Qualität beginnt im Ursprung, Zukunft beginnt mit Qualität

Interview mit Robert Rausch, Geschäftsführer der Rausch GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rausch, Sie führen ein traditionsreiches Familienunternehmen. Die Rausch GmbH existiert seit über 100 Jahren – und Sie stehen heute für die 5. Generation. War für Sie immer klar, dass Sie diesen Weg einschlagen würden?

Robert Rausch: Nicht unbedingt. Wenn man in eine Familie hineingeboren wird, die Schokolade herstellt, ist das zunächst einmal einfach etwas sehr Schönes. Die meisten Menschen mögen Schokolade – besonders dann, wenn sie wirklich gut ist. Ich bin damit aufgewachsen. Geburtstage wurden in der Fabrik gefeiert, man hatte als Kind ein bisschen dieses ‚Willy‑Wonka‑Gefühl‘. Gleichzeitig versteht man als junger Mensch natürlich noch nicht, was es wirklich bedeutet, Unternehmer zu sein und Verantwortung für ein Unternehmen zu tragen. Meine Eltern haben mich deshalb nie gedrängt. Es gab nie den Druck nach dem Motto: Du musst die Firma übernehmen. Ich habe mir Zeit gelassen, andere Dinge ausprobiert, studiert und auch in einer Marketingagentur gearbeitet. Die Entscheidung fiel letztlich auf dem Jakobsweg. Nach etwa drei Wochen Wandern war mir klar, dass ich das Unternehmen weiterführen möchte. Diese Entscheidung habe ich dann sehr bewusst getroffen.

Wirtschaftsforum: Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Welche Entwicklungen haben Rausch besonders geprägt?

Robert Rausch: Einen sehr wichtigen Schritt hat bereits mein Großvater gemacht: Er gehörte zu den ersten Chocolatiers, die den Kakaoanteil und die Herkunft des Kakaos auf der Schokoladentafel deklarierten. Heute ist das selbstverständlich, damals war das eine echte Innovation. Außerdem ist er früh in die Ursprungsländer gereist, um Kakao direkt vor Ort einzukaufen. Für ihn war eine wichtige Erkenntnis, dass Qualität nicht erst in der Fabrik, sondern beim Rohstoff beginnt. Wenn der Kakao nicht gut ist, kann auch die Schokolade nicht gut sein. Diese Philosophie prägt unser Unternehmen bis heute.

Wirtschaftsforum: Wofür steht Rausch heute besonders?

Robert Rausch: Vor allem für hochwertige Edelkakaoschokoladen. Gerade im Bereich der dunklen Schokolade kann man sehr gut erkennen, ob der Kakao wirklich Qualität hat. Dort trennt sich geschmacklich die Spreu vom Weizen. Wenn der Rohstoff stimmt, entsteht ein völlig anderes Aroma. Ein weiteres wichtiges Standbein ist unser Schokoladenhaus in Berlin. Dort betreiben wir eine gläserne Manufaktur mit Patisserie, in der handwerklich hergestellte Produkte entstehen – Pralinen und Spezialitäten, die sich industriell gar nicht fertigen lassen. Das Besondere daran ist, dass Besucher direkt erleben können, wie diese Produkte entstehen. Wir haben dort rund 1 Million Besucher im Jahr, viele davon aus dem Ausland. Für ein Fachgeschäft ist das eine beachtliche Zahl.

Wirtschaftsforum: Sie haben sich vor einigen Jahren entschieden, den klassischen Einzelhandel zu verlassen und den direkten Weg zum Kunden zu gehen. Warum?

Robert Rausch: 2015 sind wir vollständig aus dem Handel ausgestiegen. Seitdem arbeiten wir konsequent im Direct‑to‑Consumer‑Modell. Das bedeutet: Die Kunden kommen entweder zu uns ins Schokoladenhaus oder bestellen über unseren Onlineshop. Der Vorteil ist, dass wir viel näher am Kunden sind. Wer unsere Produkte im Schokoladenhaus probiert, bestellt später häufig online nach. So entsteht eine langfristige Beziehung. Für uns ist das ein sehr nachhaltiges Geschäftsmodell.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte sind für Rausch heute besonders wichtig?

Robert Rausch: Der deutschsprachige Raum ist weiterhin sehr stark, insbesondere Österreich. Darüber hinaus haben wir auch international viele Kunden – zum Beispiel in den USA oder in verschiedenen europäischen Ländern. Gerade über den E‑Commerce lassen sich internationale Märkte heute sehr gut bedienen. Interessant ist dabei, dass viele unserer internationalen Kunden zuerst in Berlin mit der Marke in Berührung kommen – etwa als Touristen im Schokoladenhaus. Danach bestellen sie online weiter.

Wirtschaftsforum: Ein spannendes Projekt ist Ihre Forschungsplantage in Costa Rica. Was genau passiert dort?

