Wenn Handwerk auf Industrie trifft

Interview mit Paul Haacke, Geschäftsführer der Portawin GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Haacke, Sie sind gelernter Tischler, haben an der Fachhochschule Rosenheim Holztechnik studiert und dabei den Fokus auf den Bereich Innenausbau gelegt, waren für große Projekte bei Kaefer Construction verantwortlich, haben parallel einen MBA gemacht und sind 2020 im Zuge einer Nachfolgeregelung zu Portawin gekommen. Wofür stand Portawin zu der Zeit?

Paul Haacke: Portawin war ein klassisches mittelständisches Familienunternehmen in der 2. Generation mit einer über 100-jährigen Geschichte. Da es aus dem familiären Umfeld keinen Nachfolger gab, war das Unternehmen schon 2014 an einen Investor verkauft worden, Herr Kriege jedoch weiter als Geschäftsführer tätig. Das Angebot, dort einzusteigen, war für mich mit meinem beruflichen Hintergrund sehr interessant. Ich hatte zwei Jahre Zeit, die Abläufe und Funktionsweisen kennenzulernen, bevor ich an der Seite von Herrn Kriege in die Geschäftsführung aufstieg. Als dieser im August 2024 planmäßig mit fast 80 Jahren ausschied, wurde ich alleiniger Geschäftsführer. Seit Anfang 2024 firmieren wir, auch auf Wunsch von Herrn Kriege, als Portawin. 

Wirtschaftsforum: Warum Portawin und kein anderes Unternehmen? 

Paul Haacke: Portawin ist ein gesundes, solide aufgestelltes Unternehmen. Als gelernter Tischler liebe ich den Werkstoff Holz und die Arbeit damit; diese Verbundenheit ist tief in mir verankert. Ich schätze es, eine reale Werkstatt zu haben, in der konkrete, handfeste Dinge gefertigt werden. In den Firmen, in denen ich vorher gearbeitet habe, hatten wir es vor allem mit Nachunternehmen zu tun; man hatte kein konkretes eigenes Produkt, sondern reichte Verträge weiter beziehungsweise ließ die einzubauenden Elemente durch Drittfirmen fertigen und montieren. Hier haben wir eine eigene Fertigung mit allem, was dazugehört; das schätze ich sehr. Für mich ist es eine spannende Herausforderung, ein Unternehmen zu leiten, das mit einem Fuß in der Industrie und dem anderen im Handwerk steht und mit dem sowohl eine industrielle Großserien-Fertigung möglich ist, aber gleichzeitig das Know-how und die Flexibilität eines Handwerkbetriebs vorhanden ist.

Wirtschaftsforum: Wie sieht das Portfolio aus? 

Paul Haacke: Schwerpunkte des Angebots sind Holz- und Holz-Aluminium-Fenster; Letztere machen unseren Schwerpunkt aus. Daneben bieten wir Kunststofffenster an, Holzinnentüren, Pfosten-Riegel-Konstruktionen für Fassaden. Der hochwertige Innenausbau mit Thekenanlagen, Kücheneinrichtungen, Handläufen, Trennwänden oder Einbauschränken macht einen geringeren Anteil aus. 

Wirtschaftsforum: Wo liegen die Stärken des Unternehmens? 

Paul Haacke: Wir haben mit knapp 100 Mitarbeitern eine gute Größe, zudem ist unser moderner Maschinenpark ein echtes Asset. Portawin ist breit und vielseitig aufgestellt und sehr flexibel. Den Nachfrageeinbruch im Neubau können wir abfedern, weil wir Mitarbeiter anderweitig einsetzen können, vor allem in Projekten im Bereich Holz-Alu-Fenster. Entscheidend ist, dass wir hervorragende Mitarbeiter haben, sehr gute Techniker. Deshalb sind wir besonders gut, wenn es komplex wird, wenn es um die Umsetzung verschiedener und anspruchsvoller Leistungen bei einem Bauvorhaben geht. 

Wirtschaftsforum: Gibt es Referenzprojekte, die diese Kompetenz widerspiegeln? 

Paul Haacke: Der größte Auftrag in unserer Geschichte ist der Berufsschulcampus in Moers; für dieses Projekt haben wir Holz-Alu-Fenster und Fassaden für die Turnhalle geliefert. Aktuell arbeiten wir an einem Gymnasium und einer Realschule in Düsseldorf und liefern Holz-Alu-Fenster und Eingangsanlagen. Beispielhaft für ein Projekt im Bereich Denkmalschutz ist die Staatskanzlei in Düsseldorf, für die wir hochwertige Einbauschränke und die Wandvertäfelung im Saal für Pressekonferenzen gefertigt haben. Wir sind überwiegend für die öffentliche Hand tätig; das heißt, 80% der Aufträge gehen über Ausschreibungen, der Rest über mittelständische Generalunternehmer und Projektentwickler. 

Wirtschaftsforum: Portawin ist ein traditionsreiches Unternehmen. Welche Veränderungen und Neuerungen haben sie herbeigeführt? 

Paul Haacke: Da das Unternehmen sehr stark auf eine Person zugeschnitten war, haben wir verschiedene Strukturen aufgebrochen. Wir möchten offener kommunizieren, die Mitarbeiter noch mehr mitnehmen und Verantwortung übertragen. Früher wurde viel über Stückzahlen gesteuert, heute wollen wir über Qualität gesund wachsen. Wir beschäftigen uns verstärkt mit dem Thema Projektmanagement, legen den Fokus auf die Optimierung der Fertigungs- und Montagequalität und forcieren die Digitalisierung. Wir wollen die Möglichkeiten, die die IT bietet, nutzen und den Charakter eines Handwerksbetriebs wahren.

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