The Boardroom Schweiz - „Eisbrecherinnen“ in Leitungsgremien von Unternehmen

Frauen als „Onlys“ in den Führungsetagen - Nicht bei deutschen Großkonzernen

Es klingt fast wie ein Märchen, aber für Frauen bieten große deutsche Konzerne mit DAX-Börsennotierung tatsächlich beruflich die besten Möglichkeiten. Immerhin haben Unternehmen wie Continental, Fresenius Medical Care und Siemens Healthineers in ihren Vorständen ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter und bei Beiersdorf, Deutsche Telekom und Mercedes Benz liegt der Frauenanteil im Vorstand bei immerhin 40 Prozent.

Den Gegenpol bilden hier Konzerne aus dem MDAX bzw. SDAX. Denn in mehr als 80 Vorständen von insgesamt 160 börsennotierten Unternehmen sind noch keine Frauen zu finden und nahezu immer handelt es sich um im MDAX bzw. SDAX gelistete, kleine und mittlere Unternehmen (KMUs).

Topmanagerinnen entscheiden nach Frauenanteil

Eine Ursache für diese Tatsache ist, dass es einen Wettbewerb zwischen den Verantwortlichen gibt, sich die kompetentesten Topmanagerinnen ins eigene Unternehmen zu holen. Dabei haben die großen DAX-Konzerne die besseren, auch finanziellen Mittel. Darüber hinaus gibt es dort bereits mehr Frauen in Führungspositionen. Immer mehr Managerinnen entscheiden sich für Unternehmen, in denen sie eben nicht mehr „Onlys“ sind, sondern mit anderen Frauen, die bereits in wichtigen Gremien wie Vorstand, Aufsichts- oder Verwaltungsrat sitzen, zusammenarbeiten können.

Dieser Trend hat dazu geführt, dass sich der Anteil von Frauen in den Vorständen der DAX-Konzerne auf 20,2 Prozent erhöht hat, während er bei MDAX- und SDAX-Unternehmen bei 11,3 bzw. 10,4 Prozent stagniert. Die Zahl der weiblichen Vorstandsvorsitzenden liegt augenblicklich bei 9. Beachtenswert ist auch der Umstand, dass die zuletzt in einen Vorstand berufenen Frauen in 25 Prozent der Fälle für die Finanzen zuständig waren.

Um auf einer solchen Position mit Schwerpunkt auf dem finanztechnischen Bereich erfolgreich zu sein, braucht es fundiertes Fachwissen, beispielsweise hinsichtlich des Urheber-, Marken- oder Patentrechts. Fundiertes Wissen verschafft einem ein hohes Maß an Kompetenz und damit Autorität bei den Kollegen. Im Rahmen von entsprechenden Ausbildungsveranstaltungen wird solches Fachwissen vermittelt. Wer über ein gut aufgestelltes Netzwerk an Kontakten verfügt, hat schnell Zugriff auf solche Veranstaltungen und kann sie für sich und seine Karriere nutzen.

Unterstützung durch Netzwerke essentiell für beruflichen Werdegang

Es ist überall das Gleiche, wer vorankommen möchte, der braucht ein gutes und vor allem weit verzweigtes Netzwerk an Kontakten. Dass dies funktioniert, zeigt sich an den sogenannten Burschenschaften, die für die männlichen Mitglieder ein Sprungbrett für eine steile Karriere waren und sind. Die Lehre daraus ist, dass sich auch Frauen solche Netzwerke aufbauen sollten, wenn sie beruflich erfolgreich sein wollen.

Hier liegt einer der Gründe, warum Diana Markaki-Bartholdy den privaten Verein „the Boardroom Schweiz“ gegründet hat. Er ist die Basis, auf der ein Netzwerk für karriereorientierte Frauen gewachsen ist. Der Verein dient der Wissensvermittlung in fachspezifischen Schulungen und bietet durch Veranstaltungen die Möglichkeit, Kontakt mit Frauen in vergleichbaren Situationen aufzunehmen und diesen zu pflegen. Was „the Boardroom“ erreichen möchte, ist das in Gang setzen eines Prozesses, durch den sich der Anteil der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen erhöht.

Frauen haben es zum Teil aber auch selbst in der Hand, sich beruflich weiterzuentwickeln. Dazu sagt Diana Markaki-Bartholdy: „Wenn es um verantwortungsvolle Positionen geht, sollten Frauen viel häufiger den Mut beweisen, diese zu übernehmen. Trotzdem dürfen aber auch für den Vorstand relevante Fähigkeiten nicht fehlen. Am wichtigsten bleibt jedoch, für die eigene Sichtbarkeit zu sorgen. Deshalb sollten Frauen Ihrem Netzwerk auch mitteilen, dass sie für Vorstandsämter offen sind. Gerade wenn es um das eigene Netzwerk geht, möchte ich Frauen raten: Umgeben Sie sich mit gleichgesinnten Frauen. Suchen Sie nach Vorbildern.“

Vorbilder gibt es genug und die Gründerin von „the Boardroom Schweiz“ hat gemeinsam mit dem Verein ein Buch veröffentlicht, in dem erfolgreiche Frauen über ihr Leben und ihre Erfahrungen berichten. Die anhand von beantworteten Fragen erzählten Lebensgeschichten sollen für Frauen und Männer, für Mädchen und Jungen sowie kommende Generationen gleichermaßen eine Inspiration und Motivation sein.

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