„Die Sonne fährt mit – und genau das begeistert die Menschen“

Interview mit Frank Schulze, Hardware-Entwickler und Prokurist der openWB GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Schulze, wie hat alles begonnen? Wie entstand die Idee zu openWB?

Frank Schulze: Die Grundidee geht auf das Frühjahr 2018 zurück. Ich hatte damals beobachtet, dass viele Menschen mehrere Photovoltaikanlagen oder unterschiedliche Geräte im Haus hatten – aber diese Systeme sprachen nicht miteinander. Jeder Hersteller hatte seine eigene Welt. Aus Nutzersicht war das unpraktisch. Wir wollten deshalb eine Lösung schaffen, die verschiedene Geräte herstellerübergreifend zusammenführt und die Energie sinnvoll nutzt. Über ein Onlineforum habe ich dann Kevin Wieland kennengelernt, unseren heutigen CEO. Er kam aus der Softwarewelt, ich aus der Elektronik. Daraus ist openWB entstanden.

Wirtschaftsforum: Worin besteht heute das Kerngeschäft des Unternehmens?

Frank Schulze: Wir entwickeln intelligente Ladelösungen und Energiemanagementsysteme. Am Anfang ging es vor allem darum, Elektroautos möglichst effizient mit Solarstrom zu laden. Heute geht es um viel mehr: Fahrzeuge, Batteriespeicher, Wärmepumpen – all das wird Teil eines intelligenten Energiesystems. Unser Ansatz ist immer derselbe: Energie dort nutzen, wo sie gerade sinnvoll eingesetzt werden kann.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet openWB von vielen anderen Anbietern?

Frank Schulze: Unser System ist bewusst offen aufgebaut. Die Software ist Open Source, und wir versuchen, möglichst viele Geräte unterschiedlicher Hersteller einzubinden. Das gibt den Nutzern enorme Freiheit. Außerdem arbeiten unsere Systeme lokal im Netzwerk. Die Daten bleiben also beim Nutzer und müssen nicht über irgendwelche Cloudlösungen laufen. Das macht die Technik stabiler und unabhängiger.

Wirtschaftsforum: Sie sind Hardware-Entwickler und Prokurist. Wie sieht Ihre Rolle im Unternehmen aus?

Frank Schulze: Ich kümmere mich um die Weiterentwicklung unserer Hardware und betreue auch unser Partnernetzwerk. Unsere Wallboxen werden in Eichenzell bei Fulda gefertigt. Sie sind modular aufgebaut – wenn etwas erweitert oder repariert werden muss, kann man einzelne Komponenten austauschen. Das ist nachhaltiger als ein kompletter Austausch. Gleichzeitig bekomme ich über unsere Partner sehr viel Feedback aus dem Markt.

Wirtschaftsforum: Welche Entwicklung sehen Sie derzeit im Energiemarkt?

Frank Schulze: Viele Menschen beschäftigen sich intensiver mit Energie als früher. Ein Elektroauto macht das Thema plötzlich greifbar: Man sieht direkt, wie viele Kilowattstunden man verbraucht. Wenn man die Energieflüsse visualisiert und sieht, dass große Mengen PV-Energie ins Auto geladen werden, entsteht bei den Nutzern ein echtes Erlebnis und ein Verständnis für Energie.

Wirtschaftsforum: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren von openWB?

Frank Schulze: Wir sind ein kleines, sehr fokussiertes Team. Wenn jemand eine gute Idee hat, setzen wir sie schnell um. Prototypen entstehen bei uns oft innerhalb weniger Monate. Außerdem hören wir sehr genau auf unsere Nutzer. Viele Funktionen sind direkt aus der Community entstanden.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die kommenden Jahre?

Frank Schulze: Unser Ziel ist nicht, möglichst groß zu werden. Uns geht es darum, Systeme zu entwickeln, die wirklich funktionieren und den Menschen einen Mehrwert bieten. Wenn Kunden sagen: „Von März bis Oktober fahre ich mit Sonne im Tank“, dann ist das für mich die größte Motivation. Genau das ist für mich gelebte Energiewende.

Wirtschaftsforum: Was gibt Ihnen die größte Motivation bei diesem Projekt?

Frank Schulze: Ich finde es faszinierend zu sehen, dass diese Technologie tatsächlich funktioniert. Wenn jemand sein Auto mit selbst erzeugter Energie lädt und merkt, dass das im Alltag klappt – dann entsteht echte Begeisterung. Und genau dieses Gefühl weiterzugeben, das ist für mich der größte Antrieb.

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