„Heute ist mehr Bargeld im Umlauf als je zuvor!“

Interview mit Josef Künzel, Geschäftsführer der GZT Geldzähltechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Künzel, Ihr Unternehmen steht für über 40 Jahre Erfahrung im Bargeldmanagement – wo genau kommen die von Ihnen vertriebenen Maschinen zum Einsatz?

Josef Künzel: Unsere Münz- und Banknotensortierungs- und -verpackungsanlagen werden hauptsächlich von großen geldverarbeitenden Handelsbetrieben sowie von Casinos und Banken verwendet. Im Laufe unserer Unternehmensgeschichte haben wir uns dabei mit unserem irrsinnig ambitionierten Mitarbeiterteam stets die neuesten Technologien zunutze gemacht und sind in vielen Bereichen zum österreichweiten Marktführer avanciert. So hat GZT den Münzeinzahler vielleicht nicht erfunden, aber wir waren die Ersten, die ihn in Europa auf den Markt gebracht haben. Aufgrund der schieren Masse an Bankfilialen, die wir mit dieser Technologie ausgestattet haben, sind wir damit zum größten Kunden des Herstellers geworden – des Weltmarktführers für Münzverarbeitungsmaschinen, – obwohl Österreich insgesamt nur einen vergleichsweise kleinen Markt darstellt.

Wirtschaftsforum: Ein besonderes Ereignis in Ihrer Unternehmensgeschichte dürfte vor 21 Jahren die Einführung des Euro als Bargeld gewesen sein.

Josef Künzel: Natürlich! Damals hatte unser Know-how Hochkonjunktur, und innerhalb von zwei Jahren haben wir Umsätze erzielt, die wir normalerweise in fünf Jahren nicht erwirtschaften – doch danach kam natürlich das große Auftragsloch, weil ja alle Kunden nun mit neuen Anlagen ausgestattet waren und sich vollumfänglich auf dem Stand der Technik befanden. Insofern war eine weitsichtige Geschäftsplanung damals für uns das A und O, um sowohl die enorme Nachfrage nach unseren Maschinen und Serviceleistungen bedienen, als auch die folgenden Jahre der Marktsättigung gut überstehen zu können. Kein Wunder, dass damals viele unserer Wettbewerber in Schwierigkeiten gerieten. Soweit ich weiß, waren wir das einzige Unternehmen in unserer Branche, das nach der Euro-Umstellung noch weitergewachsen ist.

Wirtschaftsforum: Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Josef Künzel: Wir fanden den Mut, noch in andere Märkte zu expandieren. So haben wir in dieser Zeit beispielsweise ein anderes Unternehmen aufgekauft, das Gehäuse für Banknotenauszahlgeräte hergestellt hat; wir haben dann auch das Innenleben dieser Maschinen neu entwickelt und damit neben Österreich auch in den osteuropäischen Ländern viele Erfolge gefeiert. Da es sich bei diesen Anlagen weiterhin um die schnellsten Maschinen handelt, die es auf dem Markt gibt, sind sie in vielen Großbanken und Handelsgeschäften noch heute im Einsatz. Denn gerade wenn viele Kunden an der Kasse stehen und Bargeld abheben möchten, spielt bei der Geldausgabe auch die Geschwindigkeit eine tragende Rolle – und hier kann kein Bargeldrecycler, an dem sich sowohl Ein- als auch Auszahlungen vornehmen lassen, mithalten.

Wirtschaftsforum: Worauf kommt es bei diesen Maschinen neben Schnelligkeit noch an?

Josef Künzel: Selbstverständlich auf Genauigkeit. Durch eine Sortieranlage fließen im Laufe ihres Lebenszyklus Millionen von Münzen oder Banknoten, an denen sich im Umlauf auch einiges an Verschmutzungen ansammelt. Trotzdem muss das Gerät stets in der Lage sein, anhand der Leitfähigkeit, der Dicke und des Durchmessers präzise und fehlerfrei den jeweiligen Wert festzustellen – das führt auch bei der besten Anlage zu einer gewissen Wartungsintensität, in deren Rahmen wir unsere Kunden im After-Sales-Bereich zuverlässig betreuen. Ebenso wichtig ist eine unbedingte Fälschungssicherheit – um dies zu gewährleisten, müssen auf den Geräten engmaschig wichtige Updates installiert werden, mit denen einmal erkannte Schwachstellen bei den Sicherheitsmerkmalen von Münzen und Banknoten zuverlässig geschlossen werden können, nachdem Fälschungen einer neuen Machart im Markt entdeckt wurden.

Wirtschaftsforum: In Zeiten von Kreditkarten und Apple Pay halten manche die Abschaffung des Bargelds nur noch für eine Frage der Zeit – wäre damit auch Ihr Geschäftsmodell am Ende?

Josef Künzel: Das Bargeld wird schon seit Jahrzehnten totgeredet, und doch hat der Bargeldumlauf in Wahrheit nur noch weiter zugenommen, sogar schneller als die alternativen Zahlungsmöglichkeiten gewachsen sind. Heute zirkuliert mehr Bargeld als je zuvor, einfach weil es für viele Bürger mit einer enormen emotionalen Bedeutung aufgeladen ist. Nicht einmal in den nordischen Ländern, wo der Marktanteil von Kreditkarten und digitalen Bezahlsystemen in Europa am höchsten ist, spricht man ernsthaft von der Abschaffung des Bargelds. Dies brächte schließlich gerade für die wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen in der Gesellschaft empfindliche Nachteile mit sich: Denn wer sein Geld abhebt und physisch als Münzen und Scheine einteilt, läuft nicht Gefahr, auf dem Girokonto ins Minus zu rutschen!

GZT Geldzähltechnik GmbH
Schiffmühlstraße 1
3425 Langenlebarn
Österreich
+43 2272 66900
+43 2272 6690060
mail(at)gzt.at
www.gzt.at

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