Implantate aus einem Guss

MediMet GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Burghold, welche Ereignisse waren für MediMet besonders prägend?

Peter Burghold: Das Unternehmen wurde 1994 als MediMet Feinguss GmbH gegründet. Bis heute sind wir eine Feingießerei für die Gussrohlinge, die bei unseren Kunden zu Implantaten weiterverarbeitet und veredelt werden. Bis zum Verkauf an eine Münchener Aktiengesellschaft im Jahre 2008 war die MediMet inhabergeführt. Im Jahre 2016 meldete dann unsere Muttergesellschaft die Insolvenz an. Da unsere Kunden aus Unsicherheit auf die Auswirkungen auf die MediMet daraufhin viele Ihrer Aufträge zurückgehalten hatten, musste auch MediMet bald darauf Insolvenz anmelden. Drei Monate später wurden wir von einem unserer Kunden, der französischen Groupe Lépine, einem inhabergeführten Familienunternehmen, das schon seit 1714 besteht, aufgekauft. Durch die sehr gleichgerichtete Politik der Groupe Lépine und der MediMet sowie der ausgezeichneten Strategie des Geschäftsführers, Herrn Rodolphe Pfaifer, stellte sich bald nach dem Kauf erneut Stabilität und Erfolg für das Unternehmen ein. Unser Kundenstamm basiert heute auf 35 Kunden in der ganzen Welt. Zu etwa 30% produzieren wir für unsere Muttergesellschaft.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich MediMet nach der Insolvenz entwickelt?

Peter Burghold: MediMet war immer ein gesundes Unternehmen und von der Qualität her am Markt ungeschlagen. Nach der Insolvenz haben wir uns von 100 auf heute 60 Mitarbeiter verkleinert, jedoch haben wir dadurch auch die Effizienz steigern können. Unser Umsatz beträgt etwa sechs Millionen EUR im Jahr. Die verschiedenen getroffen Maßnahmen, welche getroffen wurden um die Corona Pandemie einzudämmen, haben selbstverständlich auch eine Auswirkung auf das Bestellverhalten unserer Kunden gezeigt, tendenziell befinden wir uns jedoch bereits wieder im Wachstum und haben neue Kunden und Projekte für uns gewinnen können.

Wirtschaftsforum: Mit welchem Hintergrund sind Sie zu MediMet gekommen, und was konnten Sie dort schon bewegen?

Peter Burghold: Ich bin gelernter Industriemechaniker und habe danach die Meisterschule besucht. 2015 bin ich als Produktionsleiter bei MediMet eingestiegen und habe vor einem Jahr zusätzlich die Werksleitung übernommen. Ich habe einen Schwerpunkt daraufgelegt, die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, insbesondere dem Qualitätsmanagement, der Qualitätssicherung und der Produktion, zu verbessern, sodass hier inzwischen ein gutes Miteinander herrscht. Alle identifizieren sich mit dem Produkt und fühlen sich verantwortlich. Darauf baut alles auf. Wenn man den Menschen das Gefühl gibt und zeigt, dass ihr Wort wichtig ist, ist eine solche Veränderung in der Kultur recht leicht herbeizuführen. Mir war das wichtig, weil ein stabiles Grundkonzept notwendig ist, um dauerhaft Qualität zu gewährleisten. Seit unserer Gründung gab es keinen einzigen Rückruf eines von uns gegossenen Produkts, obwohl wir heute sehr stark reglementiert werden. Darauf sind wir stolz.

Wirtschaftsforum: Welche Arten von Implantaten stellen Sie her?