Robert Rausch: Die Plantage liegt mitten im Regenwald und umfasst etwa 60 ha ehemalige Weideflächen, die wir rekultiviert haben. Dort bauen wir 19 verschiedene Kakao‑Klone aus aller Welt an. Ziel ist es zu verstehen, welche Sorten mit den klimatischen Veränderungen am besten zurechtkommen. Der Klimawandel bringt vor allem Extreme mit sich – zu viel Regen, zu wenig Regen, zu hohe Temperaturen. Deshalb beschäftigen wir uns dort mit Fragen des Farmmanagements: Wie kann man Wasser ableiten, wenn es zu viel regnet? Wie speichert man Wasser in trockenen Zeiten? Wie lässt sich der Ertrag pro ha verbessern? Das Wissen, das wir dort gewinnen, geben wir anschließend an die Farmer weiter, mit denen wir weltweit zusammenarbeiten. Für uns ist das ein wichtiger Beitrag zur Zukunft des Kakaoanbaus.

Wirtschaftsforum: Sie beschäftigen sich also sehr intensiv mit der Rohstoffseite. Gleichzeitig entwickeln Sie auch neue Produkte. Wohin geht die Reise dort?

Robert Rausch: Kakao ist eine faszinierende Frucht. Wenn man ihn nicht zu stark verarbeitet, hat er sogar positive gesundheitliche Eigenschaften. Deshalb schauen wir uns den Kakao heute viel umfassender an. Ein Beispiel ist die Kakaopulpe – das Fruchtfleisch um die Bohne herum. Daraus haben wir Saft entwickelt und arbeiten aktuell auch an weiteren Produkten, etwa einer Marmelade. Früher wurde dieser Teil der Frucht meist gar nicht genutzt. Heute entdecken wir, dass darin großes Potenzial steckt.

Wirtschaftsforum: Neben Produkten verändert sich auch die Arbeitswelt. Wie prägt das Ihre Unternehmenskultur?

Robert Rausch: Wir beschäftigen rund 400 Mitarbeiter und legen großen Wert darauf, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Schon vor einigen Jahren haben wir die Viertagewoche eingeführt. Außerdem bieten wir viele Zusatzleistungen – vom Jobrad über das BVG‑Ticket bis hin zu flexiblen Urlaubsmodellen. Mir ist wichtig, dass Menschen ihr Arbeitsleben mit ihrem Privatleben in Einklang bringen können. Wer zum Beispiel mehr reisen möchte, kann zusätzliche Urlaubstage erwerben. Diese Flexibilität wird sehr geschätzt. Gleichzeitig verstehen wir uns als Mischung aus verschiedenen Unternehmenskulturen: In unseren Prozessen sind wir teilweise so strukturiert wie ein Konzern, gleichzeitig bleiben wir so schnell und flexibel wie ein mittelständisches Unternehmen – und manchmal auch so mutig wie ein Start‑up.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Internationalisierung für Rausch?

Robert Rausch: Wir sind international unterwegs, aber wir bleiben ein deutsches Produktionsunternehmen. Unsere gesamte Produktion befindet sich in Deutschland, und das wird auch so bleiben. Die Antwort auf die Frage nach dem Standort ist für uns Effizienz und Qualität. Wenn man sehr modern produziert und die Prozesse im Griff hat, kann man auch in Deutschland wettbewerbsfähig sein.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Branche insgesamt?

Robert Rausch: Die größte Herausforderung ist die Verfügbarkeit von Kakao. In den großen Anbaugebieten, vor allem in Westafrika, sehen wir eine schwierige Entwicklung. Die Produktion könnte in Zukunft zurückgehen, während die Nachfrage weiter steigt. Die starken Preissprünge der letzten Jahre sind ein erstes Signal dafür. Deshalb entstehen weltweit neue Projekte – etwa große Kakaoplantagen in Brasilien, die teilweise 1.000 ha oder mehr umfassen und mit modernster Technologie arbeiten. Drohnen überwachen dort beispielsweise den Zustand der Pflanzen. Für uns bedeutet das: Wir müssen frühzeitig Teil dieser Entwicklung sein und sie aktiv mitgestalten.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie in die Zukunft blicken – was möchten Sie als 5. Generation besonders voranbringen?

Robert Rausch: Zum einen das Thema Nachhaltigkeit, etwa bei Verpackungen. Wir stellen derzeit sämtliche Verpackungen auf komplett plastikfreie Lösungen um. Das ist ein wichtiger Schritt. Zum anderen geht es um Technologie. Künstliche Intelligenz spielt bereits heute in vielen Bereichen eine Rolle – von Prognosen über Designprozesse bis hin zum Kundenservice. In Zukunft werden ganze Arbeitsabläufe stärker automatisiert werden. Am Ende bleibt jedoch eine Konstante: Gute Schokolade entsteht aus guten Zutaten und aus Leidenschaft für das Produkt. Das war vor 100 Jahren so – und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Rausch GmbH
Wolframstraße 95-96
12105 Berlin
+49 30 757880
service(at)rausch.de
www.rausch.de

 

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