„Wer nicht wirbt, der stirbt – und wer nicht investiert, verliert“
Interview mit Bernd Mausolf, Geschäftsführer der ICC Immobilien Management GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Mausolf, die ICC Immobilien Management GmbH steht für die Verwaltung des heutigen Boulevard Lütten Klein. Wie begann diese Entwicklung?
Bernd Mausolf: Der Ursprung liegt rund 30 Jahre zurück. Damals wurde das Objekt als Warnow Geschäftszentrum eröffnet – initiiert vom Hamburger Projektentwickler Arno Korthase. Er hat hier in Rostock ein starkes Fundament gelegt. Als er 2021 unerwartet verstarb, standen die Eigentümerinnen vor der Frage: Wie geht es weiter? Ich bin damals eingestiegen – mit dem Ziel, das Haus zukunftsfähig zu machen.
Wirtschaftsforum: Was haben Sie vorgefunden?
Bernd Mausolf: Ein solides Objekt, aber mit Handlungsbedarf. Wir hatten rund 1.600 m2 Leerstand bei etwa 25.000 m2 vermieteter Fläche. Das ist mehr, als gut ist. Die Immobilienbranche ist seit Corona angespannt. Also mussten wir uns neu aufstellen – strukturell, wirtschaftlich und im Marktauftritt.
Wirtschaftsforum: Was bedeutete das konkret?
Bernd Mausolf: Wir haben umfinanziert und rund 3 Millionen EUR in die Modernisierung investiert. Herzstück war unter anderem die Sanierung der Tiefgarage mit 750.000 bis 800.000 EUR – hell, modern, energieeffizient mit LED-Technik. Gleichzeitig haben wir das Zentrum umbenannt. Die Menschen in Lütten Klein haben es im Alltag ohnehin längst „Boulevard“ genannt. Wir haben diesen Sprachgebrauch aufgegriffen und den Namen offiziell übernommen.
Wirtschaftsforum: Wie positioniert sich das Zentrum heute?
Bernd Mausolf: Wir sind kein reines Einkaufszentrum und kein klassisches Ärztehaus. Aber wir sind stark im Gesundheitsbereich, haben Dienstleister, Handel, Gastronomie und mit dem größten Kino Mecklenburg-Vorpommerns einen Frequenzbringer. Unser Einzugsgebiet umfasst rund 70.000 Menschen. Die Menschen schätzen kurze Wege – und ein Umfeld, das funktioniert.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihre Verwaltung von anderen?
Bernd Mausolf: Nähe. Unser Büro ist im Objekt. Wir sind 24/7 erreichbar. Kleine Reparaturen, technische Themen – wir reagieren schnell. Wir steuern Dienstleister effizient, arbeiten mit klaren Prozessen, mit einem ERP-System und zunehmend digital. Und wir pflegen Netzwerke. Wenn ich jemanden in vier Wochen brauche, bekomme ich ihn in vier Wochen.
Wirtschaftsforum: Wie groß ist Ihr Unternehmen?
Bernd Mausolf: Wir sind neun Mitarbeitende. Unser Umsatz im Dienstleistungsbereich lag zuletzt bei 1,3 Millionen EUR. Wir wachsen stetig, aber kontrolliert. Qualität geht vor Geschwindigkeit.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft von Werten. Was meinen Sie damit?
Bernd Mausolf: Verbindlichkeit. Verantwortung. Augenhöhe. Ich sehe mich als Visionär – jemand, der fünf Jahre vorausdenkt. Aber am Ende zählt die Umsetzung. Wir haben Prozesse definiert, Rollen geklärt, Weiterbildung eingeführt. Jeder weiß, was er tut. Und wir achten darauf, dass Leistung und Menschlichkeit zusammenpassen.
Wirtschaftsforum: Sie werden das Unternehmen zum Jahresende übergeben. Fällt das schwer?
Bernd Mausolf: Nein. Ich bin 70 Jahre alt und habe bewusst bis hierher gearbeitet. Die Startrampe ist gebaut, die Flughöhe erreicht. Jetzt geht es darum, sie zu halten. Ich übergebe an die nächste Generation – aus dem eigenen Haus. Das erfüllt mich mit Stolz.
Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?
Bernd Mausolf: Schlechte Zeiten analysieren, gute Zeiten gestalten. Ich will sehen, dass Ideen tragen. Und ich will junge Menschen befähigen, Verantwortung zu übernehmen. Wenn sie sagen: „Das machen wir so“, und ich habe keinen inneren Widerstand – dann sollen sie es tun. So wächst man.
Wirtschaftsforum: Gibt es etwas, das Sie kritisch sehen?
Bernd Mausolf: Bürokratie. Eine Baugenehmigung dauert 9 bis 12 Monate. Das bremst Investitionen. Wir brauchen mehr Geschwindigkeit. Sonst hängt irgendwann die rote Laterne der Wettbewerbsfähigkeit an unserer Tür.
Wirtschaftsforum: Ihr Blick in die Zukunft?
Bernd Mausolf: Struktur stabilisieren, Marketing fortsetzen, sichtbar bleiben. Wer nicht wirbt, der stirbt. Wir haben heute wieder mehr Nachfrage als freie Flächen. Das ist Teamarbeit. Und darauf bin ich stolz.