Peter Burghold: 90% unserer Implantate sind Knieimplantate, der Rest vor allem Hüftimplantate und zunehmend Fuß- und Fingergelenkimplantate. Außerdem produzieren wir Instrumente welche durch die Ärzte später zur Durchführung der Implantierungen genutzt werden, sowie Knochenklammern, mit denen wir bei der Food and Drug Administration, FDA, in den USA gelistet sind. Ein wichtiger Bereich sind individualisierte Implantate. Dafür wird zunächst ein Wachsmodell des benötigten Implantats angefertigt, mit Keramik ummantelt und diese keramische Form dann als Gussform verwendet. Die Wachsteile werden hierbei, anders als bei regulären Serienprodukten, nicht mit einer Wachsspritzmaschine hergestellt, sondern über ein 3-D-Wachsdruckverfahren bei dem hochindividualisierte Bauteile direkt nach dem Abbild des zu ersetzenden Knochens erstellt werden können. Durch dieses Verfahren sind wir extrem flexibel und können auch sehr kleine Stückzahlen herstellen. Der Markt für individualisierte Implantate wächst. Tendenziell wird grundsätzlich versucht, den Knochen des Patienten möglichst lange zu erhalten und nur die tatsächlich nicht mehr zu rettenden Knochenstrukturen durch Teilimplantate ersetzt. Dies ermöglicht im Regelfall zudem schonendere Eingriffe.

Wirtschaftsforum: Gibt es auch neue Technologien, die das Gussverfahren ersetzen können?

Peter Burghold: Einige Hersteller arbeiten bereits mit Titan-3-D-Druck. Dieses Verfahren ist besonders für stark individualisierte Bauteile, insbesondere für geometrisch komplexe Strukturen an diesen Bauteilen (zu nennen ist hierbei zum Beispiel die sogenannte Spongiosa Struktur) sehr interessant und in diesem Bereich tatsächlich auch in Zukunft wegweisend. Den Feinguss als solches wird dieses Verfahren aber aus meiner Sicht in den nächsten 10-15 Jahren nicht restlos ersetzen können.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele und Visionen haben Sie für das Unternehmen?

Peter Burghold: Mein Ziel ist, den Umsatz in den nächsten vier bis fünf Jahren um 50-60% zu erhöhen und das Unternehmen damit dorthin zu führen, wo es von seiner Leistungsfähigkeit her hingehört. Wir möchten unseren Kundenstamm erweitern und auch Länder erreichen, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind und dennoch exzellente Gussqualität für ihre Implantate erwarten. Wir möchten erreichbar sein für Kunden und Menschen, denen wir mit unserer ausgezeichneten Qualität sowie unserer langjährigen Erfahrung zur Seite stehen können. Probleme für unsere Kunden Lösen bei denen andere längst aufgegeben haben. Dafür ist die MediMet tatsächlich bekannt

Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Faktoren, die für Sie einen besonderen Antrieb darstellen?

Peter Burghold: Ich möchte das Unternehmen weiterhin stabilisieren und so aufstellen, dass das Management auch ohne Management funktioniert. Ich bin 31 Jahre jung; ich musste mich hier durchkämpfen und durch Leistung überzeugen. Die Mitarbeiter sollen sehen, was möglich ist, indem wir es ihnen vormachen. Ein Wunsch und Ziel, der mich persönlich besonders antreibt, ist, dass das Unternehmen MediMet als funktionierendes Zahnrad innerhalb unserer Gruppe: Groupe Lépine weiterhin einen tollen Beitrag zum Gesamterfolg der Unternehmung beiträgt, auch wenn ich mal (zumindest rein Hypothetisch) eine weile nicht im Unternehmen bin. Das klingt von außen eventuell etwas paradox, jedoch ist für mich Persönlich (wenn ich folgendes Bildnis einmal verwenden darf) eine „Maschine“ welche sich von innen heraus stets auf optimaler Leistung hält und nur bei absoluten Notfällen eingegriffen werden muss, höchst erstrebenswert, da ich mich somit mehr auf die Weiterentwicklung und Optimierung innerhalb der MediMet GmbH konzentrieren kann.

MediMet GmbH
Ohle Ring 23-25
21684 Stade-Wiepenkathen
Deutschland
+49 4141 80300
+49 4141 803020
info@medimet.de
www.medimet.de

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