Mut beginnt mit zwei Fragen

Interview mit Ingo Bitzer, Geschäftsführer von ib Consult

Mehr als 30 Jahre unternehmerische Erfahrung prägen den Beratungsansatz von Ingo Bitzer. Er ist mit internationalen Unternehmen und unterschiedlichen Kulturen ebenso vertraut wie mit den Herausforderungen energieintensiver Industrien und der Automobilbranche. Heute begleitet er Unternehmen als Sparringspartner durch Veränderungsprozesse. Dabei geht es ihm nicht um theoretische Lösungen, sondern um Ansätze, die sich im unternehmerischen Alltag bewähren und auch unter schwierigen Bedingungen tragfähig sind. Vieles beginnt für ihn mit zwei erstaunlich einfachen Fragen: „Was kannst du, was kannst du nicht? Was willst du und was willst du nicht?“ Wer darauf ehrlich antworte, komme häufig schnell zum Kern eines Problems. Diese Selbstklärung schafft die Grundlage, Prioritäten zu setzen und auch unter Unsicherheit konsequent zu entscheiden.

Nicht lamentieren, handeln

Wie wichtig diese Haltung ist, hat Ingo Bitzer selbst in Krisensituationen erlebt. Statt auf günstigere Energie oder bessere politische Rahmenbedingungen zu warten, setzte er gemeinsam mit Unternehmen beispielsweise auf alternative Energiequellen und veränderte bestehende Strukturen. Seine Leitfrage: „Was können wir jetzt tun?“ Diesen Pragmatismus vermisst er teilweise in Deutschland und Europa. An Know-how und qualifizierten Menschen mangele es nicht. Eine besondere Stärke sieht er in der dualen Ausbildung und im breiten Wissen der Mitarbeitenden. Entscheidend sei, dieses Potenzial tatsächlich zu nutzen, Verantwortung zu übertragen und Freiräume zu schaffen. Führung bedeutet für ihn deshalb, einen klaren Rahmen vorzugeben – und das Team darin selbstständig arbeiten zu lassen. Gerade in Veränderungsprozessen entsteht so die nötige Geschwindigkeit, ohne das Wissen der eigenen Organisation aus dem Blick zu verlieren.

Zwei Welten verbinden

Besonders deutlich zeigt sich diese Herausforderung beim Thema KI. Ingo Bitzer warnt davor, Technologien einzuführen, ohne zuvor die Strategie und die Datenbasis zu klären. Es brauche eine klare Richtung von oben und zugleich einen Bottom-up-Ansatz: Nur auf einer verlässlichen Datenstruktur könne KI sinnvoll aufbauen. Gleichzeitig erlebt Ingo Bitzer, wie unterschiedlich etablierte Industrieunternehmen und junge KI-Teams arbeiten. Auf der einen Seite stehen gewachsene Entscheidungsstrukturen, auf der anderen Entwicklerinnen und Entwickler, die innerhalb kürzester Zeit neue Lösungen schaffen. Genau diese Welten möchte er zusammenbringen. „Aufgrund meiner 30-jährigen Erfahrung verstehe ich, wie Unternehmen arbeiten und welche Entscheidungsgrundlagen notwendig sind“, sagt er. Zugleich gehe es darum, zu verstehen, welche Freiheiten innovative Teams benötigen. Darin sieht Ingo Bitzer auch eine Perspektive für den Mittelstand. Wenn Unternehmen das Wissen ihrer Mitarbeitenden in KI-gestützten Wissensplattformen nutzbar machen, könnten sie schneller auf Veränderungen reagieren. Seine Botschaft ist deshalb weniger technologische Euphorie als vielmehr ein Plädoyer für unternehmerischen Mut: vorhandene Fähigkeiten erkennen, neue Möglichkeiten zulassen – und anfangen, statt auf bessere Rahmenbedingungen zu warten.

Kontaktdaten
ib Consult
Rua do Bonfim n.º 120A, Caparide
2785-433 São Domingos de Rana
Portugal
+49 152 27548038
info@ib-consult.de
www.ib-consult.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Professioneller Klang als Wettbewerbsvorteil: Wie Audioqualität den Vertrieb im Mittelstand prägt

Professioneller Klang als Wettbewerbsvorteil: Wie Audioqualität den Vertrieb im Mittelstand prägt

Der erste Eindruck in einem virtuellen Meeting entsteht heute längst nicht mehr nur über das visuelle Erscheinungsbild. Wenn Führungskräfte oder Vertriebsteams im Mittelstand Verhandlungen führen, ist die sprachliche Übertragung das…

Neue Maßstäbe der Finanzierungsprüfung: Wie moderne Makler Bonität heute bewerten

Neue Maßstäbe der Finanzierungsprüfung: Wie moderne Makler Bonität heute bewerten

Die Kriterien für die Vergabe von Finanzmitteln durchlaufen eine spürbare Transformation. Während klassische Hausbanken bei ihren Kreditentscheidungen oftmals starr auf etablierte Standard-Scores blicken, verfolgen spezialisierte Dienstleister längst differenziertere Ansätze. Für…

Welche Bauweise ist langfristig am wertstabilsten

Welche Bauweise ist langfristig am wertstabilsten

Nicht nur die Lage bestimmt den Wert einer Immobilie, sondern auch die Konstruktionsart. Wer heute baut oder investiert, denkt in Jahrzehnten - und genau hier trennen sich die Bauweisen deutlich…

Aktuellste Interviews

Vom Surfcamp zum Ferienresort

Interview mit Olaf Winkelmann, Geschäftsführer der Feriendorf und Surfschule Pepelow GmbH

Vom Surfcamp zum Ferienresort

Was 1992 als einfaches Surfcamp begann, ist heute ein vielseitiges Ferienresort an der Ostsee. Die Feriendorf und Surfschule Pepelow GmbH verbindet Wassersport, Urlaub und mediterranes Ambiente zu einem Angebot für…

Chemie, die mehr können muss

Interview mit Roberto Camera Magni, Gesellschafter und CEO der Nearchimica S.r.l.

Chemie, die mehr können muss

Seit 1979 entwickelt die Nearchimica S.r.l. chemische Lösungen für die Textilindustrie. Das Unternehmen aus Legnano begleitet seine Kunden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit anwendungstechnischem Know-how. Roberto Camera Magni,…

60 Jahre Engineering – und der Blick nach vorn

Interview mit Attila Krenn, Betriebsleiter Deutschland und Stephan Völk, Personalleiter der HLS SACHA GmbH

60 Jahre Engineering – und der Blick nach vorn

Seit sechs Jahrzehnten begleitet HLS SACHA die industrielle Automatisierung – von den ersten Konstruktionen am Reißbrett bis zur digital geplanten Roboteranlage. Heute befindet sich das Unternehmen selbst mitten in einer…

TOP