Das Labor immer dabei

Interview mit Daniel Zhao, Geschäftsführer der MedRhein GmbH

Gegründet im Jahr 2020, kurz nach Ausbruch der Coronapandemie, gehört MedRhein zu den am schnellsten wachsenden Medizintechnik-Spezialisten in Deutschland. Schwerpunkt des Unternehmens sind Point-of-Care-Diagnostika. „Dabei handelt es sich um Produkte für die dezentrale, patientennahe Durchführung diagnostischer Untersuchungen, zum Beispiel direkt am Krankenbett, in der Notfallambulanz, in der Arztpraxis oder bereits am Unfallort“, erklärt Geschäftsführer und Firmengründer Daniel Zhao.

Die Idee zur Gründung des Unternehmens sei ihm während der Pandemie gekommen. „Viele Möglichkeiten in der Wirtschaft waren blockiert, aber der Medizintechnik-Bereich, die medizinische Forschung wurde immer wichtiger. Ich habe überlegt, was sich in der Pandemie machen lässt. Angefangen habe ich mit Masken und Selbsttests. Daraus hat sich dann ein komplettes Portfolio an POCT-Produkten entwickelt für die dezentrale, patientennahe Labordiagnostik.“

Enge Zusammenarbeit mit Herstellern

MedRhein vertreibt aktuell Nukleinsäuretests, sowohl für die Human- als auch für die Tierdiagnostik, PCR-Geräte und PCR-Reagenzprodukte zum Nachweis von Viren, Antigentests für professionelle Anwender und Laien, Laborgeräte, -verbrauchsartikel und -zubehör sowie Persönliche Schutzausrüstung wie Masken, Kittel und Handschuhe. Alle Produkte werden in asiatischen Ländern hergestellt, vor allem in China und Indonesien, und in Kooperation mit der CTG China Trading GmbH importiert.

Neben Garbsen bei Hannover verfügt MedRhein über Standorte in Berlin und Shanghai. „Wir arbeiten eng mit den Herstellern zusammen“, sagt Daniel Zhao. „Für viele Produkte braucht man Zulassungen und Genehmigungen in Deutschland und Europa. Wir haben die Hersteller bei den entsprechenden Prozeduren unterstützt, auch bei der Organisation der gesamten Logistik.“

Heute gehört MedRhein zu den führenden Anbietern von POCT-Produkten. Nach der Pandemie habe man sich wieder verstärkt auf Messen präsentiert und die Zusammenarbeit mit Apotheken ausgebaut. Zugleich arbeite man am Aufbau eines Exportgeschäfts. „Viele Produkte gehen inzwischen den umgekehrten Weg und werden von Europa nach Asien exportiert, medizinische Produkte, aber auch Nahrungsergänzungsmittel“, erläutert Daniel Zhao. „Mit letzteren haben wir einen neuen Markt entwickelt.“

Vorreiter der Digitalisierung in der Medizintechnik

MedRhein treibt darüber hinaus die Digitalisierung im Bereich der patientennahen Diagnostik voran: So lassen sich mit der selbst entwickelten MedRhein Care App sofort gültige Testnachweise nach Selbsttests erstellen und digitale Impfpässe verwalten. Außerdem arbeite man an der datenschutzkonformen Nutzbarmachung der vom Patienten produzierten Daten für die medizinische Forschung.

„Immer mehr Daten werden patientennah gesammelt, in Arztpraxen, Apotheken oder zuhause“, so Daniel Zhao. „Um diese Ressource zu nutzen, bieten wir Herstellern unseren Service für die Entwicklung marktreifer, zugelassener Geräte und Produkte an.“ Last but not least engagiert sich MedRhein im stark wachsenden Markt für Tierdiagnostik, mit dezentralen Lösungen zum Beispiel für den Nachweis von Infektionen.

