Klarer Kurs in bewegten Zeiten

Interview mit Haakon Dias Hansen, Geschäftsführer der Nord-Spedition GmbH & Co. KG

Von Anfang an ging es bei Nord-Spedition um Mobilität – auch wenn 1968 der Start mit Taxi- und Krankentransporten zunächst wenig mit dem heutigen Geschäft zu tun hatte. Der Wendepunkt folgte 1976 mit der Übernahme eines Unternehmens mit Tankauflieger. „Damit hat sich alles verändert“, sagt Geschäftsführer Haakon Dias Hansen. „Seitdem ist der Transport von Flüssigkeiten unser Kerngeschäft.“ In den 1990er-Jahren brachte die Zusammenarbeit mit den Nordischen Ölwerken aus Hamburg einen deutlichen Wachstumsschub: Die Flotte wuchs von zehn auf rund 40 Fahrzeuge. Später übernahmen Lars Hansen und Oke Hansen zunehmend Verantwortung und entwickelten Spedition und Werkstatt konsequent weiter.

Spezialist für flüssige Güter

Heute ist Nord-Spedition ein etablierter Spezialist mit rund 75 eigenen Lkw. Gemeinsam mit der polnischen Partnerfirma Poltank umfasst der Verbund etwa 110 Fahrzeuge, insgesamt sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem Transport flüssiger Produkte – von Lebensmittelölen bis hin zu technischen Flüssigkeiten, Gefahrstoffen und Abfällen. „Unser Geschäft ist klar auf Flüssigkeitstransporte ausgerichtet“, betont Geschäftsführer Haakon Dias Hansen. „Wir haben uns auch mit anderen Bereichen beschäftigt, sind aber bewusst bei dieser Spezialisierung geblieben.“ Diese Ausrichtung ist zugleich ein klares Qualitätsversprechen, denn Flüssigkeitstransporte stellen besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Hygiene und Prozessstabilität.

Technik, Hygiene und Präzision

Die Spezialisierung geht mit hoher technischer Kompetenz einher. Unterschiedliche Produkte erfordern strikt getrennte Transporte, spezifische Reinigungsvorgaben und präzise Abläufe. Nord-Spedition begegnet diesen Anforderungen mit Erfahrung, moderner Technik und sorgfältiger Planung. „Wir klären Dinge lieber dreimal im Vorfeld, statt später vor Ort festzustellen, dass etwas nicht passt“, so Haakon Dias Hansen. „Am Ende geht es darum, dass das Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – ohne Kompromisse.“ Ein zentraler Baustein ist die eigene Werkstatt, die seit Jahrzehnten als Vertragswerkstatt für Volvo und Renault tätig ist und sowohl die eigene Flotte als auch externe Fahrzeuge betreut.

Grundlage für Effizienz

Parallel dazu treibt das Unternehmen die Digitalisierung konsequent voran. Ein zentrales Projekt war die vollständige Umstellung der Speditionssoftware im Jahr 2024 – nach 25 Jahren im bisherigen System. „Das war ein riesiger Schritt für uns“, bestätigt der Geschäftsführer. „Wir haben damit die Grundlage geschaffen, Prozesse stärker zu automatisieren und unser Wissen besser im System abzubilden.“ Ziel ist es, die steigende Komplexität im Tagesgeschäft zu beherrschen und nicht wertschöpfende Aufgaben zu reduzieren. Das papierlose Büro ist weitgehend umgesetzt, zudem arbeitet das Unternehmen an ersten KI-Anwendungen, etwa zur Optimierung von Tankreinigungen, die bislang mit hohem Ressourcenaufwand verbunden sind.

Strategischer Treiber

Ein weiteres zentrales Zukunftsthema ist die Antriebswende. Nord-Spedition gehört zu den Unternehmen, die früh in die Elektromobilität eingestiegen sind und inzwischen mehrere vollelektrische Lkw im Einsatz haben. „Am Anfang war das ein Stück weit Idealismus“, erklärt Haakon Dias Hansen. „Heute sehen wir ganz klar, dass es auch wirtschaftlich Sinn macht.“ Neben ökologischen Vorteilen gewinnt dabei auch die langfristige Planbarkeit von Energie- und Betriebskosten an Bedeutung. Die Fahrzeuge sind fest in den Betrieb integriert und leisten bereits einen messbaren Beitrag zur CO2-Reduktion. Gleichzeitig nutzt das Unternehmen die neue Technologie, um neue Einsatzfelder zu erschließen und sich strategisch breiter aufzustellen.

