstellen farbverbindliche Proofs, holen die Freigabe ein und liefern die fertigen Druckplatten. Das klingt einfach, ist aber hochpräzise Arbeit. Unsere Kunden kommen aus dem Food- und Petfood-Bereich, aus der flexiblen Verpackung, dem Etikettendruck, der Papierverarbeitung. Also überall dort, wo bunt gedruckt wird. Der Großteil unserer Kunden sitzt in Deutschland aber auch in den europäischen Nachbarländern.

Wirtschaftsforum: Worin sehen Sie Ihren zentralen Wettbewerbsvorteil?

Dennis Melching: Den größten USP sehe ich in der Gruppe als Ganzes. Wir haben zwei komplett ausgestattete Produktionsstandorte und damit eine absolute Produktionssicherheit. Unser Customer Service kommt ausnahmslos aus dem technischen Bereich. Das bedeutet maximalen Support, auch am Telefon. Wir können alles aus einer Hand liefern: Druckplatten, Drucksleeves als Runddruckformen, Kombinationsaufträge, sogar Dummies im Digitaldruck vorab. Dazu haben wir eine eigene Raster-Technologie entwickelt, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurde und die Druckqualität – in der flexiblen Verpackung – deutlich steigert. Und wir haben ein eigenes Warenwirtschaftssystem entwickelt, das Media Port, das speziell auf unsere Branchenbedürfnisse zugeschnitten ist. Nicht zuletzt ermöglicht uns die Gruppengröße, Auftragsspitzen intern abzufedern. 

Wirtschaftsforum: Wie beeinflusst die aktuelle Marktsituation Ihr Geschäft? 

Dennis Melching: Das spüren wir natürlich. Logistikkosten, Energiekosten, steigende Preise für Rohstoffe, das beeinflusst unser Geschäft. Denn für unsere Druckplatten ist Rohöl der wichtigste Ausgangsstoff, das schlägt sich direkt nieder. Gleichzeitig sehen wir bei unseren Kunden einen Trend zu nachhaltigeren Verpackungslösungen: recycelbare Druckfarben, Mono-Verbundstoffe. Wir müssen uns da ein Stück weit mitbewegen, auch wenn unser direkter Einfluss begrenzt ist. Was den Markt angeht: Gegessen und getrunken wird immer. Aber wenn Marken aus dem Regal verschwinden, weil sich Hersteller und Handel nicht auf Preise einigen, merken wir das schon. Weniger individuelle Verpackungsdesigns bedeuten weniger Aufträge für uns. Seit etwa sechs bis acht Monaten sehen wir aber wieder eine leichte Rückkehr zu hochwertigerem Druck. Das stimmt uns zuversichtlich. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz für die Gruppe?

Dennis Melching: Bei der Digitalisierung waren wir Vorreiter. Das fing schon mit dem Einstieg in den Digitaldruck an und setzt sich in unserer IT-Infrastruktur fort. Bei der KI stehen wir noch in den Kinderschuhen, aber wir sind am Ball. Wir sehen einige Bereiche, die wir deutlich vereinfachen können, und das werden wir konsequent nutzen. Die standortübergreifende Zusammenarbeit und die intelligenten Prepress-Workflows, die wir entwickeln, sind da ein wichtiger Baustein. 

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Strategie für die Zukunft aus?

Dennis Melching: Grundsätzlich geht es weiter mit Automatisierung und der Integration von KI, um mehr leisten zu können mit der gleichen Mannschaft. Konkrete Pläne für weitere Standortübernahmen gibt es derzeit nicht. Was nicht heißt, dass es nicht passiert: Wir beobachten den osteuropäischen Markt, Richtung Tschechien oder Ungarn, aufmerksam. Aber spruchreif ist da noch nichts. Was uns als Familienunternehmen antreibt, ist der Wunsch, wieder mehr Herr unserer eigenen Geschicke zu sein. In den letzten Jahren mussten wir zu oft auf äußere Einflüsse reagieren – Gesetzesänderungen, Preissteigerungen – statt selbst gestalten zu können. Das ist unsere eigentliche Herausforderung.

Stichnothe Druckformen GmbH
Karl-Schiller-Straße 10-12
31157 Sarstedt
Deutschland
Tel.: +49 5066 699880
info(at)stichnothe.com
www.stichnothe-druckformen.de

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