Anders als man vielleicht vermuten könnte, bereitet das anhaltende Zinstief am Kapitalmarkt der Wirtschaft kaum Freude. Auf der einen Seite haben Unternehmen momentan zwar den Vorteil niedriger Kreditzinsen, doch Experten sehen für die Zukunft schwarz. DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann warnt im Interview mit dem „Handelsblatt“ vor den „künftigen Lasten durch niedrige Finanzerträge, etwa bei den Pensionsrückstellungen“ – ein gravierendes Problem, das erst Jahre später wieder auftaucht.
Referenzzins weit entfernt von Renditen
So entsteht dem deutschen Mittelstand in den nächsten 15 Jahren eine Deckungslücke in Höhe von 4,1 Milliarden Euro bei Pensionsverpflichtungen, die sich insgesamt auf 24 Milliarden Euro belaufen, so die Berechnungen der DIHK. Grund: Der geltende Referenzzins ist weit von aktuell erzielbaren Renditen entfernt – die Kehrseite der EZB-Niedrigzinspolitik.
Pensionslasten durch Rückstellungen und Gewinne finanzieren
Um die Deckungslücke auszugleichen, bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als Rückstellungen zu bilden oder die Pensionslasten durch anfallende Gewinne zu finanzieren. Folge: Die Investitionstätigkeit des Mittelstands bricht ein, denn nach Schätzungen der DIHK nutzten die kleinen und mittleren Unternehmen in den vergangenen Jahren 34% der Gewinne für Investitionen. Bei einer 4,1 Milliarden Euro großen Deckungslücke ergibt das ein Minus von rund 1,4 Milliarden Euro an Investitionsspielraum.
Mehr Risiko bei der Geldanlage
Um das Problem zu lösen, rät DIHK-Experte Schumann, andere Finanzierungswege wie den über Investoren zu gehen, da diese derzeit ebenfalls wegen des Zinstiefs nach neuen Anlagemöglichkeiten suchen. Falls sich kein Investor findet, müssten Mittelständler risikoreichere Anlageformen in Betracht ziehen oder schlicht mehr Umsatz und Gewinn machen. Viele kleine Firmen könnten ihre Erträge bereits dadurch beträchtlich erhöhen, wenn sie ihr Forderungsmanagement verbessern würden, so Schumann.