Persönlicher Kontakt

Trotz allen technologischen Entwicklungen bleibt der persönliche Kontakt ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells. Viele Kundenbeziehungen bestehen seit Jahren, teilweise über Generationen hinweg. „Die Entscheidung trifft am Ende immer noch der Mensch“, betont der Geschäftsführer. „Deshalb ist es uns wichtig, auch persönlich vor Ort zu sein.“ Nord-Spedition setzt bewusst auf die Kombination aus digitalem Austausch und persönlicher Präsenz, um Vertrauen aufzubauen und langfristige Partnerschaften zu sichern. Mit Haakon Dias Hansen ist seit 2021 die nächste Generation im Unternehmen aktiv. Nach dem Studium sowie Stationen bei Lufthansa und Kühne + Nagel entschied er sich für den Einstieg in den Familienbetrieb. „Wenn man wirklich etwas umsetzen will, ist das im Mittelstand oft einfacher“, sagt er. Diese Erfahrung prägt eine offene, diskussionsfreudige Unternehmenskultur mit kurzen Entscheidungswegen und einem vergleichsweise jungen Team: „Jeder kann seine Meinung sagen – egal ob Azubi oder Geschäftsführung. Genau das macht uns besser.“

Wandel im Markt

Die Rahmenbedingungen in der Logistikbranche bleiben anspruchsvoll. Steigende Kosten, wachsender Wettbewerb und zunehmende Schwankungen in der Nachfrage erfordern ein hohes Maß an Flexibilität. „Früher war vieles planbarer“, sagt der Geschäftsführer. „Heute haben wir deutlich stärkere Ausschläge – darauf müssen wir reagieren.“ Nord-Spedition setzt auf klare Positionierung, Anpassungsfähigkeit und Kooperation. Angetrieben wird das Unternehmen nicht zuletzt von der Faszination für ein Geschäft, das sichtbar in Bewegung ist: „Unsere Lkw sind jeden Tag mit schweren Lasten auf den Straßen unterwegs und bringen Waren zuverlässig ans Ziel – das ist etwas Reales, Greifbares“, so Haakon Dias Hansen. „Genau das macht für mich den Reiz aus.“

Nord-Spedition GmbH & Co. KG
Gewerbegebiet Wiehekrug 2
24969 Großenwiehe
Deutschland
+49 4604 90020
info(at)nord-spedition.de
www.nord-spedition.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Schneller fertig, früher vermietet: Wie standardisierte Bauprozesse die Rendite steigern

Schneller fertig, früher vermietet: Wie standardisierte Bauprozesse die Rendite steigern

Der deutsche Wohnungsbau steht unter gewaltigem Druck. Hohe Zinsen und steigende Materialkosten bremsen viele Projekte aus. In dieser Krise rückt eine innovative Lösung in den Fokus der Immobilienwirtschaft. Der Modulbau…

OMR 2026 als Gradmesser für AI in der digitalen Wirtschaft

OMR 2026 als Gradmesser für AI in der digitalen Wirtschaft

Die OMR 2026 in Hamburg zeigt, wie künstliche Intelligenz zunehmend zur treibenden Kraft digitaler Geschäftsmodelle wird und welche Rolle Daten, Plattformen und neue Interfaces dabei spielen. Gleichzeitig wird deutlich, dass…

Warum nur wenige Unternehmen echten Nutzen aus AI ziehen

Warum nur wenige Unternehmen echten Nutzen aus AI ziehen

Studien zeigen: KI ist weit verbreitet, doch der wirtschaftliche Nutzen bleibt oft begrenzt. Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern die Qualität ihrer Anwendung.…

Aktuellste Interviews

„Wir machen aus einem Hotel ein Erlebnis – nicht umgekehrt“

Interview mit Katharina Wiegert, Geschäftsleitung, und Erik Sanchez, Geschäftsführer der Seehotel Heidehof GmbH

„Wir machen aus einem Hotel ein Erlebnis – nicht umgekehrt“

Ein See, viel Natur – und zwei junge Unternehmer, die daraus mehr machen wollen als klassische Hotellerie. Katharina Wiegert und Erik Sanchez sprechen über mutige Ideen, ungewöhnliche Konzepte und darüber,…

„Ein Apartment auf Rädern“

Interview mit Franz Wieth, Geschäftsführer der PROTEC GmbH & Co. KG

„Ein Apartment auf Rädern“

Wer im Wohnmobil unterwegs ist, kennt das Dilemma: Entweder man fährt ein kompaktes, wendiges Fahrzeug und verzichtet auf Platz – oder man wählt den Luxusliner in Omnibusgröße, der in jeder…

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Interview mit Alexander Hartl, Geschäftsführer der Penzkofer Bau GmbH

Serielle Vorfertigung als Schlüssel moderner Wohnkonzepte

Steigende Baukosten, Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungen setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig entstehen durch neue Materialien, digitale Prozesse und modulare Bauweise völlig neue Möglichkeiten. Die Penzkofer Bau GmbH, ein leistungsstarkes…

TOP