Start-up-Atmosphäre im erfahrenen Unternehmen

Interview mit Jens-Erik Wegner, CFO-COO, Mitglied der Geschäftsführung Aristotech Industries GmbH

„Wir haben eine sehr kurze Einführungszeit, um die Produkte unserer Kunden von der Idee bis zur Marktreife zu bringen“, betont Jens-Erik Wegner, COO/CFO und Mitglied der Geschäftsführung der Aristotech Industries GmbH. „Für zwei Abmusterungen benötigen wir ungefähr eine Woche. Danach können wir dem Kunden verbindlich mitteilen, ob wir diese Muster in eine Serienfertigung übernehmen können.“

Was weiter für die Zusammenarbeit mit Aristotech spricht, ist auch die schnelle und kundenindividuelle Konstruktion und Herstellung eigener Werkzeuge. Außerdem ist das Unternehmen in der Lage, den Produktionsprozess schmiede- und zerspanungsseitig komplett zu simulieren und den Interessenten damit auch eine konkrete Preisvorstellung zu geben.

Alles rund um die Hüfte

„Wir fertigen unter anderem Hüftschäfte, die zunächst geschmiedet, zerspant und anschließend oberflächenvergütet werden“, beschreibt Jens-Erik Wegner das Portfolio von Aristotech. „Weitere Produkte, die wir fertigen, sind Hüftschalen für den Beckenknochen - also das Gegenstück – und alles, was dazwischenliegt. Dazu gehören etwa Kugelköpfe und Kunststoffinlays - also alles, was zu einem Hüftgelenksystem dazugehört. Diese Komponenten für Hüftsysteme machen etwa 80% unseres Umsatzes aus.“

Darüber hinaus schmiedet Aristotech auch Knieteile und Fußplatten. Neben diesem Kerngeschäft fertigt das Unternehmen als Nebenprodukte verschiedenste Schrauben für die Medizintechnik, zum Beispiel für Osteoporoseschienen.

Analyse und Erkenntnis

Gegründet wurde die heutige Aristotech GmbH 1998 in Berlin unter dem Namen Merete Medical als Entwickler, so genannter Inverkehrbringer und Produzent von Endoprothesen für die Medizintechnik. Gründer war seinerzeit Emmanuel Anapliotis, der schon vorher zwei Medizintechnikunternehmen gegründet und anschließend wieder verkauft hatte. 2006 wurde eine neue Fertigungsstätte mit einer eigenen Gelenkschmiedepresse für Hüftsysteme in Luckenwalde eröffnet.

2016 wurde die Merete Medical in zwei Firmen aufgespalten: Die Merete GmbH konzentrierte sich auf den Handel mit den gefertigten Produkten, die Aristotech GmbH war ein reiner Fertigungsbetrieb und produzierte sowohl für die Schwesterfirma Merete wie auch als Auftragsfertiger für externe Kunden. Da sich der 2022 verstorbene Firmengründer langsam aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, holte sich seine Tochter Alexia Anapliotis als Nachfolgerin mit Jens-Erik Wegner für den kaufmännischen Bereich und mit Dr.-Ing. Marc Kneissler als promoviertem Produktionstechniker 2020 externen Sachverstand ins Unternehmen, um es für die Zukunft auf eine tragfähige Basis zu stellen.

„Wir haben dann das Unternehmen gründlich analysiert, uns Abläufe, Kunden, Umsätze und Gewinne angeschaut und ein Jahr später die Erkenntnisse aus dieser Analyse in die Tat umgesetzt“, beschreibt Jens-Erik Wegner. „Wir kamen zu dem Ergebnis, dass wir kaufmännisch 50%, prozesstechnisch 30% und in der Kommunikation und im Aufbau der Gesellschaft 20% neu aufstellen mussten.“ So wurden unter anderem Mitarbeiter besser bezahlt und auch der Ausbildung wurde ein deutlich höherer Stellenwert beigemessen.

Vertrieb von innen

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 120 Mitarbeiter, davon 80 am Produktionsstandort Luckenwalde und 40 bei der Tochterfirma Merete in Berlin-Luckenwalde. Bei den Kunden liegt der Fokus heute auf mittelständischen Unternehmen der Medizintechnik, für die Losgrößen zwischen 5.000 und 15.000 Teilen gefertigt werden. Rund 70% des Umsatzes von aktuell 13 Millionen EUR werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz erzielt. Wichtig ist auch ein großer Kunde in Südkorea, darüber hinaus wächst der Marktanteil in den USA.

„Heute betreut unser Vertriebsinnendienst die Bestandskunden“, beschreibt der CFO/COO den Verkauf. „Um unsere fünf, sechs größten Kunden kümmert sich – meistenteils über TEAMS-Sitzungen - ein Key Account Mitarbeiter. Außerdem pflege ich als Geschäftsführer die führenden Ebenen unserer Kunden wie Geschäftsführer, Vertriebsleiter oder auch Einkäufer.“ Ansonsten ist Aristotech auf Fachkongressen der Branche vertreten und schaltet auch Inserate in orthopädischen Fachzeitschriften.

Solarpark geplant

Was Digitalisierung und Nachhaltigkeit anbetrifft, ist Aristotech auch auf einem guten Weg. In der Produktionsplanung und -steuerung werden in den nächsten Jahren digitale Systeme eingeführt, zudem wurde ein speziell für das Unternehmen entwickeltes ERP-System eingeführt.

„Obwohl wir bereits Bestellabläufe bis hin zur Rechnungsprüfung digital abwickeln, müssen wir auch hier noch nachsteuern und vor allem die digitale Zusammenarbeit mit unseren Kunden weiter ausbauen“, erklärt Jens-Erik Wegner. Eine Vielzahl von Maßnahmen trägt auch dem Anspruch auf Nachhaltigkeit Rechnung. Dazu zählen unter anderem die Wärmeauskopplung aus Kompressorenabwärme, die den Gasverbrauch um 60 bis 70% reduzierte, ein lastkurvenabhängiges Kompressorenmanagement sowie die künftige Errichtung eines Solarparks auf dem Firmengelände durch einen Contractor.

Nachwuchs fördern

Als ´Start-up-Atmosphäre in einem erfahrenen Unternehmen` beschreibt Jens-Erik Wegner das Klima bei Aristotech. Für ihn liegen die wichtigsten Aufgaben der Zukunft darin, ein Programm zur Entwicklung der Mitarbeiter und die Ausbildung von Nachwuchskräften voranzubringen sowie die Digitalisierung in den kommenden drei Jahren deutlich zu pushen. „Ich bin ein Philanthrop und möchte den Menschen Angstschwellen nehmen“, nennt der Geschäftsführer ein Motiv, das ihn jeden Tag aufs Neue begeistert und das er bei Aristotech lebt.

Aristotech Industries GmbH
Im Biotechnologiepark
14943 Luckenwalde
Deutschland
+49 3371 40640-0
+49 3371 40640-215
service@aristotech.de
www.aristotech.de

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