Attraktiv für junge, qualifizierte Leute

MedRhein beschäftigt 50 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 150 Millionen EUR. Aktuell baut das Unternehmen sein IT- und Forschungszentrum in Berlin aus, um das Produktportfolio umzustrukturieren und zu erweitern für die Zeit nach der Pandemie. „Wir haben derzeit viele Projekte in der Pipeline“, sagt Daniel Zhao. Der Berliner Forschungsstandort sei sehr attraktiv für viele Fachkräfte und Spezialisten und habe eine hohe Anziehungskraft für junge Leute. „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, junge Menschen auf ihrem Weg zu unterstützen“, erklärt Daniel Zhao. „Ich sehe mich wie einen Lehrer oder Erzieher, der den Nachwuchs dabei unterstützt, im Leben Fuß zu fassen und sich zu entwickeln.“

Am Anfang habe Daniel Zhao alles selbst gemacht, heute sei er eher der strategische Entscheider. „Wir haben heute ein hervorragend qualifiziertes, multikulturelles Team. Die kulturelle Seite zu berücksichtigen, das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Backgrounds und Weltoffenheit sind uns wichtig. Die Welt wird immer kleiner; in Zukunft wird man sich daran gewöhnen, dass man international und multikulturell arbeitet, um die besten Ressourcen zu nutzen.“

MedRhein nutzt darüber hinaus zunehmend Künstliche Intelligenz, zum Beispiel um den Kundenservice zu verbessern oder neue Produkte zu entwickeln. „In der Digitalisierung liegt die Zukunft in der Medizintechnik“, so Daniel Zhao. „Wichtig ist, dass man die Trends rechtzeitig erkennt, bevor man etwas Neues aufbaut. Man sollte immer da starten, wo man die Zukunft hat.“ Für MedRhein weist die Zukunft in Richtung weiterer Ausbau der Marktführerschaft im POCT-Bereich.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Sicher entscheiden: Das macht gute Betreuung beim Immobilienverkauf aus

Sicher entscheiden: Das macht gute Betreuung beim Immobilienverkauf aus

Vor der finalen Beauftragung eines Maklers vergleichen die meisten Eigentümer zwei Zahlen: den vorgeschlagenen Angebotspreis und die Provision für die Vermittlung. Beide wirken greifbar, vermeintlich leicht gegenüberzustellen. Doch über den…

Wachstum vor den Toren der Metropolen: Warum das Umland für Unternehmen wichtiger wird

Wachstum vor den Toren der Metropolen: Warum das Umland für Unternehmen wichtiger wird

Rund die Hälfte der Einwohner Deutschlands wohnt in einer Großstadt. Dennoch zeigen sich dort, vor allem in den letzten zehn Jahren, erhebliche Veränderungen. So verloren Großstädte jüngst mehr als 130.000…

Unsichtbare Verluste: Warum fehlende Bestandstransparenz Mittelständler jährlich fünfstellige Summen kostet

Unsichtbare Verluste: Warum fehlende Bestandstransparenz Mittelständler jährlich fünfstellige Summen kostet

In vielen mittelständischen Unternehmen entstehen Jahr für Jahr erhebliche Verluste, die in keiner Gewinn- und Verlustrechnung als eigener Posten auftauchen. Sie verstecken sich zwischen den Zeilen: in doppelt gekauften Geräten,…

Aktuellste Interviews

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Interview mit Richard Steinbrecht, Geschäftsführer der iQLASE GmbH

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Aus Lessmüller und Blackbird, zwei etablierten Laserschweißunternehmen, wurde kürzlich iQLASE: eine Fusion, von der sich Geschäftsführer Richard Steinbrecht nicht nur eine stärkere Marktposition durch klare Synergieeffekte, sondern auch zusätzliche Innovationskraft…

„Viele Organisationen wissen gar nicht, wie sie im Detail arbeiten!“

Interview mit Dr. Andreas Löhr, Geschäftsführer der Linova Software GmbH

„Viele Organisationen wissen gar nicht, wie sie im Detail arbeiten!“

Digitalisierungsprojekte liegen auf der Straße, nicht nur in der Industrie, sondern auch in stark regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie sowie der Luft- und Raumfahrttechnik. Die Linova Software GmbH…

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

TOP