Sascha Klupp: „Wir bauen nicht politisch. Aber wir bauen im politischen System“

Herr Klupp, sind Sie ein Politiker im Gewand eines Projektentwicklers?
Sascha Klupp: (lacht) Nein, soweit ist es noch nicht gekommen … Aber ich weiß, worauf Sie mit dieser leichten Ironie anspielen möchten. Wir bauen nicht politisch. Aber wir bauen im politischen System.
Worin besteht da der Unterschied und vor allem die unternehmerische Herausforderung?
Sascha Klupp: Wir als Entwickler dürfen keine Parteipolitik machen. Unsere Entscheidungen sind wirtschaftlich begründet, aber sie finden in einem Rahmen statt, den Politik und Verwaltung setzen. Und dieser Rahmen ändert sich im Laufe der Jahre durch veränderte politische Mehrheiten. Flächennutzungspläne, Förderprogramme, Mietrechtsregeln und Förderquoten bestimmen, was überhaupt möglich und wirtschaftlich tragbar ist. Wer das ignoriert, plant am Bedarf vorbei.
In Berlin entsteht aktuell mit Ihrer Unterstützung ein Ensemble in Karlshorst mit 234 geförderten Wohnungen, das an STADT UND LAND verkauft wurde bzw. wird. Wie passt so ein Deal in Ihr Verständnis von Verantwortung?
Sascha Klupp: Solche Transaktionen zeigen, dass private Entwicklung und öffentliche Daseinsvorsorge zusammenwirken können. Der Verkauf an ein kommunales Wohnungsunternehmen sichert die langfristige Nutzung als geförderter Wohnraum. Für uns heißt Verantwortung, Projekte so zu strukturieren, dass sie bezahlbaren Wohnraum ermöglichen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig bleiben.
Kritiker sagen, Projektentwickler würden zu sehr auf Rendite schauen und zu wenig auf soziale Folgen. Wie begegnen Sie dieser Kritik?
Sascha Klupp: Die Kritik ist berechtigt, wenn Rendite das einzige Kriterium ist. In der Praxis müssen wir aber Investoren, Banken und oft auch Eigenkapitalgeber überzeugen. Verantwortung heißt für mich, frühzeitig Partner wie kommunale Wohnungsunternehmen oder Genossenschaften einzubinden, Fördermittel zu nutzen und Flächen so zu planen, dass soziale Durchmischung möglich wird. Das ist nicht immer einfach, aber ohne diese Balance entstehen keine nachhaltigen Quartiere.
Wie bewerten Sie die aktuelle Regulierung im Wohnungsbau? Reicht sie aus oder hemmt sie eher?
Sascha Klupp: Regulierung ist notwendig, aber sie ist ein zweischneidiges Schwert. Strikte Vorgaben können Qualität und soziale Ziele sichern. Gleichzeitig verlangsamen komplexe Genehmigungsverfahren und unsichere Förderbedingungen Projekte und treiben Kosten. Wir brauchen klarere, schnellere Prozesse und verlässlichere Förderinstrumente, damit mehr Projekte überhaupt realisiert werden können.
Sie sprechen von Kooperationen mit öffentlichen Wohnungsunternehmen. Können Sie ein Beispiel nennen, wie das konkret funktioniert?
Sascha Klupp: Ein typisches Modell ist die Entwicklung durch einen privaten Bauträger mit anschließender Übertragung eines Teils oder aller Einheiten an ein kommunales Unternehmen. So wurde in Karlshorst das Ensemble schlüsselfertig an STADT UND LAND verkauft, um den Bestand an preisgebundenem Wohnraum zu stärken. Solche Modelle kombinieren Entwicklungskompetenz mit langfristiger sozialer Verantwortung. Das Beispiel Karlshorst zeigt zudem, dass in solchen Projekten nicht nur bezahlbarer, sondern auch guter Wohnraum geschaffen wird. Bezahlbarkeit und Attraktivität sind keine Gegensätze. Das Neubauprojekt entsteht in Lichtenberg in einem gewachsenen, familienfreundlichen Wohnquartier, das durch gute Verkehrsanbindung, viel Grün sowie die Nähe zu Bildungs und Freizeiteinrichtungen überzeugt. In unmittelbarer Umgebung befinden sich der Tierpark Berlin, die Trabrennbahn Karlshorst sowie mehrere Schulen und Kitas; die S und U Bahnstationen Karlshorst, Rummelsburg und Tierpark sorgen für eine hervorragende Anbindung in die Berliner Innenstadt.
Gibt es Grenzen für solche Kooperationen? Wann ist ein Verkauf an ein kommunales Unternehmen keine Lösung?
Sascha Klupp: Grenzen gibt es dort, wo die Finanzierung nicht aufgeht oder die städtebaulichen Ziele nicht erfüllt werden. Ein Verkauf löst nicht automatisch alle Probleme. Wenn Flächen knapp sind oder die Förderbedingungen zu restriktiv sind, bleibt die Frage, wie viele geförderte Einheiten überhaupt entstehen können. Außerdem braucht es Transparenz bei Preisbildung und Vergabekriterien, sonst entsteht Misstrauen in der Bevölkerung.
Wie verändert sich der Beruf des Projektentwicklers in den nächsten zehn Jahren?
Sascha Klupp: Wir werden wohl mehr Schnittstellenmanager sein. Klimaanforderungen, soziale Vorgaben, Digitalisierung und neue Finanzierungsformen verlangen interdisziplinäres Arbeiten. Projektentwickler müssen Politik, Verwaltung, Investoren und Nachbarschaften zusammenbringen. Wer nur noch als Grundstücksspekulant agiert, wird es schwer haben.
Abschließend, was würden Sie der Politik raten, wenn es um mehr bezahlbaren Wohnraum geht?
Sascha Klupp: Politik sollte verlässlichere Rahmenbedingungen schaffen, Genehmigungsprozesse straffen und Förderinstrumente zielgerichteter einsetzen. Gleichzeitig braucht es mehr Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und privaten Entwicklern. Nur so lassen sich Projekte realisieren, die sowohl Rendite als auch Verantwortung gerecht werden.
Über Sascha Klupp:
Sascha Klupp ist Vorstand der Berliner Inter Stadt- und Wohnungsbau Real Estate AG. Seit vielen Jahren arbeitet er an der Entwicklung und Modernisierung innerstädtischer Wohnimmobilien in Berlin.






